Weltweit reißen sich Kunden um Gasturbinen für neue KI-Rechenzentren. Siemens Energy sitzt am längeren Hebel. Indes gewährt der Konzern deutschen Energieversorgern einen ungewöhnlichen Rabatt. Sie müssen keine Reservierungsgebühren für neue Produktionsplätze mehr zahlen.

Millionenrabatt für heimische Kunden

Normalerweise verlangt der Anlagenbauer zehn bis 15 Prozent des Kaufpreises vorab. Das summiert sich schnell auf einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag. Diese Anzahlung sichert begehrte Kapazitäten in den vollen Werken ab. Nun streicht das Management diese Hürde für heimische Kunden. Der Konzern will damit die deutsche Energiewende stützen.

Finanziell spielt Deutschland für Siemens Energy eine Nebenrolle. Der Heimatmarkt steuert weniger als zehn Prozent zum globalen Milliardenumsatz bei. Das große Geld verdient das Unternehmen längst woanders. Die Nachfrage nach hocheffizienten Gasturbinen explodiert förmlich.

KI-Boom füllt die Auftragsbücher

Rechenzentren für künstliche Intelligenz brauchen verlässliche Grundlastenergie. Zwischen 2022 und 2025 stieg die weltweite Nachfrage nach Gasturbinen bereits um 40 Prozent. Künftig versorgt ein Viertel aller neuen Anlagen riesige Serverfarmen. Kein Wunder. Die Auftragsbücher des Münchner Konzerns quellen über.

An der Börse spiegelt sich das robuste operative Geschäft wider. Die Aktie beendete den Freitagshandel bei 153,46 Euro. Das entspricht einem Kursplus von knapp 25 Prozent seit Jahresbeginn. Der übergeordnete Aufwärtstrend ist intakt. Der Kurs notiert komfortabel über der 200-Tage-Linie von 136,66 Euro.

Aktie im Konsolidierungsmodus

Dennoch hat das Papier seit dem Frühjahr an Schwung verloren. Vom 52-Wochen-Hoch aus dem April ist der Kurs rund 21 Prozent entfernt. Der Relative Strength Index signalisiert mit einem Wert von 42,7 einen neutralen Markt. Die Volatilität bleibt mit 54 Prozent auf einem erhöhten Niveau.

Siemens Energy verzichtet in Deutschland kurzfristig auf sichere Einnahmen. Langfristig festigt der Konzern damit seine politische Position im Heimatmarkt. Solange der weltweite KI-Boom die Kapazitäten auslastet, verschmerzt das Management dieses Zugeständnis problemlos.