Der heftige Rücksetzer der vergangenen Woche ist bei Siemens Energy noch nicht aufgeholt, die Aktie arbeitet sich aber wieder nach oben. Am Donnerstag kommen weitere 0,2 % hinzu, der Kurs steigt auf 144,88 Euro. Vorausgegangen war ein Einbruch von zeitweise rund 8 %, nachdem eine Analysten-Herabstufung des US-Wettbewerbers GE Vernova auch Siemens Energy unter Verkaufsdruck gesetzt hatte. Seit diesem Rückschlag hat sich die Aktie deutlich erholt. Die jüngsten Schwankungen fallen in eine breitere Debatte über die künftigen Investitionen in künstliche Intelligenz. Dario Amodei, Elon Musk und Sam Altman haben angesichts möglicher Gefahren durch außer Kontrolle geratene KI-Systeme strengere Schutzmaßnahmen beziehungsweise ein langsameres Entwicklungstempo gefordert. An den Märkten stellt sich damit auch die Frage, ob ein geringeres Tempo beim KI-Ausbau die Investitionen in neue Rechenzentren bremsen könnte.
Für Siemens Energy führt diese Diskussion unmittelbar zum Strombedarf der Rechenzentren. Große Anlagen benötigen leistungsfähige Netzanschlüsse, Übertragungskapazitäten und eine zuverlässige Versorgung. Mit Netz- und Kraftwerkstechnik ist der Konzern an mehreren Stellen dieses Ausbaus beteiligt. Weniger neue Rechenkapazitäten könnten deshalb die Erwartungen an entsprechende Projekte dämpfen. Zusätzlichen Druck brachte zuletzt die Entwicklung bei GE Vernova. Die Herabstufung des US-Wettbewerbers belastete die Stimmung für die Branche und traf auch Siemens Energy. Hinzu kamen steigende Kapitalmarktzinsen: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte über 5 %.
Siemens Energy: Analysten sehen das alles anders
Nach den starken Schwankungen bleibt für die technische Entwicklung der Siemens-Energy-Aktie die Marke von 133,30 Euro relevant. Ein nachhaltiges Unterschreiten würde das kurzfristige Chartbild weiter verschlechtern. Mit 144,88 Euro notiert das Papier am Donnerstag wieder deutlich darüber.
Die Diskussion über geringere KI-Investitionen betrifft allerdings vor allem das Tempo zusätzlicher Projekte. Bereits bestehende und geplante Rechenzentren benötigen weiterhin Strom und entsprechende Netzkapazitäten. Die Warnungen aus der KI-Branche zielen zudem auf Schutzmaßnahmen, Haftungsfragen und eine mögliche Verlangsamung der Entwicklung, nicht auf einen unmittelbar bevorstehenden Stillstand.
Siemens Energy verfügt daneben über weitere Geschäfte in Stromnetzen, Gasturbinen und der Energieversorgung. Die LBBW sieht zwar mögliche Bremsspuren bei Kapazitätsausgaben und Gewinnerwartungen, rechnet aber nicht mit einem vollständigen Ausgabenstopp. Die Analystenschätzungen bleiben trotz des jüngsten Rückschlags deutlich über dem Börsenkurs. Im Mittel werden Kursziele von etwa 195 bis 196 Euro genannt. Dem stehen am Donnerstag 144,88 Euro gegenüber.
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