Die personelle und strukturelle Trennung von der ehemaligen Muttergesellschaft Siemens AG geht in die finale Phase. Nachdem der Anteil des Münchner Konzerns am Energietechnikhersteller unter die Schwelle von fünf Prozent gefallen ist, verliert dieser seinen vertraglichen Anspruch auf einen Sitz im Aufsichtsrat. Am Donnerstag wurde die entsprechende Neuordnung im Kontrollgremium eingeleitet.
Neuer Aufsichtsrat nach Rückzug des Altaktionärs
Matthias Rebellius scheidet zum 30. September auf eigenen Wunsch aus dem Kontrollgremium aus. An seine Stelle tritt mit Wirkung zum 1. Oktober Pekka Lundmark, der ehemalige Nokia-CEO.
Für das Unternehmen bedeutet dieser Schritt größere Unabhängigkeit bei künftigen strategischen Entscheidungen. Medienberichten zufolge plant das Management zudem ab Ende 2026 einen Markenwechsel zu Omterra. Durch den Verzicht auf den bisherigen Markennamen sollen jährliche Lizenzgebühren von rund 300 Millionen Euro wegfallen. Der Konzern bereinigt damit schrittweise die verbliebenen Bindungen aus der Abspaltung.
Portfoliobereinigung und operative Großprojekte
Parallel zur personellen Entflechtung treibt das Management den Konzernumbau voran. Vor rund einem Monat billigte der Aufsichtsrat die Abspaltung der Sparte Transformation of Industry.
Der Unternehmensteil erwirtschaftet rund 5,7 Milliarden Euro Umsatz und zählt 17.000 Beschäftigte. Geplant ist eine Entkonsolidierung über externe Investoren oder eine Kapitalmarkttransaktion, wobei Siemens Energy eine wesentliche Minderheitsbeteiligung behalten will.
Die geplante Strukturmaßnahme soll das Unternehmensprofil weiter schärfen und die Fokussierung auf das energietechnische Kerngeschäft stärken. Marktbeobachter werten die Bereinigung als notwendigen Schritt, um die Profitabilität abzusichern und Ressourcen gezielter in wachstumsstarke Bereiche zu lenken.
Im operativen Projektgeschäft verzeichnet der Konzern unterdessen konkrete Fortschritte. Der Offshore-Windpark Borkum Riffgrund 3 befindet sich seit Ende August im vollständigen kommerziellen Betrieb. Das Großprojekt umfasst 83 Turbinen des Typs SG 11.0-200 DD von Siemens Gamesa und verfügt über eine Gesamtkapazität von 913 Megawatt.
Börse honoriert die Neuausrichtung
Am Aktienmarkt spiegeln sich die Fortschritte bei der Neuausrichtung nach zwischenzeitlicher Konsolidierung wider. Am Freitag schloss das Papier bei 144,06 Euro. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie ein Kursplus von 20 Prozent. Die gewonnene Eigenständigkeit und die Schärfung des Portfolios schaffen klare Verhältnisse für die künftige Unternehmensentwicklung.
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