Der Verkaufsprozess für die Dampfturbinensparte von Siemens Energy nimmt Fahrt auf. Medienberichten zufolge prüfen gleich mehrere große Finanzinvestoren eine Mehrheitsbeteiligung an dem zum Verkauf stehenden Geschäftsbereich. Genannt werden CVC Capital Partners, EQT, Bain Capital, Brookfield und KKR – ein Kreis, der die Bedeutung des Deals für die Private-Equity-Branche unterstreicht.
Für Siemens Energy passt der Vorstoß in eine Phase des grundlegenden Konzernumbaus. Erst am Freitag hatte das Unternehmen den Zeitplan für die rechtliche Verselbstständigung der Industriesparte „Transformation of Industry“ konkretisiert, die künftig unter dem Namen „Omterra“ firmieren soll.
Ziel ist eine vollständige Entkonsolidierung, wobei Siemens Energy eine strategische Minderheitsbeteiligung behalten will. Der geplante Verkauf der Dampfturbinensparte reiht sich in diese Strategie der Portfoliobereinigung ein, mit der sich der Konzern auf margenstärkere Wachstumsfelder konzentrieren will.
Anlegerinteresse trotz operativer Stärke
Dass ausgerechnet jetzt mehrere schlagkräftige Finanzinvestoren Interesse an der Sparte zeigen, spricht für deren strategischen Wert – auch wenn das klassische Dampfturbinengeschäft im Konzernportfolio zunehmend als Randbereich gilt.
Operativ steht Siemens Energy derzeit robust da: Im dritten Geschäftsquartal meldete der Konzern einen Rekord-Auftragseingang von 17,9 Milliarden Euro, der Auftragsbestand kletterte auf einen Höchststand von 162 Milliarden Euro.
Rund ein Fünftel der neuen Aufträge entfällt mittlerweile auf Energieinfrastruktur für KI-Rechenzentren – ein Wachstumsfeld, das dem Konzern deutlich mehr Aufmerksamkeit einbringt als das traditionelle Turbinengeschäft.
Der Konzernvorstand bestätigte zudem im Rahmen aktueller Investorengespräche die Jahresprognose für 2026: Erwartet werden eine Marge vor Sondereffekten zwischen 10 und 12 Prozent sowie ein Nettoergebnis von rund 4 Milliarden Euro. Diese Zahlen signalisieren, dass der Umbau nicht auf Kosten der operativen Stabilität geht.
Kurs unter Druck, Bewertung bleibt Streitpunkt
An der Börse kam die Aktie zuletzt unter Druck: Am Montag verlor das Papier 4,3 Prozent und schloss bei 142,66 Euro. Belastend wirkten dabei weniger die Verkaufspläne für die Dampfturbinensparte als vielmehr Berichte über einen möglichen Einstieg von SpaceX in die Fertigung eigener Gasturbinen für Rechenzentren sowie anhaltende Unsicherheit über die Bewertung der Omterra-Abspaltung. Auf Wochensicht steht damit ein Minus von 6,9 Prozent zu Buche.
Die Sorge, Siemens Energy könnte im wachsenden Markt für dezentrale Stromversorgung von Rechenzentren Konkurrenz durch branchenfremde Anbieter bekommen, trifft auf einen ohnehin fragilen Newsflow: Zwischen Abspaltungsdetails, Verkaufsgesprächen und Wettbewerbssorgen fällt es Anlegern derzeit schwer, den fairen Wert des Konzerns einzuschätzen.
Der geplante Verkauf der Dampfturbinensparte dürfte diese Unsicherheit kurzfristig kaum auflösen – langfristig könnte ein erfolgreicher Abschluss jedoch als weiterer Beleg dafür dienen, dass der Konzernumbau bei Investoren auf reales Interesse stößt.
Parallel zu den Verkaufsverhandlungen liefert das operative Geschäft weiter Impulse: Der Betreiber des Nordsee-Windparks „Bard Offshore 1“, Ocean Breeze Energy, erteilte Siemens Energy kürzlich einen Millionenauftrag zur Modernisierung von Frequenzumrichtern an 80 Windkraftanlagen. Auch die indische Tochtergesellschaft steuert positive Signale bei: Sie meldete für das abgelaufene Quartal einen um 52,4 Prozent gestiegenen Nettogewinn.
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