Starke KI-Ambitionen, schwache Kommunikation – bei SAP klaffen Anspruch und Wirklichkeit derzeit auseinander. Die Walldorfer haben ihre Regeln für Programmierschnittstellen verschärft. Die wichtigste Anwendergruppe reagiert mit scharfer Kritik. Das trifft den Softwarekonzern in einer ohnehin schwierigen Marktphase.

Die SAP-Aktie beendete den Freitagshandel bei 144,40 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier rund 28 Prozent an Wert verloren. Damit notiert der Kurs fast 47 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Kein Wunder, dass Anleger nervös auf neue Konflikte reagieren.

Verschärfte Regeln für Schnittstellen

SAP grenzt die Nutzung seiner APIs strikter ein. Künftig gelten nur noch explizit dokumentierte Schnittstellen als offiziell. Das Management will damit unkontrollierte Datenabflüsse stoppen. Das Unternehmen reguliert besonders den Einsatz von generativer KI über externe Systeme strenger. SAP begründet diesen Schritt mit nötiger technischer Stabilität.

Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe (DSAG) sieht das anders. Sie fürchtet um die Planungssicherheit der Kunden. DSAG-Chef Jens Hungershausen warnt vor einem Innovationsstopp. Unklare Regeln könnten Unternehmen davon abhalten, neue KI-Lösungen an SAP-Systeme anzubinden. Die Folge: ein Risiko für künftige Projekte.

Der Konzern beschwichtigt. Die neuen Richtlinien tangieren bestehende Kundenintegrationen kurzfristig nicht. Sie zielen laut SAP primär auf Neukunden ab. Offen bleibt das Vorgehen bei anstehenden Vertragsverlängerungen. Hier fordert die DSAG rasche Transparenz über mögliche neue Preismodelle.

Hauptversammlung und KI-Strategie im Fokus

Finanziell muss SAP derzeit gegensteuern. Der Vorstand rechnet zeitnah mit einem langsameren Cloud-Wachstum. Ein laufendes Aktienrückkaufprogramm stützt den Kurs. Bisher hat der Konzern eigene Papiere für 2,6 Milliarden Euro erworben. Auf der anstehenden Hauptversammlung steht zudem eine Dividende von 2,50 Euro zur Abstimmung.

Parallel dazu treibt SAP seine Technologie-Zukäufe voran. Die Übernahme des Daten-Spezialisten Reltio soll bis zum Herbst abgeschlossen sein. Vom 11. bis 13. Mai folgt dann die Sapphire-Konferenz. Dort präsentiert das Management seine neue KI-Architektur. Spätestens dann muss SAP erklären, wie die strengen API-Regeln zur eigenen KI-Offensive passen.