Siemens Energy treibt den geplanten Verkauf großer Teile seiner Sparte Transformation of Industry voran. Reuters berichtete, dass der Konzern externe Investoren sowie eine mögliche Kapitalmarkttransaktion prüft und dabei Goldman Sachs als Berater eingeschaltet hat.

Eine Minderheitsbeteiligung an dem Geschäft will Siemens Energy laut dem Bericht behalten, der strategische Fokus soll künftig stärker auf dem wachstumsstarken Netz- und Versorgungsgeschäft liegen. Als potenzielle Bieter werden die Finanzinvestoren CVC, EQT, Bain, Brookfield und KKR genannt.

Aktienrückkauf abgeschlossen

Parallel zur strategischen Neuausrichtung hat Siemens Energy ein Kapitalprogramm zu Ende gebracht: Zwischen dem 4. Juni und dem 14. August erwarb der Konzern insgesamt 6.467.098 eigene Aktien zu einem Durchschnittskurs von 154,63 Euro, das Gesamtvolumen erreichte knapp eine Milliarde Euro.

Der Abschluss des Rückkaufs signalisiert finanzielle Stärke in einer Phase, in der das Unternehmen zugleich über die Zerschlagung eines ganzen Geschäftsbereichs verhandelt – ein Muster, das zu den nach dem dritten Quartal gemeldeten Rekordaufträgen und Rekordquartalswerten passt.

Die Doppelstrategie aus Portfolio-Straffung und Kapitalrückführung an Aktionäre zeigt, dass sich Siemens Energy trotz laufender struktureller Umbauten in einer soliden operativen Verfassung sieht. Anleger dürften diesen Befund als Bestätigung werten, dass der Konzern die Trennung von Turbinengeschäften aus einer Position der Stärke heraus verhandelt und nicht aus finanzieller Notwendigkeit.

Störfall in Brasilien belastet operatives Geschäft

Weniger erfreulich ist die Lage beim brasilianischen Wärmekraftwerk GNA II, an dem Siemens Energy über ein Joint Venture mit BP und SPIC beteiligt ist.

Reuters berichtete, dass die Anlage seit dem 10. August stillsteht – Ursache ist ein Fehler im Stromkreis des Leistungsschalters der Dampfturbine. Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf operative Risiken im internationalen Kraftwerksgeschäft, ausgerechnet in jenem Segment, das derzeit zur Disposition steht.

Für Investoren bleibt unklar, wie stark sich der Ausfall finanziell niederschlägt. Der zeitliche Zusammenfall mit der Verkaufsdebatte um die ToI-Sparte dürfte die Bewertungsgespräche mit potenziellen Käufern jedoch nicht erleichtern, da technische Störfälle in Kraftwerksprojekten regelmäßig Fragen zur Betriebssicherheit und zu Gewährleistungsrisiken aufwerfen.

Kursreaktion und Ausblick

An der Börse zeigte sich am Dienstag zunächst Zuversicht: Die Aktie legte um 3,1 Prozent auf 153,50 Euro zu. Damit bleibt das Papier zwar deutlich unter seinem 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro von Ende April, hat sich aber von seinem Jahrestief im September deutlich erholt.

Die anstehende Entscheidung über die Zukunft der Turbinensparte bleibt der zentrale Kurstreiber der kommenden Wochen. Mit Goldman Sachs als Berater und mehreren namhaften Private-Equity-Häusern als potenziellen Käufern hat der Prozess an Konkretion gewonnen.

Gleichzeitig zeigen der abgeschlossene Milliardenrückkauf und die starken Neun-Monats-Zahlen, dass der Konzern operativ auf stabilem Fundament steht – ein Umstand, der die Verhandlungsposition gegenüber Investoren stärken dürfte, während der Störfall in Brasilien als Mahnung an verbleibende operative Risiken im Kraftwerksgeschäft steht.