Sellas Life Sciences hat einen langwierigen Rechtsstreit mit dem chinesischen Partner 3D Medicines abgeschlossen. Ein Schiedsgericht des Hongkonger Schiedsgerichtshofs HKIAC hatte Ende Juli sämtliche Ansprüche des Biotech-Unternehmens gegen 3D Medicines abgewiesen. Am 18. August wurde die Zwangsvollstreckung des Schiedsspruchs vollzogen: Sellas überwies rund 1,0 Millionen US-Dollar an Rechtskosten.

Die Nachricht wirkt auf den ersten Blick belastend, klärt aber vor allem eine offene Rechtsfrage. Entscheidend für Anleger ist die Feststellung, dass die Auseinandersetzung die Gültigkeit der Lizenzvereinbarung für den Großraum China nicht berührt. 3D Medicines behält die exklusiven Rechte zur Entwicklung und Vermarktung des Impfstoffkandidaten GPS in dieser Region – inklusive eines Meilensteinvolumens von bis zu 191,5 Millionen US-Dollar, das weiterhin an Sellas fließen könnte, sollte die Partnerschaft Fortschritte erzielen.

Bilanz bleibt solide trotz Rechtskosten

Die Zahlung an 3D Medicines fällt angesichts der Kassenlage kaum ins Gewicht. Zum 30. Juni verfügte Sellas über liquide Mittel von 138,3 Millionen US-Dollar, wie das Unternehmen vor gut drei Wochen mitteilte.

Der Nettoverlust im zweiten Quartal lag bei 9,6 Millionen US-Dollar, getragen von Forschungsausgaben von 6,3 Millionen und Verwaltungskosten von 4,4 Millionen US-Dollar. Die Streitbeilegung mit 3D Medicines schließt somit eine Altlast ab, ohne die finanzielle Basis für die laufenden klinischen Programme zu gefährden.

Aufmerksamkeit richtet sich auf REGAL-Studie

Während der Rechtsstreit einen Schlusspunkt findet, bleibt der eigentliche Kurstreiber die Phase-3-Studie REGAL zum Wirkstoff GPS. Das Unternehmen nähert sich dem vorab festgelegten 80. Ereignis, das die finale Analyse auslösen soll – inklusive Datenbank-Schließung, verblindeter Datenprüfung und anschließender Entblindung. Ein konkreter Zeitpunkt für dieses Ereignis wurde bislang nicht genannt.

Parallel dazu läuft die Phase-2-Studie zu SLS009 bei neu diagnostizierter akuter myeloischer Leukämie. Von den geplanten 80 Patienten waren zum Berichtszeitpunkt 28 eingeschlossen, Topline-Daten werden für das vierte Quartal erwartet. Zusätzlich verweist Sellas auf präklinische Daten zu SLS009 beim Bauchspeicheldrüsenkrebs, deren klinische Weiterentwicklung an einer akademischen Spitzeninstitution vorbereitet wird.

Medienberichten zufolge hat sich die institutionelle Eigentümerstruktur der Aktie in den vergangenen Wochen deutlich verändert: Der Anteil institutioneller Investoren soll sich vor dem erwarteten REGAL-Signal auf gut 36 Prozent verdoppelt haben, wobei passive und indexgebundene Fonds mittlerweile das Register dominieren.

Multi-Strategie- und Quant-Fonds sollen sich hingegen zurückgezogen haben, was die kurzfristige Handelsvolatilität rund um den anstehenden Katalysator dämpfen könnte.

Kursreaktion bleibt verhalten

Die Aktie notiert aktuell bei 12,20 Euro und legt am heutigen Mittwoch um 1,7 Prozent zu, nachdem sie gestern bei 12,00 Euro geschlossen hatte. Zum 52-Wochen-Hoch von 15,25 Euro, erreicht Ende Juni, fehlen der Aktie 20 Prozent.

Gegenüber dem 50-Tage-Durchschnitt von 10,66 Euro notiert das Papier hingegen 14 Prozent höher – ein Zeichen dafür, dass der mittelfristige Aufwärtstrend trotz der Nachricht zum Rechtsstreit intakt bleibt. Anleger dürften den Blick nun verstärkt auf die anstehenden Studienmeilensteine richten, die über den weiteren Kursverlauf entscheiden werden.