Die Abspaltung ist beschlossen, das Etikett verteilt – jetzt beginnt das eigentliche Spiel: das um den Preis. Kaum war klar, dass Siemens Energy seine Sparte Transformation of Industry auf eigene Beine stellt, tauchten die Namen jener auf, die genau darauf gewartet haben.

CVC Capital Partners, EQT, Bain Capital, Brookfield, KKR – kaum ein großer Name der Private-Equity-Branche fehlt, der laut Bloomberg-Berichterstattung derzeit Gebote für Teile der Sparte prüft. Eine Bewertung von mehr als 10 Milliarden Euro steht im Raum.

Das ist die eigentliche Geschichte hinter der Geschichte. Nicht die Trennung selbst treibt die Debatte, sondern die Frage, wer am Ende zahlt – und wie viel.

Reuters berichtete ergänzend, Siemens Energy bereite den Verkauf des Großteils der Industrieeinheit vor und habe Goldman Sachs als Berater für potenzielle Gebote auf die Dampfturbinen- und Industriesparte mandatiert. Ein Bankhaus dieses Kalibers wird nicht engagiert, um Höflichkeitsgespräche zu führen.

Ein Konzern schrumpft sich gesund

Es ist ein Muster, das man in der europäischen Industrielandschaft derzeit häufiger sieht: Konzerne trennen sich von Sparten, die zwar solide, aber nicht mehr strategischer Kern sind, um sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren – und um Kapital für den großen Umbau der Energiewelt freizusetzen.

Siemens Energy will künftig stärker auf Stromerzeugung und Netze fokussiert sein, während die Industriesparte als eigenständiges Unternehmen weiterleben soll, mit der Option auf externe Investoren oder eine Kapitalmarkttransaktion. Eine wesentliche Minderheitsbeteiligung will der Konzern behalten – ein Fuß bleibt also in der Tür.

Das ist bemerkenswert, weil es zeigt, wie sehr sich das Selbstverständnis von Siemens Energy in wenigen Jahren gewandelt hat. Vom Sorgenkind mit Milliardenverlusten bei Siemens Gamesa zum Konzern, der jetzt selbstbewusst Teile abstößt, weil er sie nicht mehr braucht, um zu wachsen.

Ein Baustein dieses Wandels: Das Windkraftgeschäft ist erstmals seit 2022 wieder profitabel, wie Berichte um den 19. August meldeten – ein Befreiungsschlag, der dem Konzern erst die Ruhe gibt, jetzt über Strukturfragen statt über Verluste zu sprechen.

Der Markt reagiert nüchtern, nicht euphorisch

Interessant ist, wie zurückhaltend die Börse auf die Nachricht der Spaltung reagierte. Statt eines Freudensprungs gab es leichte Kursabschläge – Berichte von Reuters, dem Wall Street Journal und Bloomberg verknüpften die Kursreaktion direkt mit der Umstrukturierung. Das passt zum Bild: Die Aktie hat seit ihrem Jahreshoch im April bereits deutlich Federn gelassen und notiert aktuell rund 24 Prozent unter der Marke von 195,38 Euro, die am 24. April erreicht wurde. Zum Wochenschluss stand der Kurs bei 149,28 Euro, ein Minus von 0,8 Prozent auf Tagessicht und von 2,7 Prozent auf Wochensicht.

Wer nur auf die letzten Tage schaut, verpasst freilich die größere Bewegung: Auf Jahressicht steht ein Plus von 62 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es 24 Prozent. Diese Diskrepanz zwischen kurzfristiger Nervosität und langfristiger Stärke ist typisch für eine Aktie, die gerade eine strukturelle Neuausrichtung durchläuft – Anleger preisen die Unsicherheit der Übergangsphase ein, ohne die grundsätzliche Story infrage zu stellen.

Parallel zu all dem lief im Hintergrund noch ein anderes Kapitel: Mitte August beendete Siemens Energy sein Aktienrückkaufprogramm über rund eine Milliarde Euro. Insgesamt wurden 6.467.098 Aktien beziehungsweise 0,751 Prozent des Grundkapitals eingesammelt, allein in der letzten Berichtsperiode vom 10. bis 16. August weitere 472.203 Stücke.

Ein Rückkauf dieser Größenordnung signalisiert Vertrauen des Managements in die eigene Bewertung – just in dem Moment, in dem gleichzeitig über den Verkauf eines Konzernteils für mehr als 10 Milliarden Euro verhandelt wird.

Die eigentliche Frage bleibt offen

Wird am Ende ein Finanzinvestor den Zuschlag bekommen, oder entscheidet sich Siemens Energy für den Weg über den Kapitalmarkt? Beide Optionen stehen laut Unternehmensangaben weiter offen.

Für Beobachter der europäischen Energiewende ist dieser Prozess mehr als eine Konzern-Fußnote – er zeigt, wie sehr Kapital, Industriepolitik und die Neuordnung ganzer Wertschöpfungsketten inzwischen zusammengehören. Die Namen der interessierten Bieter jedenfalls sprechen eine klare Sprache: Wo Private Equity in dieser Dichte anklopft, wird selten kleingeteilt gehandelt.