Shell richtet sein internationales Portfolio konsequent auf die langfristige Nachfrage nach Flüssigerdgas aus. Gestern traf das Tochterunternehmen Shell Canada Energy die endgültige Investitionsentscheidung für die zweite Phase des Großprojekts LNG Canada. Die Erweiterung soll die Produktionskapazität der Anlage von 14 Millionen Tonnen pro Jahr auf 28 Millionen Tonnen pro Jahr verdoppeln.

Shell hält an dem Vorhaben einen Anteil von 40 Prozent. Durch den Ausbau sichert sich das Unternehmen einen zusätzlichen jährlichen Bezug von fast sechs Millionen Tonnen Flüssigerdgas. Der Beginn des kommerziellen Betriebs ist für die frühen 2030er Jahre vorgesehen.

Mit dieser Weichenstellung reagiert der Konzern auf den weltweiten Wandel der Energiemärkte, in denen verflüssigtes Erdgas eine zentrale Rolle für eine verlässliche Energieversorgung einnimmt.

Marktrisiken und strategische Neuausrichtung

Hintergrund der Investitionsentscheidung ist auch die angespannte Lage an den internationalen Rohstoffmärkten. Laut der Nachrichtenagentur Reuters warnten führende Vertreter von Shell und dem norwegischen Energiekonzern Equinor am 16. September vor einer länger anhaltenden Phase knapper Angebote und hoher Preisschwankungen. Die Fähigkeit der weltweiten Industrie, potenzielle Lieferausfälle im Nahen Osten abzufedern, schwinde zusehends.

Vor diesem Hintergrund treibt Shell die Bereinigung und Neuausrichtung seiner Anlagen voran. Vor gut einer Woche schloss das Unternehmen den Verkauf seiner nicht-operativen Beteiligung an der Plattform Na Kika sowie der Coulomb-Anbindung ab. Die Barmittel aus der Veräußerung an Tochtergesellschaften von Talos Energy und Ridgewood Energy beliefen sich auf rund 840 Millionen Dollar.

Parallel dazu vereinbarte Shell den Verkauf seiner Beteiligung an RISEC Holdings an Constellation für 715 Millionen Dollar bei gleichzeitigem Erwerb von Hunlock Creek Generating. Beide Transaktionen stehen unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen und sollen im ersten Quartal 2027 abgeschlossen werden.

Managementbeteiligung und Kursverlauf

Das Vertrauen in die strategische Ausrichtung spiegelt sich auch in der Führungsebene wider. Am 24. September erwarben Führungskräfte des Konzerns, darunter CEO Wael Sawan und CFO Sinead Gorman, zusätzliche Dividendenaktien.

An den Finanzmärkten ging das Papier gestern bei 41,94 Euro aus dem Handel. Der Kurs liegt damit 2,5 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch, weist seit Jahresbeginn jedoch einen Zuwachs von 34 Prozent auf.