Die Zahlen sprechen für Siemens Energy, die Stimmung an der Börse dagegen. Genau dieser Widerspruch prägt derzeit die Entwicklung der Aktie. Während Analysten weiterhin Kurse von 195 bis 197 Euro für möglich halten, kämpft das Papier inzwischen darum, sich oberhalb von 130 Euro zu behaupten. Am Montag ging es nun um weitere -1,11 % abwärts. Die Kurse kommen auf ein Niveau von 133,42 Euro. Das ist ein klarer Abwärtstrend. Zuvor hatte die Aktie eine ausgesprochen schwierige Woche erlebt. Innerhalb von fünf Handelstagen verlor sie ca. 9 %. Am Donnerstag war der Kurs zeitweise sogar unter 125 Euro gefallen.

Dabei gibt es bislang kaum Anzeichen dafür, dass sich die wirtschaftliche Ausgangslage des Konzerns entsprechend verschlechtert hätte. Vielmehr ist Siemens Energy in eine Debatte geraten, die ihren Ursprung an ganz anderer Stelle hat.

KI-Boom steht nach Meinung des Marktes auf tönernen Füßen

Im Mittelpunkt steht die Finanzierung des KI-Booms. Der Ausbau großer Rechenzentren verschlingt enorme Summen. Gleichzeitig wächst an den Finanzmärkten die Sorge, dass die beteiligten Technologiekonzerne ihre Investitionen zunehmend mit Schulden finanzieren und die erhofften Erträge möglicherweise erst sehr viel später erwirtschaften.

Sollte sich diese Befürchtung bewahrheiten, könnten die Unternehmen ihre Ausbauprogramme verlangsamen. Genau darin liegt das Risiko für Siemens Energy. Der Energietechnikkonzern profitiert davon, dass neue Rechenzentren erhebliche zusätzliche Stromkapazitäten und entsprechende Infrastruktur benötigen. Die Aktie wird deshalb nicht allein anhand der eigenen Geschäftsentwicklung bewertet. Sie gerät auch dann unter Druck, wenn Anleger an der Finanzierung künftiger KI-Projekte zweifeln.

Die Folgen sind im Chart deutlich zu erkennen. Siemens Energy notiert rund 10,8 % unter der 100-Tage-Linie und fast 13 % unter der 200-Tage-Linie. Der frühere Aufwärtstrend ist damit zunächst verloren gegangen. Die jüngste Stabilisierung ändert an dieser technischen Schwäche noch wenig. Für fundamental orientierte Anleger ergibt sich allerdings ein anderes Bild. Bereits nach dem dritten Quartal hatte Siemens Energy einen Auftragsbestand von ungefähr 162 Milliarden Euro gemeldet. Das ist eine Größenordnung, die dem Konzern eine erhebliche geschäftliche Perspektive eröffnet. Zudem wurde die erwartete Jahresmarge zuletzt am oberen Ende der Prognosespanne von 10 % bis 12 % eingeordnet. Auch bei der Windkrafttochter Siemens Gamesa zeichnete sich eine Verbesserung ab.

Nun rückt der 11. November in den Mittelpunkt. An diesem Tag will Siemens Energy über das vierte Quartal und das gesamte, am 30. September beendete Geschäftsjahr berichten. Besonders wichtig dürfte dabei der Ausblick auf die kommende Geschäftsperiode werden. Analysten sehen immer noch das „volle Glas“. Der Titel habe Kursziele von über 195 Euro, so der Tenor.