Scottish Mortgage Investment rückt mit seinem privaten Beteiligungsportfolio in eine entscheidende Phase. Der Grund ist SpaceX: Der geplante Börsengang des Raumfahrtkonzerns könnte zu einem der größten IPOs überhaupt werden. Für den Investment Trust wird damit aus einer schwer bewertbaren Privatmarktposition ein potenzieller Liquiditätshebel.
SpaceX wird zum Taktgeber
SpaceX hat seinen Börsenprospekt bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht und peilt den Börsenstart am 12. Juni 2026 an. Die angestrebte Bewertung liegt zwischen 1,75 und 1,8 Billionen Dollar, das Emissionsvolumen könnte bis zu 75 Milliarden Dollar erreichen.
Für Scottish Mortgage ist das deshalb relevant, weil der Trust seit Langem in Elon Musks Raumfahrtunternehmen investiert ist. Ein erfolgreicher Börsengang würde nicht nur einen Marktpreis für die Beteiligung liefern. Er könnte auch die Debatte über den Abschlag auf den inneren Wert des Trusts neu anstoßen.
Operativ liefert SpaceX derzeit Argumente für hohe Erwartungen. Die jüngsten Tests der Starship Version 3 stärkten das Vertrauen in den Entwicklungsplan. Im Jahr 2024 stand SpaceX für mehr als 80 Prozent der weltweiten Raketenstarts, während Starlink 2025 einen Gewinn von 4,4 Milliarden Dollar meldete.
Diese Zahlen erklären, warum der Börsengang weit über die Raumfahrtbranche hinaus beobachtet wird. SpaceX verbindet Transport, Satelliteninternet und staatliche Großaufträge in einer Marktposition, die kaum ein Wettbewerber kurzfristig angreifen kann.
Blue Origin patzt zur Unzeit
Der Wettbewerbsdruck hat sich zuletzt weiter zugunsten von SpaceX verschoben. Am 28. Mai 2026 explodierte eine New-Glenn-Rakete von Blue Origin bei einem Triebwerkstest in Cape Canaveral. Das trifft Jeff Bezos’ Raumfahrtfirma an einer empfindlichen Stelle.
Die Panne verzögert geplante Satellitenstarts sowie die Blue-Moon-Landermissionen für die NASA. Für die Artemis-III-Mission im Jahr 2027 dürfte die Abhängigkeit von SpaceX’ Starship damit weiter wachsen. Das stärkt die strategische Bedeutung der Beteiligung im Portfolio von Scottish Mortgage.
An der Börse ist ein Teil dieser Erwartung bereits angekommen. Die Aktie schloss am Freitag bei 18,07 Euro und legte am Tag 1,92 Prozent zu. Seit Jahresanfang steht ein Plus von 30,13 Prozent zu Buche.
Der Abstand zum jüngsten Hoch bleibt dennoch spürbar. Vom 52-Wochen-Hoch bei 18,85 Euro liegt der Kurs rund 4 Prozent entfernt, während er klar über dem 50-Tage-Durchschnitt von 16,16 Euro notiert. Das Bild ist freundlich, aber nicht überhitzt.
Governance bremst die Euphorie
Ein Selbstläufer ist der SpaceX-IPO trotzdem nicht. Der dänische Pensionsfonds AkademikerPension mit 25 Milliarden Dollar verwaltetem Vermögen hat den Börsengang auf seine Ausschlussliste gesetzt. Begründet wird das mit „katastrophalen Governance-Strukturen“.
Im Zentrum steht Musks erwartete Stimmrechtskontrolle von rund 80 Prozent. Auch US-Pensionsfonds wie CalPERS und der New York State Pension Fund äußerten Vorbehalte. Damit prallen zwei Kräfte aufeinander: operative Dominanz und Governance-Skepsis.
Das Marktumfeld hilft Scottish Mortgage derzeit eher. Globale Aktienfonds verzeichneten in der Woche bis zum 27. Mai 2026 Nettozuflüsse von 457,57 Millionen Dollar, nachdem in der Vorwoche noch 6,56 Milliarden Dollar abgeflossen waren. Die Erholung hängt stark an der anhaltenden Rally bei Technologie- und KI-Aktien.
Der MSCI World erreichte am 30. Mai 2026 mit 1.129,06 Punkten ein Rekordhoch. Für einen wachstumsorientierten Trust wie Scottish Mortgage ist das ein günstiger Rückenwind, solange die Risikobereitschaft in Technologie- und Privatmarktwerte anhält.
Der nächste konkrete Termin ist klar: Bis zum geplanten SpaceX-Börsengang am 12. Juni dürfte die Bewertung der privaten Beteiligung zum zentralen Kurstreiber werden. Ein starkes IPO würde Scottish Mortgage Rückenwind geben; Governance-Widerstand oder schwache Nachfrage könnten den Bewertungsaufschlag schnell begrenzen.
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