Die Verselbstständigung der Sparte Transformation of Industry nimmt Fahrt auf. Mehreren Berichten zufolge zeigen gleich fünf große Finanzinvestoren Interesse an einer Beteiligung: CVC, EQT, Bain Capital, Brookfield und KKR sollen die Sparte prüfen. Die Marktbewertung wird dabei auf über 10 Milliarden Euro taxiert.
Sparte mit Substanz
Transformation of Industry beschäftigt rund 17.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 5,7 Milliarden Euro bei einer Marge von 11,3 Prozent. Siemens Energy hatte Ende August die Vorbereitungen für eine Verselbstständigung gestartet und mehrere Optionen skizziert – von einer Investorenbeteiligung bis zu einer eigenständigen Kapitalmarkttransaktion.
Der Konzern will dabei eine bedeutende Minderheitsbeteiligung behalten. Die Sparte soll künftig unter der Marke Omterra firmieren, jenem Namen, unter dem Siemens Energy nach Ablauf der zeitlich befristeten Markenlizenz von Siemens ohnehin firmieren muss.
Dass gleich fünf namhafte Investoren Interesse signalisieren, unterstreicht den Wert, den der Kapitalmarkt der Industriesparte beimisst. Für Siemens Energy selbst könnte eine Transaktion frisches Kapital freisetzen und den Konzern stärker auf das margenstarke Kerngeschäft mit Gasturbinen, Netztechnik und Windenergie fokussieren.
Operatives Fundament bleibt stark
Der Interessentenkreis trifft auf ein Unternehmen, das zuletzt operativ überzeugte. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 meldete Siemens Energy Rekordaufträge von 17,9 Milliarden Euro und einen Rekordumsatz von 11,4 Milliarden Euro, ein Plus von 18,5 Prozent auf vergleichbarer Basis. Der Auftragsbestand kletterte auf 162 Milliarden Euro.
Auch die einstige Sorgentochter Siemens Gamesa lieferte erstmals seit dem Geschäftsjahr 2022 wieder ein positives Quartalsergebnis und peilt für 2026 den Break-even an. Der Konzern bestätigte zudem seine Jahresprognose und rechnet nun mit einer Gewinnmarge vor Sondereffekten am oberen Ende der Spanne von 10 bis 12 Prozent.
Kurs unter Druck trotz guter Nachrichtenlage
Trotz der positiven operativen Entwicklung und des Interesses an der Industriesparte steht die Aktie unter Druck. Sie notiert aktuell bei 142,48 Euro und damit rund 27 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro.
Auf Wochensicht verlor das Papier 5,3 Prozent, auf Monatssicht 6,9 Prozent. Belastet hatten zuletzt Spekulationen über Pläne von SpaceX, Turbinenschaufeln für Rechenzentren künftig selbst zu produzieren – ein möglicher Konkurrenzvorstoß, den Analysten inzwischen relativiert haben.
Trotz des jüngsten Rücksetzers bleibt die Jahresbilanz beeindruckend: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 18 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sogar von 66 Prozent. Der jüngste Kursrückgang dürfte damit weniger fundamentale als vielmehr kurzfristige Verunsicherung widerspiegeln – während die strukturelle Neuausrichtung des Konzerns mit der geplanten Abspaltung der Industriesparte für Investoren zunehmend an Kontur gewinnt.
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