AUSGANGSLAGE

ServiceNow hat in der laufenden Woche wichtige Weichen für seine zukünftige Rolle im Bereich der Unternehmens-KI gestellt. Ein zentraler Punkt ist die gestern bekannt gegebene Erweiterung der Partnerschaft mit Tech Mahindra.

Das Ziel dieser mehrjährigen Zusammenarbeit ist die großflächige Skalierung von KI-Einsätzen in Unternehmen. Dabei nutzen die Partner den sogenannten „Client Zero“-Ansatz. In diesem Rahmen fungieren Tech Mahindra und die Mahindra & Mahindra Group als Validierungsumgebungen, um die KI-Plattform von ServiceNow umfassend zu testen, bevor sie einem breiteren Markt zugänglich gemacht wird.

Dieser strategische Schritt erfolgt in einer Phase, in der das Unternehmen signifikante Erfolge bei der Monetarisierung seiner Technologien vorweisen kann. Am Mittwoch hob die Bank of America ihr Kursziel für ServiceNow von 130,00 auf 150,00 US-Dollar an und bekräftigte ihre Kaufempfehlung.

Die Analysten begründeten diesen Schritt mit dem Erreichen eines wichtigen Meilensteins: Das Unternehmen hat bei KI-Verträgen ein Volumen von einer Milliarde US-Dollar erreicht. Dies habe die Befürchtungen zerstreut, dass ServiceNow durch neue KI-Wettbewerber verdrängt werden könnte. Angesichts eines Kurszuwachses von 32 % innerhalb der letzten 30 Tage rückt die Frage nach der Nachhaltigkeit dieser Bewertung in den Fokus.

DIE ENTSCHEIDENDE FRAGE

Der entscheidende Faktor für den weiteren Erfolg von ServiceNow liegt in der Überführung von KI-Pilotprojekten in produktive, autonome Workflows. Es geht für Anleger nun darum, ob das Unternehmen den technologischen Vorsprung in dauerhaft steigende Abonnement-Einnahmen ummünzen kann.

Um diesen Fortschritt für Kunden greifbar zu machen, veröffentlichte ServiceNow am Dienstag ein Update für den Bereich ITOM AIOps. Kernstück ist das neue „AI Value“-Dashboard, das die Zeitersparnis durch den Einsatz von KI quantifizierbar macht. Parallel dazu wurde der bisherige Assistent „Now Assist“ im Bereich des IT-Operations-Managements in „ServiceNow Otto“ umbenannt.

Die Notwendigkeit einer solchen Erfolgskontrolle wird durch aktuelle Marktdaten unterstrichen. Laut dem am Montag veröffentlichten „Enterprise AI Maturity Index“ hat sich die Akzeptanz von agentenbasierter KI in bestimmten Regionen wie Singapur im Jahresvergleich mehr als verdoppelt.

ServiceNow muss beweisen, dass die Plattform nicht nur als Hilfsmittel, sondern als zentrales Steuerungselement für autonome Geschäftsprozesse unverzichtbar wird. Nur wenn die Kunden den messbaren Mehrwert in ihren Bilanzen sehen, lässt sich der Aufschlag bei der Bewertung gegenüber dem breiten Softwaremarkt langfristig halten.

BULLISCHES SZENARIO

In einem optimistischen Szenario gelingt ServiceNow die Transformation zum dominierenden Anbieter für automatisierte Unternehmensprozesse und Sicherheit. Ein wesentlicher Treiber könnte hier die geplante Übernahme des Cybersecurity-Unternehmens Armis für 7,75 Milliarden US-Dollar sein, die vor rund zwei Wochen im Kontext der Quartalszahlen thematisiert wurde.

Die Analysten von TD Cowen bekräftigten am Dienstag ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 140,00 US-Dollar. Sie hoben hervor, dass die Expansion in den Sicherheitssektor zusätzliche Wachstumspotenziale erschließt.

Zusätzlichen Rückenwind liefert die Expansion in neue Märkte wie Brasilien, wo das Unternehmen vor rund zwei Wochen sein erstes Büro eröffnete, um regionale KI-Talente zu fördern.

Sollte ServiceNow die Dynamik aus dem zweiten Quartal beibehalten, in dem der Gewinn pro Aktie mit 0,90 US-Dollar die Erwartungen übertraf, könnte die Aktie ihre aktuelle Dynamik fortsetzen. Mit einem aktuellen Kurs von 110,90 € notiert das Papier zwar unter seinem jüngsten Hoch an der Nasdaq, zeigt aber eine robuste relative Stärke.

Optimistische Marktteilnehmer verweisen zudem auf andere Analysehäuser, die ihre Ziele am 12. August sogar auf bis zu 175,00 US-Dollar hochgeschraubt haben, da sich der Fokus der Investoren wieder verstärkt von KI-Hardware hin zu Softwareanwendungen verschiebt.

BÄRISCHES SZENARIO

Das größte Risiko für ServiceNow liegt in einer möglichen Margenkompression durch die massiven Investitionskosten für die KI-Infrastruktur. Medienberichten zufolge stuften Analysten am 11. August das Papier auf „Neutral“ herab, da die aktuelle Bewertung kaum noch Spielraum für Enttäuschungen lasse.

Ein Warnsignal könnte auch das Verhalten von Insidern sein. Am vergangenen Donnerstag veräußerte Director Paul Edward Chamberlain 1.500 Aktien zu einem Durchschnittspreis von 125,60 US-Dollar. Auch wenn dieser Verkauf unter einem vorab festgelegten Handelsplan erfolgte, findet er auf einem erhöhten Kursniveau statt.

Zusätzlich wurden am Montag im Rahmen von Pflichtmitteilungen Aktienzuteilungen an Führungskräfte bekannt. So wurden unter anderem für die Personal- und KI-Leiterin Jacqueline P. Canney 970 Anteile und für den Leiter des weltweiten Kundengeschäfts Paul Fipps 640 Anteile fällig.

Ein Teil dieser Aktien wurde zur Deckung von Steuerverpflichtungen zu einem Preis von 117,70 US-Dollar einbehalten. Technisch gesehen mahnt der aktuelle RSI von 61,7 zur Vorsicht. Zwar gilt der Wert noch nicht als extrem überkauft, doch die Luft für weitere schnelle Sprünge wird dünner, sollte die erhoffte Beschleunigung des Neugeschäfts im öffentlichen Sektor ausbleiben.

Beim „Government Forum“ am vergangenen Freitag wurde deutlich, dass Behörden zwar an autonomen Workflows interessiert sind, die Umsetzung in reale Verträge jedoch oft langwierigen bürokratischen Prozessen unterliegt.

AUSBLICK

Die kurzfristige Richtung der Aktie wird maßgeblich von der Fähigkeit abhängen, die angekündigte Guidance zu erfüllen. Für das dritte Quartal 2026 hat ServiceNow ein Ziel für die Abonnement-Umsätze zwischen 3,975 Milliarden und 3,980 Milliarden US-Dollar ausgegeben.

Solange das Unternehmen diese Marken erreicht und gleichzeitig die Effizienzgewinne durch „ServiceNow Otto“ bei Bestandskunden nachweisen kann, bleibt das Szenario einer moderaten Fortsetzung des Aufwärtstrends wahrscheinlich.

Der nächste konkrete Katalysator für die Aktie ist die Veröffentlichung der Finanzergebnisse für das dritte Quartal, die für Ende Oktober 2026 erwartet wird. Bis dahin müssen Anleger darauf achten, ob die Integration von Armis wie geplant voranschreitet und ob weitere Großverträge im Bereich der Enterprise-KI gemeldet werden.

Ein Abkippen unter die psychologisch wichtige Marke, die durch die jüngsten steuerbedingten Einbehaltungen bei 117,70 US-Dollar markiert wurde, könnte hingegen auf eine beginnende Konsolidierung hindeuten. Investoren sollten zudem die globale Agentic-AI-Adoption im Auge behalten, da diese als Frühindikator für die Nachfrage nach den neuen ServiceNow-Modulen dient.