Die geplante vollständige Trennung von Siemens Healthineers und dem Mutterkonzern Siemens hat eine entscheidende Hürde genommen. Finanzvorständin Veronika Bienert bestätigte am vergangenen Donnerstag, dass relevante steuerliche Themen mit den Finanzbehörden verbindlich geklärt wurden. Damit ist der Weg frei für die weitere Eigenständigkeit des Medizintechnikunternehmens. Die Aktionäre beider Gesellschaften sollen im kommenden Jahr auf den jeweiligen Hauptversammlungen über die Abspaltung abstimmen.
Neuordnung der Konzernstruktur und des Aufsichtsrats
Parallel zur steuerlichen Klärung leitet das Unternehmen einen personellen Umbau in der Führungsebene ein. Konzernchef Roland Busch kündigte an, die Anzahl der Siemens-Vorstandsmitglieder im Aufsichtsrat von Siemens Healthineers deutlich zu reduzieren. Statt bisher drei Vertretern wird künftig nur noch ein Mandat durch den Siemens-Vorstand besetzt. In diesem Zuge werden sowohl Roland Busch als auch Veronika Bienert ihre Aufsichtsratsmandate zur Hauptversammlung im Februar 2027 niederlegen.
An der Börse sorgten diese Fortschritte zuletzt für eine positive Dynamik. Die Aktie von Siemens Healthineers verzeichnete in den vergangenen 30 Tagen ein Kursplus von 12,80 Prozent. Mit dem Schlusskurs vom Freitag bei 39,40 Euro notiert das Papier derzeit 0,27 Prozent über seinem gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Tage.
Gemischte Signale aus dem operativen Geschäft
Operativ präsentierte das Unternehmen am 31. Juli eine differenzierte Bilanz für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026. Der Umsatz stieg um 2,8 Prozent auf 5,76 Milliarden Euro, während der Gewinn nach Steuern um 20 Prozent auf 676 Millionen Euro zulegte. Dabei profitierte Siemens Healthineers unter anderem von Erstattungen im Zusammenhang mit US-Zöllen.
Trotz des Gewinnwachstums sah sich das Management gezwungen, die Umsatzprognose für das Gesamtjahr anzupassen. Die Erwartung für das vergleichbare Umsatzwachstum wurde auf eine Spanne von 3,5 bis 4,0 Prozent gesenkt, nachdem zuvor 4,5 bis 5,0 Prozent in Aussicht gestellt worden waren. Grund hierfür ist primär ein schwächelndes Diagnostikgeschäft in China. Positiv entwickelten sich hingegen die Ergebniserwartungen: Die bereinigte EPS-Guidance wurde auf 2,35 bis 2,45 Euro angehoben.
Analysten bewerten China-Geschäft und Bildungssparte
Die jüngsten Quartalszahlen und die Prognoseanpassung stießen bei Analysten auf ein geteiltes Echo. Experten von Bernstein Research senkten am vergangenen Dienstag ihr Kursziel von 45,70 Euro auf 44,50 Euro. Sie begründeten diesen Schritt mit der anhaltenden Schwäche auf dem chinesischen Markt, die bereits zu wiederholten Korrekturen der Prognosen geführt habe.
Bereits am vergangenen Montag äußerte sich die UBS neutral zum Wert und beließ das Kursziel bei 38 Euro. Die Analysten verwiesen darauf, dass das organische Wachstum in der wichtigen Bildgebungssparte mit 2,3 Prozent deutlich hinter der Konsensschätzung von 5,4 Prozent zurückgeblieben sei. Medienberichten zufolge bleibt das Marktumfeld in Asien eine zentrale Herausforderung für die kurzfristige Entwicklung, während die strukturellen Veränderungen im Konzern für langfristige Klarheit sorgen sollen. Ein weiterer personeller Akzent wird zum 1. Oktober gesetzt, wenn João Seabra die Position als President und Head of Americas übernimmt und damit die Nachfolge von John Kowal antritt.
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