Sonnen hat gestern Insolvenz beantragt. Für Shell betrifft die Nachricht ein bereits verkauftes Geschäft: Der Konzern hatte den deutschen Heimspeicheranbieter an TIVEN abgegeben. Die Insolvenz ist deshalb nicht mit dem Zusammenbruch einer weiterhin zu Shell gehörenden Sparte gleichzusetzen. Sie wirft aber ein Schlaglicht auf die wirtschaftliche Entwicklung des früheren Investments.

Kundendienst soll zunächst weiterlaufen

Rund 400 Beschäftigte wurden über den Insolvenzantrag informiert. Sonnen bietet neben Heimspeichern auch virtuelle Kraftwerke an. Die Dienste für die Kunden sollen vorerst weiterlaufen. Wie sich Wartung und Betreuung langfristig entwickeln, bleibt dagegen ungewiss.

Medienberichten zufolge könnten Tochtergesellschaften liquidiert und die Produktion auf einen Standort reduziert werden. Damit steht nicht nur die Finanzierung des Unternehmens zur Debatte, sondern auch dessen künftige operative Struktur. Eine Fortführung sämtlicher bisheriger Aktivitäten ist nicht zugesichert.

Der wirtschaftliche Rückgang zeichnete sich bereits vor der Insolvenz ab. Laut Handelsblatt sank Sonnens Umsatz 2024 auf 198,9 Millionen Euro.

Für Shell-Anleger ist dabei die Trennung der Vorgänge entscheidend: Der Verkauf war bereits erfolgt, als Sonnen den Insolvenzantrag stellte. Der Antrag betrifft den früheren Beteiligungsbesitz und ist keine Insolvenzmeldung des Shell-Konzerns.

Ein kostspieliges früheres Engagement

Shell übernahm Sonnen 2019 für rund 500 Millionen Euro. Die Gesamtinvestitionen des Konzerns hätten laut einem Bericht unter Berufung auf das Handelsblatt eine Milliarde Euro überstiegen.

Damit hatte das Engagement einen erheblichen finanziellen Umfang. Die historischen Investitionen sind allerdings nicht mit einem durch den jüngsten Insolvenzantrag ausgelösten Verlust gleichzusetzen. Für die Einordnung zählt vielmehr, dass Shell das Geschäft vor dessen Insolvenz abgegeben hatte.

Der Rückzug aus dem deutschen Batteriespeichergeschäft passt zu dem in Berichten beschriebenen stärkeren Fokus auf den Energiehandel. Die Sonnen-Nachricht verdeutlicht damit vor allem den Abstand zwischen Shells früherem Engagement und seiner heutigen Ausrichtung.

Kerngeschäft bleibt der entscheidende Maßstab

Für die weitere Bewertung von Shell rückt damit die Ertragskraft der verbliebenen Aktivitäten in den Vordergrund. Eine heute veröffentlichte Einschätzung sieht höhere Raffineriemargen als möglichen Gewinnstützer. Aktienrückkäufe, Dividendenwachstum und eine niedrige Verschuldung werden ebenfalls als Argumente genannt.

Die Erwartungen sind jedoch nicht durchweg positiv. Investors’ Chronicle warnt, dass bei möglicherweise sinkenden Ölpreisen die diesjährigen Gewinne nicht wiederholt werden könnten. Geopolitische Unsicherheit und potenzieller Investitionsbedarf bleiben weitere Risiken.

Die Sonnen-Insolvenz dokumentiert somit Schwierigkeiten eines früheren Investments. Für Shells künftige Gewinnentwicklung sind dagegen die Margen und Investitionen im fortgeführten Geschäft entscheidend.