Der Deal wurde am 17. Juli 2026 finalisiert, das Transaktionsvolumen liegt bei über 1,0 Milliarden Euro, davon mehr als 500 Millionen US-Dollar in bar. Prior Labs gilt als Spezialist für tabellarische Foundation Models, also KI-Systeme, die auf strukturierten Tabellendaten trainiert werden. SAP bestätigte zugleich, die Forschungsansätze und die Open-Source-Strategie des Startups vollständig zu integrieren. Prior Labs bleibt dabei als eigenständige Marke innerhalb des Konzerns bestehen.
Der Zukauf reiht sich in eine Serie von Akquisitionen ein, mit denen SAP seine KI-Wertschöpfungskette rund um Unternehmensdaten schließen will. Bereits zuvor hatte der Konzern die Übernahme des Datenverarbeitungsspezialisten Dremio abgeschlossen, um die Kette aus Datenbereinigung und Modellbildung für KI-Anwendungen zu vervollständigen. Im Mai 2026 kam zudem der Datenanbieter Reltio hinzu, mit dem SAP die Vereinheitlichung von Unternehmensdaten aus Fremdsystemen vorantreiben will. Bereits auf der Bilanzpressekonferenz zum Geschäftsjahr 2025 im Januar hatte der Vorstand angekündigt, die Investitionen in Business-AI massiv zu erhöhen und die Kostenentwicklung vom Umsatzwachstum zu entkoppeln.
Quiet Period vor den Halbjahreszahlen
Zu operativen Details äußert sich SAP derzeit nicht: Der Konzern befindet sich seit dem 16. Juli 2026 in der sogenannten Quiet Period vor der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen. Der Termin steht bereits fest: Am 23. Juli 2026 legt SAP um 22:05 Uhr MESZ die Ergebnisse für das zweite Quartal und das erste Halbjahr vor, um 23:00 Uhr folgt die Analystenkonferenz. Im Konsens erwarten Analysten einen Umsatz von 9,85 Milliarden Euro und einen Gewinn je Aktie von 1,76 Euro. Die jüngsten Übernahmen dürften bei der Konferenz Thema sein, konkrete Aussagen zu deren finanziellen Auswirkungen sind vor dem Berichtstermin aber nicht zu erwarten.
Belastet wurde der Kurs zuletzt auch von außen: Enttäuschende vorläufige Quartalszahlen des US-Wettbewerbers IBM Mitte Juli drückten auf den gesamten europäischen Softwaresektor. Anleger sorgen sich, dass IT-Budgets zunehmend in Richtung KI-Hardware statt Unternehmenssoftware verschoben werden könnten – eine Sorge, die auch SAP-Aktien unter Druck setzte.
Analysten sehen Bewertungsspielraum, aber auch Risiken
UBS-Analyst Michael Briest senkte am 13. Juli 2026 das Kursziel für SAP von 205 auf 164 Euro, beließ die Einstufung aber bei „Buy“. Als Begründung nannte er die Komplexität, die bestehende ERP-Systeme bei der Umsetzung der KI-Strategie mit sich bringen, sowie Bewertungsfaktoren.
Kurs nahe am Jahrestief
Am Freitag schloss die SAP-Aktie bei 138,50 Euro, ein Rückgang von 1,81 Prozent. Seit Jahresbeginn steht damit ein Minus von 33,53 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Tief bei 130,80 Euro, markiert Ende Juni 2026, trennen den Titel nur noch 5,89 Prozent – die Aktie bewegt sich damit deutlich näher an ihrer Jahrestiefmarke als an früheren Höchstständen. Für Anleger dürfte der 23. Juli zur entscheidenden Wegmarke werden: Erst dann zeigt sich, ob die Übernahmewelle rund um Prior Labs, Dremio und Reltio operativ Früchte trägt oder ob die Sorgen um Budgetverschiebungen und Integrationskomplexität überwiegen.
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