SAP hat auf der Goldman Sachs Communacopia + Technology Conference am Dienstag seine Pläne für künstliche Intelligenz konkretisiert. Der Konzern kündigte 400 neue KI-Agenten für September an, eine weitere Welle soll im Herbst folgen. Zugleich berichtete SAP von einer um 26 Prozent gewachsenen Cloud-Kundenbasis im zweiten Quartal.

CEO Christian Klein zeigte sich zuversichtlich, dass SAP mit seinem neuen KI-Plattform-Ansatz auf Kurs liege. Diese Zuversicht steht allerdings unter Beobachtung: Bloomberg berichtete, dass Aufsichtsratsmitglieder in den kommenden Monaten einen echten KI-Durchbruch von SAP sehen wollen, um im Wettbewerb nicht weiter zurückzufallen. Der Ton aus dem Kontrollgremium klingt damit deutlich drängender als noch vor wenigen Monaten.

Regulatorischer Druck verschiebt sich Richtung Oracle

Parallel zur KI-Debatte rückt ein anderes Thema in den Hintergrund, das SAP selbst noch im Sommer beschäftigt hatte. Reuters meldete, dass die EU-Wettbewerbshüter nun die Lizenzierungspraktiken von Oracle prüfen.

Der Fall ähnelt demjenigen, den SAP im Juli mit Zugeständnissen zur Erleichterung von Anbieterwechseln und Vertragsbeendigungen beigelegt hatte. Für SAP bedeutet das zumindest vorerst eine Verschnaufpause, während sich der regulatorische Blick der Kommission auf einen Wettbewerber richtet.

Kursreaktion bleibt verhalten

An der Börse kommt die Mischung aus KI-Ambitionen und externem Erwartungsdruck bislang nicht durchweg positiv an. Die Aktie schloss am Donnerstag bei 176,70 Euro, nach einem Rückgang von 2,0 Prozent gegenüber dem Vortag.

Auf Wochensicht steht ein Minus von 4,5 Prozent zu Buche, während sich der Kurs auf Monatssicht nahezu unverändert zeigt. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt liegt bei plus 5,1 Prozent, was zumindest mittelfristig noch für eine intakte Aufwärtstendenz spricht.

Mehrere deutschsprachige Marktberichte hatten SAP bereits zum Monatsbeginn unter den schwächsten DAX-Werten des Tages gesehen, ohne dass ein klarer Unternehmensauslöser dafür erkennbar war. Diese Nervosität scheint sich seither fortzusetzen, auch wenn die Konferenzauftritte des Managements inhaltlich eher Zuversicht vermittelten.

Erwartungsdruck als Belastungsfaktor

Die Situation für SAP ist damit zwiespältig. Operativ präsentiert sich der Konzern mit wachsenden Cloud-Kennzahlen und einem ambitionierten KI-Fahrplan. Gleichzeitig wächst der interne wie externe Druck, aus Ankündigungen sichtbare Ergebnisse werden zu lassen – der Aufsichtsrat selbst macht daraus laut Bloomberg keinen Hehl mehr.

Für Anleger dürfte in den kommenden Monaten entscheidend sein, ob die angekündigten KI-Agenten tatsächlich messbare Umsatz- oder Effizienzeffekte liefern. Bleibt der von Bloomberg beschriebene „Durchbruch“ aus, könnte der Erwartungsdruck aus dem eigenen Kontrollgremium zu einem zusätzlichen Belastungsfaktor für die Aktie werden – unabhängig davon, wie sich der regulatorische Gegenwind in Richtung Oracle weiter entwickelt.