Starke operative Fortschritte, schwache Kurse. Bei SAP klaffen Realität und Börsenstimmung derzeit weit auseinander. Das Softwarehaus rollt eine massive KI-Strategie aus. Die Börse quittiert das mit einem neuen Jahrestief.

KI-Agenten im Kerngeschäft

SAP baut über 50 spezialisierte KI-Agenten in zentrale Plattformen wie S/4HANA ein. Dabei nutzt der Konzern die Technologie des Partners Anthropic. Ein zentraler Hub überwacht die Einhaltung aller Vorgaben.

Die Automatisierung zeigt erste messbare Erfolge. In der Produktion sanken Abfälle um 55 Prozent. Fehlerhafte Chargen gingen sogar um 80 Prozent zurück. Außerdem schließen Pilotkunden ihre KI-Projekte deutlich schneller ab.

Absturz auf Jahrestief

An der Börse verpuffen diese Erfolgsmeldungen völlig. Am Montag fiel das Papier auf ein neues Jahrestief bei 130,82 Euro. Der Schlusskurs lag mit 131,10 Euro kaum höher. Seit Jahresbeginn verlor der Konzern damit 35,10 Prozent an Wert.

Ein massiver Kontrast. Marktbeobachter sehen zwei Hauptgründe für den Druck. Konkurrent Oracle kündigte kürzlich gigantische Investitionen von 95 Milliarden US-Dollar an. Das schürt Ängste vor einem teuren Wettrüsten im Sektor.

Analysten von Goldman Sachs warnen explizit vor sinkenden Margen. Der teure Ausbau der KI-Infrastruktur könnte die Profitabilität kurzfristig spürbar belasten. Das drückt die Stimmung der Investoren.

Warten auf die Quartalszahlen

Technisch ist die Aktie stark angeschlagen. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt inzwischen 29,20 Prozent. Mit einem RSI-Wert von 31,4 nähert sich das Papier der überverkauften Zone.

Viele Analysten bleiben unbeeindruckt vom Abverkauf. Die UBS rät weiterhin zum Kauf und ruft ein Kursziel von 205 Euro aus. Der Markt-Konsens liegt mit rund 252 Euro sogar noch deutlich höher.

Management-Aussagen zur aktuellen Lage gibt es vorerst nicht. SAP hat am Montag die offizielle Ruhephase vor den Quartalszahlen eingeläutet. Am 23. Juli 2026 präsentiert der Vorstand die Ergebnisse für das zweite Quartal.