Die SAP-Aktie hat sich von ihrem Mehrjahrestief Ende Juli deutlich erholt. Auslöser waren starke Quartalszahlen, der Abschluss zweier KI-Übernahmen und eine für den Konzern glimpflich verlaufene Kartelluntersuchung der EU-Kommission.

Zum Handelsschluss am Montag notierte das Papier bei 179,86 Euro, binnen 30 Tagen hat es um 28,14 Prozent zugelegt. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie dennoch im Minus – die jüngste Rally macht bislang nur einen Teil der Verluste wett.

Cloud-Geschäft liefert die Grundlage

Den Ausschlag für die Kursbewegung gaben die am 23. Juli veröffentlichten Zahlen zum zweiten Quartal. Der Current Cloud Backlog, also das gebuchte, aber noch nicht abgerechnete Cloud-Geschäft, stieg um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro, währungsbereinigt um 26 Prozent.

Die Clouderlöse insgesamt legten um 22 Prozent zu, bei der Cloud-ERP-Suite betrug das Plus währungsbereinigt sogar 27 Prozent. Der Gewinn je Aktie kletterte auf 1,89 Euro, nach 1,45 Euro im Vorjahresquartal.

Gleichzeitig passte SAP seinen Ausblick für das Betriebsergebnis 2026 an. Grund ist ein Verwässerungseffekt aus den Übernahmen von Dremio und Prior Labs, den der Konzern auf mehr als 100 Millionen Euro schätzt. Die Integration der beiden Zukäufe kostet damit kurzfristig Marge, soll das Unternehmen aber strategisch stärker in Richtung Künstliche Intelligenz positionieren.

Die Akquisition von Dremio schloss SAP Anfang Juli ab, die von Prior Labs, einem Pionier sogenannter Tabellarischer Foundation Models, folgte Mitte Juli. In das neue KI-Labor will SAP nach eigenen Angaben in den kommenden vier Jahren mehr als eine Milliarde Euro investieren, um es zu einem weltweit führenden Frontier-AI-Labor für strukturierte Daten auszubauen.

EU-Kommission beendet Kartellverfahren ohne Bußgeld

Für zusätzliche Entlastung sorgte die Europäische Kommission. Sie akzeptierte Anfang Juli Verpflichtungsangebote von SAP, mit denen Wettbewerbsbedenken bei Support-Dienstleistungen für On-Premises-ERP-Software ausgeräumt wurden. Das im September 2025 eröffnete Verfahren endete damit ohne Bußgeld – SAP muss sich jedoch weltweit für zehn Jahre an die nun rechtsverbindlichen Zusagen halten.

Für Anleger bedeutet das vor allem: Ein Risikofaktor, der die Aktie zuletzt belastet hatte, ist vom Tisch, ohne dass der Konzern finanziell direkt zur Kasse gebeten wurde.

Analysten uneins über weiteres Potenzial

Trotz der positiven Nachrichtenlage gehen die Einschätzungen der Analysten weit auseinander. Goldman Sachs stufte die Aktie gestern mit einem Kursziel von 215 Euro als Kauf ein. Die DZ Bank bildet mit einer Verkaufen-Einstufung und einem auf 120 Euro gesenkten Kursziel am selben Tag die klare Gegenposition.

Bereits Ende Juli hatte Barclays sein Kursziel von 255 auf 220 Euro gesenkt, verwies dabei auf kurzfristige Unsicherheiten bei den Kosten und beließ die Einstufung dennoch auf „Overweight“.

Die Spanne der Kursziele zeigt, wie unterschiedlich der Markt die Belastungen aus den Zukäufen gegen das robuste Cloud-Wachstum abwägt. Charttechnisch mahnt zudem der Relative-Stärke-Index von 75,4 zur Vorsicht: Ein Wert oberhalb von 70 gilt gemeinhin als Signal für eine überkaufte Marktlage, nach der Rallye der vergangenen Wochen also nicht überraschend.

Ergänzend zur operativen Entwicklung hatte bereits Ende Januar Finanzvorstand Dominik Asam 6.000 SAP-Aktien zu einem Durchschnittspreis von 169,18 Euro erworben, eine Investition von mehr als einer Million Euro.

Der nächste konkrete Prüfstein für die Aktie folgt am 21. Oktober, wenn SAP die Zahlen zum dritten Quartal 2026 vorlegt. Bis dahin dürfte der Markt weiter zwischen den optimistischen und den skeptischen Stimmen unter den Analysten abwägen.