Ein Kurssprung von über zehn Prozent an einem einzigen Handelstag — das ist keine Selbstverständlichkeit, auch nicht im volatilen Technologiesektor. ServiceNow schloss den Freitag bei 86,88 Euro und ließ damit eine turbulente Woche deutlich versöhnlicher enden.
OpenAI-IPO-Verschiebung entlastet den Sektor
Den unmittelbaren Auslöser lieferte eine Meldung rund um OpenAI. Berichten zufolge könnte das Unternehmen seinen Börsengang auf 2027 verschieben — wegen finanzieller Hürden und der komplexen Umwandlung aus einer gemeinnützigen Struktur heraus.
Das klingt zunächst wie eine Randnotiz. Für Enterprise-Software-Anbieter wie ServiceNow ist es aber relevant: Die Sorge, dass gut finanzierte KI-Startups etablierte SaaS-Anbieter schnell verdrängen könnten, verliert an Dringlichkeit. Mehr Zeit bedeutet mehr Spielraum, das eigene KI-Angebot auszubauen.
KI-Produkte treiben das Wachstum
ServiceNow liefert dabei konkrete Zahlen. Die KI-Produktlinie Now Assist erzielte im ersten Quartal 2026 einen jährlichen Vertragswert von 750 Millionen Dollar. Das Management hob daraufhin das Jahresziel für 2026 auf 1,5 Milliarden Dollar an — zuvor lag die Marke bei einer Milliarde. Die Zahl der Kunden, die mindestens eine Million Dollar für Now Assist ausgeben, wuchs im Jahresvergleich um mehr als 130 Prozent.
CEO Bill McDermott kaufte Ende Februar persönlich Aktien im Wert von drei Millionen Dollar. Mehrere weitere Führungskräfte strichen geplante Verkäufe. Solche Signale aus der Chefetage werden am Markt registriert.
Analysten ziehen nach. Benchmark erhöhte das Kursziel auf 130 Dollar und hält an der Kaufempfehlung fest. Der Konsens liegt bei einem durchschnittlichen Kursziel von rund 142 Dollar — deutlich über dem aktuellen Niveau.
Geopolitik hinterlässt Spuren
Trotz des starken Freitags ist die Aktie auf 30-Tage-Sicht noch leicht im Minus. Im April markierte sie ein 52-Wochen-Tief. Mitverantwortlich war unter anderem der Nahost-Konflikt: Das Management bezifferte den Gegenwind durch verzögerte Vertragsabschlüsse in der Region auf 75 Basispunkte beim Wachstum der Abonnementumsätze im ersten Quartal.
Der RSI liegt aktuell bei 49 — technisch neutral, weder überkauft noch überverkauft. Die annualisierte Volatilität von rund 80 Prozent zeigt aber, wie schnell sich das ändern kann.
Strategisch baut ServiceNow weiter aus. Die Übernahme des Sicherheitsanbieters Armis für 7,75 Milliarden Dollar schloss das Unternehmen im April ab. Hinzu kommen vertiefte Partnerschaften mit IBM und HPE. Ob der Freitags-Schwung anhält, entscheidet sich spätestens mit den nächsten Quartalszahlen im Herbst.
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