SAP treibt an zwei Fronten neue Partnerschaften voran: Auf der New York Fashion Week präsentiert der Konzern ein KI-gestütztes Retail Innovation Lab, während im Cloud-Geschäft eine europäische Alternative zu den großen US-Hyperscalern startet. Beide Nachrichten fallen in eine Woche, in der die SAP-Aktie unter Druck steht und mit 178,50 Euro rund 7,7 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt, aber deutlich unter ihrem Jahreshoch notiert.

Fashion Week als Bühne für Enterprise-Technologie

Auf der New York Fashion Week zeigt SAP ein Retail Innovation Lab, das Store-Erlebnisse mit den Enterprise-Systemen des Konzerns verknüpft. Partner der Co-Innovation ist die Modemarke RE/DONE.

Der Auftritt soll demonstrieren, wie SAP-Technologie im Einzelhandel jenseits klassischer Backoffice-Prozesse eingesetzt werden kann – ein Signal an Kunden aus der Konsumgüter- und Modebranche, dass sich die KI-Strategie des Konzerns auch im direkten Kundenkontakt bewähren soll.

Analysten des Analysehauses Simply Wall St beziffern den fairen Wert der Aktie auf 207 Euro und verweisen zugleich auf Risiken durch komplexe Migrationsprojekte, hohe Kosten und Sicherheitsfragen bei der Umsetzung solcher Systeme.

STACKIT wird europäische Heimat für RISE with SAP

Parallel dazu meldet Schwarz Digits, die IT-Sparte der Schwarz-Gruppe, dass RISE with SAP künftig auch auf der eigenen Cloud-Plattform STACKIT kommerziell verfügbar ist. Die technische Bereitstellung soll im November beginnen. Nach eigenen, bislang unbestätigten Angaben von Schwarz Digits ist STACKIT damit der einzige europäische Hyperscaler, der RISE with SAP anbietet.

Die Zertifizierung habe rund anderthalb Jahre gedauert, SAP habe zudem Preisparität zu den US-Anbietern zugesagt. STACKIT selbst verarbeitet Medienangaben zufolge täglich mehr als 1.000 IT-Services für die Handelssparten der Schwarz-Gruppe, darunter Lidl, Kaufland und PreZero.

Für SAP ist die Partnerschaft mehr als eine technische Randnotiz. Europäische Cloud-Souveränität ist seit Monaten ein politisches Thema, und ein Angebot, das RISE with SAP komplett innerhalb europäischer Infrastruktur abbildet, dürfte Kunden ansprechen, die aus regulatorischen oder strategischen Gründen auf US-Hyperscaler verzichten wollen. Das passt zur wiederkehrenden Debatte um Europas technologische Abhängigkeit von amerikanischen Cloud-Anbietern.

Ex-Manager gründen KI-Startup mit SAP-Bezug

Eine dritte Entwicklung betrifft indirekt die Innovationskraft des Konzerns: Rouven Morato, ehemaliger Chief Data & Analytics Officer von SAP Deutschland, und Ramin Mirza, vormals Head of Platform & Technologies bei SAP, haben in St. Leon-Rot das Startup RM Impact gegründet. Es soll eine KI-Schicht über bestehende Systeme wie SAP, Salesforce und HubSpot legen, zunächst für Vertriebsteams im Mittelstand mit 200 bis 2.000 Beschäftigten. Solche Ausgründungen zeigen, wie stark das SAP-Ökosystem mittlerweile auch außerhalb des Konzerns selbst KI-Anwendungen hervorbringt.

Kursbild bleibt angeschlagen

Trotz der operativen Nachrichten bleibt der Kurs belastet: Auf Wochensicht verlor die Aktie 3,5 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 15 Prozent zu Buche. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 242,00 Euro beträgt aktuell 26 Prozent.

Die neuen Partnerschaften mit Schwarz Digits und die Präsenz auf der Fashion Week ändern daran kurzfristig wenig, könnten aber mittelfristig die Positionierung von SAP als europäischer Cloud- und KI-Anbieter stärken.