ServiceNow will KI-Agenten in Unternehmen an die Leine legen und gleichzeitig Mitarbeitern das Bauen eigener Agenten erleichtern. Der Softwarekonzern hat dafür heute zwei Produktpakete vorgestellt: den „AI Passport“ für Governance und eine erweiterte Version von EmployeeWorks. Beide zielen auf dasselbe Problem, nämlich KI-Agenten sicher in den Produktivbetrieb zu bringen.
AI Passport: Berechtigungen in Echtzeit prüfen
Der AI Passport ist ein kryptografisch signierter Nachweis, den jeder KI-Agent zur Laufzeit vorzeigt. Er legt fest, auf welche Daten und Werkzeuge der Agent zugreifen darf. Bleibt er in seinem Rahmen, arbeitet er frei. Weicht er ab, greift das System abgestuft ein: umleiten, einschränken, neu mit Kontext versorgen. Im Extremfall beendet ein Kill-Switch den Agenten.
Der Ansatz soll vorbeugen, statt nur im Nachhinein zu protokollieren. Gerade bei Agenten von Drittanbietern entsteht so ein überprüfbarer Berechtigungsnachweis, der nicht auf Selbstauskünften der Agenten beruht. NVIDIA ist Design- und Launch-Partner und baut die Durchsetzung auf seiner Sicherheitsplattform für offene Agenten auf.
Ergänzend erweitert ServiceNow die Governance-Funktionen: Erkennung nicht genehmigter „Shadow AI“, mehr als 400 Konnektoren für die Entdeckung von KI-Systemen und eine Kostenkontrolle für KI-Ausgaben. Für Banken gibt es zudem eine Lösung für operative Resilienz. Der Hintergrund: Laut ServiceNows eigenem Index nutzen alle befragten Banken KI, nur 24 Prozent verfügen über passende Governance.
AI Passport, Shadow-AI-Erkennung und das KI-Kostenmanagement sollen im vierten Quartal 2026 verfügbar sein. Die Banklösung läuft bereits.
EmployeeWorks: Agenten ohne Programmierung
Parallel dazu öffnet ServiceNow die dritte Generation von EmployeeWorks. Mitarbeiter ohne Programmierkenntnisse können damit eigene Assistenten und automatisierte Routinen bauen, mit von Administratoren definierten Leitplanken. Ein Vertriebsleiter etwa lässt einen Agenten vor Arbeitsbeginn Kundentermine prüfen und passende Pitch-Unterlagen vorbereiten.
Entwickler erhalten mit ToolSmith eine Umgebung, die per natürlicher Sprache Werkzeuge für die Assistenten baut. Aus Wochen sollen Minuten werden, so das Versprechen. Über eine neue Schnittstelle lassen sich die Funktionen zudem in eigene Anwendungen einbinden.
Alle Komponenten sind vorerst nur in kontrollierter Verfügbarkeit. Ein breiter Rollout steht noch aus. Details zu ToolSmith gibt es auf der Entwicklerkonferenz now[dev]26 am 4. und 5. November.
Strategische Einordnung
ServiceNow positioniert sich als Kontrollinstanz für die agentische Unternehmens-IT. Wer KI-Agenten verschiedener Anbieter betreibt, braucht eine zentrale Stelle für Rechte, Kosten und Nachweise. Genau diese Rolle beansprucht der Konzern. Kunden wie LTM setzen bereits 1.500 Agenten ein und führen sie in der Control Tower als zentrales Register.
Den nächsten harten Datenpunkt liefern die Quartalszahlen am 28. Oktober.
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