SAP hat am heutigen Mittwoch im Rahmen seines monatlichen Patch Day 19 neue Security Notes veröffentlicht. Vier davon gelten als kritisch, eine Lücke im Extended Passport Processing (CVE-2026-44756) erreicht mit einem CVSS-Score von 10,0 die höchste Gefährdungsstufe überhaupt.
Für Unternehmenskunden, die SAP-Systeme betreiben, bedeutet das umgehenden Handlungsbedarf – Angreifer könnten über die Schwachstelle im Extended Passport Processing potenziell weitreichenden Zugriff erlangen.
Die Aktie zeigt sich davon unbeeindruckt: Am heutigen Handelstag legt das Papier um 1,4 Prozent zu und notiert bei 184,40 Euro, nach einem Schlusskurs von 181,92 Euro am Dienstag. Anleger scheinen die regelmäßigen Sicherheitswarnungen inzwischen als Routinegeschäft eines Softwareriesen einzuordnen, dessen Systeme naturgemäß im Fokus von Angreifern stehen.
Geschäft läuft trotz Sicherheitsrisiken rund
Losgelöst von der IT-Sicherheitsproblematik bleibt SAP operativ auf Kurs. Erst am Dienstag meldete der Konzern, dass Lockheed Martin SAP SuccessFactors für seine Workforce Transformation einsetzt. Bereits Anfang September hatte SAP verkündet, dass der Industriekonzern HARTING seine Cloud-Transformation mit RISE with SAP vorantreibt. Solche Referenzkunden untermauern, dass der Umbau des Konzerns hin zu Cloud-Lösungen bei Großkunden ankommt.
Zahlen liefert der jüngste Quartalsbericht: Im zweiten Quartal 2026 stieg der aktuelle Cloud-Auftragsbestand um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro. Die Cloud-Erlöse legten um 22 Prozent zu, währungsbereinigt sogar um 24 Prozent.
Besonders das Kerngeschäft mit der Cloud ERP Suite wuchs mit plus 25 Prozent (währungsbereinigt plus 27 Prozent) kräftig. Der Gesamtumsatz kletterte um 9 Prozent, währungsbereinigt um 11 Prozent, während das Non-IFRS-Betriebsergebnis währungsbereinigt um 9 Prozent zulegte.
Zukäufe stärken KI-Strategie
Parallel zum operativen Wachstum treibt SAP seine Ambitionen im Bereich künstlicher Intelligenz durch Zukäufe voran. Anfang Juli schloss der Konzern die Übernahme von Dremio ab, einem Anbieter einer offenen Data-Lakehouse-Plattform, der SAPs Fähigkeiten im Bereich agentischer KI erweitern und die Verknüpfung von SAP- mit Nicht-SAP-Datenumgebungen erleichtern soll.
Mitte Juli folgte der Abschluss der Übernahme von Prior Labs, einem Pionier tabellarischer Foundation Models. SAP kündigte an, in den kommenden vier Jahren mehr als eine Milliarde Euro zu investieren, um Prior Labs zu einem globalen Frontier-AI-Labor auszubauen.
Diese Investitionen fließen bereits in die aktualisierte Jahresprognose ein: SAP passte den Ausblick für das Non-IFRS-Betriebsergebnis 2026 an, um den Verwässerungseffekt aus beiden Akquisitionen abzubilden. Kritischer äußerte sich die spanische Grupo Santander, die ihre Einstufung zur SAP-Aktie am 1. September von „Outperform“ auf „Market Perform“ zurücknahm.
Auf regulatorischer Seite erhielt SAP zudem Rückenwind: Anfang Juli begrüßte der Konzern die Entscheidung der Europäischen Kommission, ihre Überprüfung der Richtlinien für Wartung und Support von On-Premise-Lösungen abzuschließen – ein Verfahren, das für SAPs Bestandskundengeschäft von Bedeutung war.
Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Operativ und strategisch macht SAP mit starkem Cloud-Wachstum und gezielten KI-Zukäufen Boden gut, während die IT-Sicherheitslage – mit wiederkehrenden kritischen Schwachstellen – ein Dauerthema bleibt, das Kunden und Investoren im Blick behalten müssen.
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