Siemens Aktie: KI-Revolution im Maschinenbau

Siemens erweitert die Partnerschaft mit Nvidia, um ein KI-Betriebssystem für die Industrie zu entwickeln. Ziel ist die Revolutionierung der gesamten Wertschöpfungskette mit digitalen Zwillingen und KI-Fabriken.

Siemens Aktie
Kurz & knapp:
  • Neues KI-Betriebssystem für industrielle Wertschöpfungsketten
  • Digitaler Zwilling Composer ab Mitte 2026 verfügbar
  • Neun neue KI-Assistenten für Produktion und Entwicklung
  • Erste vollständig KI-gesteuerte Fabrik für 2026 geplant

Siemens-Chef Roland Busch stand am Dienstag auf der Tech-Messe CES in Las Vegas gemeinsam mit Nvidia-CEO Jensen Huang auf der Bühne – eine Anerkennung, die dem Münchner Konzern in der Technologieszene neue Strahlkraft verleiht. Doch während internationale Tech-Giganten applaudieren, herrscht in Deutschland noch Skepsis: Viele unterschätzen, was Siemens außer ICE-Zügen eigentlich macht.

Die Antwort lieferte die CES eindrucksvoll. Siemens kündigte eine massive Ausweitung der Partnerschaft mit Nvidia an, um gemeinsam das „Industrial AI Operating System“ zu entwickeln – eine KI-gestützte Plattform, die die gesamte industrielle Wertschöpfungskette revolutionieren soll. Von Design und Engineering über Produktion bis hin zu Lieferketten: Künstliche Intelligenz soll künftig alle Prozesse durchdringen.

Digitaler Zwilling wird Realität

Herzstück der Offensive ist der „Digital Twin Composer“, der ab Mitte 2026 verfügbar sein wird. Die Software verbindet Siemens‘ umfassenden digitalen Zwilling mit Echtzeit-Ingenieurdaten und Nvidia-Simulationen. Unternehmen können damit virtuelle 3D-Modelle ihrer Produkte, Prozesse oder Anlagen erstellen und durch die Zeit navigieren – von Wetteränderungen bis zu technischen Modifikationen lassen sich alle Auswirkungen präzise visualisieren.

PepsiCo nutzt die Technologie bereits und konnte die Durchsatzleistung in ersten US-Werken um 20 Prozent steigern. Bis zu 90 Prozent möglicher Probleme werden erkannt, bevor physische Änderungen vorgenommen werden. Das Ergebnis: 10 bis 15 Prozent geringere Investitionsausgaben durch optimale Kapazitätsnutzung.

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Neun neue KI-Assistenten für die Industrie

Siemens erweitert zudem sein Portfolio an KI-gestützten Copiloten drastisch. Neun neue industrielle Assistenten sollen die gesamte Wertschöpfungskette abdecken – von der Produktdatennavigation über Compliance-Automatisierung bis zur Fertigungsoptimierung. Die Copiloten reduzieren Fehler, beschleunigen Markteinführungen und senken Betriebskosten.

Commonwealth Fusion Systems nutzt Siemens-Technologie, um kommerzielle Fusionsreaktoren zu entwickeln – eine potenzielle Quelle sauberer, unbegrenzter Energie. In der Pharmaforschung ermöglicht die Dotmatics-Plattform von Siemens die Vereinheitlichung von Milliarden Datenpunkten, was die Medikamentenentwicklung um bis zu 50 Prozent beschleunigen könnte.

Weltpremiere: Autonomes Fahren trifft Metaverse

Erstmals präsentierte Siemens auf der CES sein autonomes Fahrerlebnis mit der PAVE360-Technologie. Ein echtes Fahrzeug operiert autonom in einer vollständig virtuellen Umgebung – ein System-Level-Digital-Twin, der die Entwicklung softwaregesteuerter Fahrzeuge massiv beschleunigen soll.

Parallel arbeitet Siemens an der Integration industrieller KI in Meta Ray-Ban AI-Brillen. Werksarbeiter erhalten dadurch audiobasierte Echtzeitanleitung, Sicherheitshinweise und Feedback – komplett freihändig.

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Erste vollständig KI-gesteuerte Fabrik kommt 2026

Besonders ambitioniert: Siemens und Nvidia wollen 2026 die weltweit erste vollständig KI-gesteuerte, adaptive Produktionsstätte realisieren. Als Blaupause dient die Siemens-Elektronikfabrik in Erlangen. Nvidia stellt KI-Infrastruktur, Simulationsbibliotheken und Frameworks bereit, während Siemens Hunderte KI-Experten sowie führende Hard- und Software einbringt.

Die Zusammenarbeit umfasst vier Schwerpunkte: KI-natives EDA-Design, KI-native Simulation, KI-gesteuerte adaptive Fertigung samt Lieferketten sowie KI-Fabriken. Nvidia-NIM und Nemotron-KI-Modelle werden in Siemens‘ EDA-Software integriert, um generative und agentenbasierte Workflows für Halbleiter- und Leiterplattendesign voranzutreiben.

Skepsis der Investoren bleibt

Trotz technologischer Durchbrüche sehen Investoren die „One Tech Company“-Strategie von CEO Busch noch kritisch. Das Handelsblatt attestiert Siemens zwar Weltklasse-Status neben SAP, Telekom und Infineon, fordert aber klarere Kommunikation und schärfere Strategieumsetzung.

Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Siemens einen Umsatz von 78,9 Milliarden Euro bei einem Nettogewinn von 10,4 Milliarden Euro. Rund 318.000 Mitarbeiter arbeiten weltweit für den Konzern. Ob die KI-Offensive die Bewertung nachhaltig antreibt, muss sich 2026 beweisen – die technologische Grundlage dafür ist gelegt.

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Über Felix Baarz 1434 Artikel
Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.