Siemens baut sein Kerngeschäft neu zusammen. Am Donnerstag kündigte der Münchner Konzern eine grundlegende Neuordnung seines Automatisierungsgeschäfts an. Parallel dazu sichert sich das Unternehmen eine strategische Partnerschaft im US-Markt für intelligente Stromnetze.

Vier Sparten werden eins

Siemens bündelt vier bisher getrennte Einheiten in einer neuen Organisation namens „Automation“. Customer Services, Factory Automation, Motion Control und Process Automation gehen zum 1. Oktober 2026 in der neuen Struktur auf. Das Ziel: weniger Schnittstellen zwischen Hardware, Software und industrieller KI.

Kunden sollen künftig flexiblere Produktionslösungen aus einer Hand bekommen. An der Spitze der neuen Einheit steht Rainer Brehm, aktuell COO für das Automatisierungsgeschäft bei Digital Industries. Brehm berichtet direkt an Cedrik Neike, Vorstandsmitglied und CEO von Digital Industries.

Neike begründet den Schritt mit der wachsenden Bedeutung von KI in der Industrie. Automatisierung und künstliche Intelligenz würden zunehmend zusammenwachsen. Genau an dieser Schnittstelle will Siemens künftig ansetzen.

Partnerschaft für stabilere Stromnetze

Am selben Tag verkündete Siemens eine weltweite Kooperation mit der Electric Power Group (EPG) aus Pasadena. Die beiden Unternehmen verbinden Siemens‘ Netzautomatisierung mit der Analyse-Technologie von EPG.

Im Zentrum steht die Kombination aus Wide Area Monitoring Systems und Synchrophasor-Technologie. Diese Systeme erkennen Instabilitäten in Stromnetzen in Echtzeit. Das wird wichtiger, je mehr erneuerbare Energien ins Netz drängen und die Komplexität steigt.

Netzbetreiber können dadurch schneller auf Störungen reagieren. Die Partnerschaft zielt direkt auf ein Problem, das mit dem Ausbau von Wind- und Solarenergie global zunimmt.

Starke Zahlen im Rücken

Der Umbau kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Siemens operativ gut dasteht. Vor zwei Wochen meldete der Konzern für das dritte Quartal 2026 einen Rekord-Auftragseingang von 27,9 Milliarden Euro – ein Plus von 13 Prozent. Besonders stark: das Segment Smart Infrastructure.

Der Vorstand hat daraufhin die Gewinnprognose angehoben. Das unverwässerte Ergebnis je Aktie vor Kaufpreisallokationen soll 2026 zwischen 11,20 und 11,50 Euro liegen. Zuvor lag die Spanne bei 10,70 bis 11,10 Euro.

Die Bank RBC bleibt bei ihrer Einstufung „Sector Perform“ mit einem Kursziel von 280 Euro. Analyst Mark Fielding verweist auf das stärkste Quartal der Branche seit drei Jahren – getrieben vor allem vom Ausbau der Rechenzentren für KI-Anwendungen.

Markt reagiert gelassen

Die Aktie zeigte sich von den Ankündigungen unbeeindruckt und notiert bei 275,80 Euro, ein Minus von 0,09 Prozent. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 15 Prozent zu Buche. Der organisatorische Umbau trifft auf ein Unternehmen, dessen operatives Geschäft stabil läuft – die Marktreaktion am Donnerstag spiegelt das wider, ohne größere Ausschläge in die eine oder andere Richtung.