Siemens Energy schärft sein Profil weiter: Der Konzern will laut Reuters den Großteil seiner Sparte Transformation of Industry veräußern und sich künftig stärker auf Gas-Turbinen und Netze konzentrieren. Die Einheit steuerte im Vorjahr 5,7 Milliarden Euro Umsatz bei, das entsprach 15 Prozent des Konzernumsatzes bei einer Marge von 11 Prozent.

Parallel dazu arbeitet das Unternehmen laut Reuters mit Goldman Sachs an einer möglichen Veräußerung einer Mehrheit am Steam-Turbine-Geschäft. Mehrere Finanzinvestoren prüfen laut Bloomberg mögliche Angebote, darunter CVC, EQT, Bain Capital sowie Brookfield und KKR. Der Umbau zielt darauf ab, das Portfolio zu straffen und Kapital für die Kernbereiche freizusetzen – ein Kurs, den Siemens Energy seit Monaten konsequent verfolgt.

Betriebsstopp in Brasilien belastet operativ

Nicht alle Nachrichten sind erfreulich: Im brasilianischen Gaskraftwerk GNA II kam es laut Reuters seit dem 10. August zu einem Betriebsstopp, ausgelöst durch einen Fehler im Stromkreis des Dampfturbinen-Leistungsschalters. Eigentümer des Kraftwerks ist ein Joint Venture von BP, Siemens Energy und SPIC. Solche operativen Störungen bleiben ein Risikofaktor für den Konzern, auch wenn sie das strategische Umbauprogramm nicht infrage stellen.

Rückkaufprogramm abgeschlossen

Bereits am 14. August hat Siemens Energy sein Aktienrückkaufprogramm beendet. Seit dem 4. Juni kaufte der Konzern insgesamt 6.467.098 Aktien zurück, das entspricht 0,751 Prozent des Grundkapitals. Der durchschnittliche Kaufpreis lag bei 154,6288 Euro je Aktie, das Gesamtvolumen erreichte rund eine Milliarde Euro. Das Programm unterstreicht die finanzielle Stabilität des Konzerns inmitten des laufenden Portfolioumbaus.

Kursreaktion und Analystensicht

Die Aktie notiert aktuell bei 151,74 Euro und gibt am heutigen Mittwoch um 1,1 Prozent nach, nach einem Schlusskurs von 153,50 Euro am Dienstag. Damit liegt das Papier rund 22 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro, das im April markiert wurde.

Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 26 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass die jüngste Konsolidierung nach einem starken Lauf erfolgt.

Am heutigen Mittwoch äußerten sich gleich zwei Analysehäuser zur Aktie. RBC bestätigt die Einstufung „Outperform“, senkt das Kursziel jedoch von 210 auf 200 Euro. JPMorgan bleibt bei „Overweight“ und bekräftigt sein Kursziel von 245 Euro – deutlich über dem aktuellen Kursniveau.

Die unterschiedlichen Kurszielspannen spiegeln die Unsicherheit rund um den Ausgang der laufenden Verkaufsverhandlungen wider: Während die einen die Bewertungschancen einer schlankeren Konzernstruktur betonen, mahnen andere zur Vorsicht angesichts operativer Risiken wie in Brasilien.

Für Anleger bleibt der Konzernumbau der entscheidende Faktor. Sollten die Verkäufe der Transformation-of-Industry-Sparte und des Steam-Turbine-Geschäfts zu attraktiven Konditionen gelingen, könnte dies die Bewertung stützen. Bis zum Abschluss der Verhandlungen dürfte die Aktie jedoch volatil bleiben – die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 52 Prozent legt davon Zeugnis ab.