Starke Zahlen, höhere Ziele, schwächere Aktie: Bei Siemens Energy passt die operative Lage derzeit besser zur Story als der kurzfristige Kursverlauf. Nach dem Rekordlauf bis Ende April hat das Papier spürbar Luft abgelassen. Der Markt sortiert neu, wie viel Optimismus schon im Kurs steckt.
Am Mittwoch notiert die Aktie bei 170,36 Euro und gewinnt 1,24 Prozent. Auf Sicht von sieben Tagen steht dennoch ein Minus von 4,26 Prozent. Das zeigt: Die Gegenbewegung läuft, aber die Korrektur ist noch nicht aus dem Bild.
Gewinnmitnahmen nach starkem Lauf
Der Rücksetzer wirkt vor allem wie eine normale Abkühlung nach einer sehr kräftigen Rally. Seit Jahresanfang liegt Siemens Energy noch immer 38,73 Prozent im Plus. Über zwölf Monate summiert sich der Gewinn sogar auf 117,13 Prozent.
Kein Wunder, dass einige Investoren Gewinne sichern. Die Aktie hatte am 24. April ihr 52-Wochen-Hoch bei 188,00 Euro erreicht. Vom aktuellen Niveau aus fehlen rund 9 Prozent bis zu dieser Marke.
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Fundamental hat sich das Bild zuletzt nicht verschlechtert. Siemens Energy meldete für das zweite Geschäftsquartal einen Gewinn je Aktie von 0,89 Euro. Im Vorjahreszeitraum lag dieser Wert bei 0,50 Euro. Der Umsatz erreichte 10,29 Milliarden Euro.
Aufträge stützen die Bewertung
Der wichtigste Treiber bleibt das Netzgeschäft. Grid Technologies profitiert vom weltweiten Ausbau der Stromnetze, der durch erneuerbare Energien und höhere Lasten im System an Bedeutung gewinnt. Das ist kein kurzfristiger Modetrend, sondern ein Investitionszyklus über Jahre.
Besonders stark fiel der Auftragseingang aus. Im zweiten Quartal meldete Siemens Energy ein Volumen von 17,75 Milliarden Euro. Das Management hob außerdem das Ziel für den Free Cashflow vor Steuern auf rund 8 Milliarden Euro an.
Damit erklärt sich auch, warum die Aktie trotz Korrektur hoch bewertet bleibt. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 145,95 Milliarden Euro. Im DAX zählt der Konzern damit weiter zu den Schwergewichten.
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Chart bleibt konstruktiv
Technisch ist der Rücksetzer bisher kein Bruch des Trends. Der Kurs liegt über dem 50-Tage-Durchschnitt von 164,09 Euro. Auch der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt bleibt mit 30,48 Prozent groß.
Der RSI von 60,7 signalisiert keine extreme Überhitzung. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 45,00 Prozent zeigt aber, dass die Aktie weiter stark schwanken kann. Nach einem solchen Lauf reicht oft wenig, um neue Gewinnmitnahmen auszulösen.
Kapitalmaßnahmen liefern einen weiteren Rahmen. Siemens Energy hatte ein Aktienrückkaufprogramm bis zum Geschäftsjahr 2028 angekündigt. Geplant sind Rückkäufe eigener Aktien im Volumen von bis zu 6 Milliarden Euro.
Der nächste harte Prüfpunkt kommt am 5. August. Dann legt der Konzern den Bericht zum dritten Quartal vor. Bis dahin dürfte der Markt vor allem darauf achten, ob der Auftragstrend im Netzgeschäft die hohe Bewertung weiter trägt.
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