Europas Stromnetze stehen vor einer massiven Belastungsprobe – ausgelöst durch den wachsenden Bestand an Elektrofahrzeugen. Eine von Siemens durchgeführte Studie liefert nun eine Zahl, die aufhorchen lässt: Mit intelligentem Lastmanagement ließen sich europaweit bis 2030 rund 10 Milliarden Euro an Netzinvestitionen einsparen.
Wachsender Bedarf, cleverer Ausweg
Die im Auftrag von EIT Urban Mobility, ChargeUp Europe und ACEA erstellte Untersuchung modelliert 64 europäische Städte und kommt zu einem klaren Ergebnis: Ohne Gegenmaßnahmen müssten bis 2030 etwa 24,7 Milliarden Euro in die Verteilnetze fließen, um den Boom bei Elektrofahrzeugen aufzufangen.
Mit intelligentem EV-Lastmanagement – also der koordinierten Steuerung von Ladezeitpunkten und Ladegeschwindigkeit – sinkt dieser Bedarf auf rund 14 Milliarden Euro.
Der Bestand an batterieelektrischen Fahrzeugen soll sich bis 2030 verzweifachen und mehr: Die Studie rechnet mit einem Wachstum um das 3,8-Fache. Alle 64 untersuchten Städte benötigen demnach Netzverstärkungen, wobei der Löwenanteil der Investitionen – 77,7 Prozent – auf die Niederspannungsebene entfällt.
Verantwortlich dafür ist vor allem das Laden zu Hause: Bis 2030 sollen 55 bis 62 Prozent der E-Auto-Besitzer in den untersuchten Städten Zugang zu privater Ladeinfrastruktur haben.
Warum das für Siemens relevant ist
Für den Konzern ist die Studie mehr als eine akademische Fingerübung. Sie unterstreicht die Rolle von Netzdigitalisierung und intelligenter Steuerungstechnik – Geschäftsfelder, in denen Siemens mit seiner Energie-Sparte positioniert ist. Je stärker europäische Netzbetreiber auf smarte Lösungen statt auf reinen Infrastrukturausbau setzen, desto größer wird der adressierbare Markt für entsprechende Technologieanbieter.
Die Zahlen liefern damit ein Argument für den strukturellen Rückenwind, den die Energiewende dem Konzern verschafft. Wie schnell sich das in konkreten Aufträgen niederschlägt, hängt maßgeblich davon ab, wie zügig europäische Netzbetreiber und Regulierer auf die Empfehlungen der Studie reagieren.
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