Siemens, Nvidia & PepsiCo: Wenn Industriegiganten die KI-Revolution orchestrieren

Siemens, Nvidia und PepsiCo präsentieren auf der CES eine wegweisende Partnerschaft für digitale Fabriken. Gleichzeitig treiben positive Chip-Prognosen und geopolitische Spannungen die Aktienkurse.

Siemens, Nvidia & PepsiCo: Wenn Industriegiganten die KI-Revolution orchestrieren
Kurz & knapp:
  • Digitale Zwillinge steigern Effizienz bei PepsiCo deutlich
  • Nvidia kündigt neue Vera Rubin-Chipgeneration für 2026 an
  • Samsung-Prognose befeuert europäische Halbleiterwerte
  • US-Intervention in Venezuela treibt Rüstungsaktien an

Liebe Leserinnen und Leser,

7.500 Tonnen schwer, 60 Meter lang – so gewaltig sind manche Windturbinenblätter, die PepsiCo künftig in virtuellen Zwillingen simuliert, bevor auch nur ein Gramm Material verbaut wird. Was auf den ersten Blick nach Science-Fiction klingt, ist seit dieser Woche Realität: Auf der CES 2026 in Las Vegas haben Siemens, Nvidia und PepsiCo eine Partnerschaft vorgestellt, die zeigt, wohin die Reise der industriellen KI tatsächlich führt. Während Tech-Aktien zuletzt schwächelten, demonstrieren diese drei Konzerne, wie künstliche Intelligenz nicht nur Chatbots befeuert, sondern Fabriken, Lieferketten und Produktionsanlagen fundamental neu erfindet. Gleichzeitig sorgen Quartalszahlen aus der Chipbranche und überraschende Entwicklungen bei Rüstungsaktien für Bewegung in den Portfolios.

Siemens und Nvidia bauen das Betriebssystem der Industrie

Wenn Siemens-Chef Roland Busch von einer „neuen Ära der Technologie für Industrie und Infrastruktur“ spricht, ist das keine Marketing-Phrase. Der deutsche Industriekonzern hat auf der CES seinen Digital Twin Composer vorgestellt – eine Software, die ab Mitte 2026 verfügbar sein wird und die physische mit der digitalen Welt verschmilzt. Das Besondere: Siemens kombiniert seine jahrzehntelange Expertise in industrieller Automation mit Nvidias Omniverse-Bibliotheken und schafft so virtuelle 3D-Modelle von Produkten, Prozessen und ganzen Fabriken. Unternehmen können damit Veränderungen simulieren, bevor sie real umgesetzt werden – von Wetterbedingungen bis zu Produktionsumstellungen.

Die Dimension wird greifbar, wenn man auf PepsiCo blickt. Der Lebensmittelkonzern nutzt Siemens‘ Technologie bereits, um seine US-Produktions- und Lagerstandorte digital nachzubilden. Innerhalb weniger Wochen konnten Teams neue Konfigurationen optimieren und validieren, was zu einer 20-prozentigen Steigerung des Durchsatzes bei ersten Einsätzen führte. Bis zu 90 Prozent potenzieller Probleme werden erkannt, bevor physische Änderungen vorgenommen werden. Die Investitionskosten (Capex) sinken um 10 bis 15 Prozent, weil versteckte Kapazitäten aufgedeckt und Investitionen virtuell validiert werden. PepsiCo plant, das System global auszurollen.

Nvidia-Chef Jensen Huang kündigte parallel die „Vera Rubin“-Chipgeneration an, die im zweiten Halbjahr 2026 auf den Markt kommt. Normalerweise präsentiert Nvidia solche Details erst im Frühjahr bei seiner Entwicklerkonferenz. Die Beschleunigung zeigt, wie enorm der Druck in der KI-Branche geworden ist. Huang verspricht, dass der neue Chip zehnmal effizienter arbeitet als die Vorgängergeneration Blackwell. Die Nvidia-Aktie reagierte mit einem Plus von 0,7 Prozent – bescheiden im Vergleich zu früheren Rallyes, aber bemerkenswert nach den jüngsten Kursverlusten.

Chipbranche: Samsung-Prognose und Microchip-Hoffnung treiben Kurse

Die Halbleiterbranche erlebt gerade eine paradoxe Phase: Einerseits steigen die Preise rasant, weil die Verlagerung zu KI-Chips die Produktion traditioneller Speicher einschränkt. Andererseits kämpfen viele Hersteller mit schwacher Nachfrage in anderen Segmenten. Ein Bericht der Business Times aus Singapur sorgte am Dienstag für Aufsehen: Samsung Electronics dürfte im vierten Quartal 2025 einen operativen Gewinnanstieg um 160 Prozent verzeichnen – getrieben durch akuten Chipmangel. Diese Meldung befeuerte europäische Chipwerte: Infineon kletterte zeitweise um 4,8 Prozent, STMicroelectronics um 2,5 Prozent, Aixtron um 4,8 Prozent.

Microchip Technology lieferte zusätzlichen Rückenwind. Der US-Konzern hob seinen Umsatzausblick für das dritte Geschäftsquartal an und verwies auf eine fundierte Erholung mit starken Auftragseingängen im Dezember. Die Aktie sprang vorbörslich um 3,6 Prozent. JPMorgan-Analyst Harlan Sur betonte, dass Microchip in einem saisonal schwächeren Quartal eine starke und breit angelegte Bestellbereitschaft spüre. Evercore ISI hob hervor, dass das Unternehmen seinen Quartalsausblick erst Anfang Dezember erhöht hatte und dies nun – nur vier Wochen später – erneut tat. Die Analysten sind überzeugt, dass ein Nachschubzyklus an Dynamik gewinnt.

Für deutsche Anleger ist das relevant, weil Infineon stark in der Automobilindustrie vertreten ist und von einer Erholung in diesem Segment profitieren könnte. Die Aktie hatte in den vergangenen sechs Monaten mehr als 20 Prozent verloren, bevor die jüngste Erholung einsetzte. Oberhalb von 40 Euro notiert sie nun auf dem höchsten Niveau seit Dezember 2021.

Anzeige: Genau zu diesem Thema hat Technologie-Experte Bernd Wünsche eine umfassende Analyse durchgeführt, die über die bekannten Chip-Giganten wie Nvidia hinausgeht. In seinem aktuellen Webinar enthüllt er einen weitgehend unbekannten Halbleiter-Konzern, der seit Jahrzehnten die globale Chipindustrie prägt und dessen Technologie in Milliarden von Geräten weltweit steckt – von Smartphones über Fahrzeuge bis zu KI-Rechenzentren. Wünsche zeigt konkret, wie der Chip-Krieg zwischen USA und China einen 624-Milliarden-Dollar-Markt neu ordnet und warum dieser spezielle Konzern als „die neue Nvidia“ gehandelt wird. Sie erfahren, welche strategischen Partnerschaften mit führenden Tech-Konzernen bestehen und warum massive staatliche Investitionen von über 280 Milliarden Dollar in die US-Halbleiterindustrie diesem Unternehmen besonders zugutekommen. Das Webinar analysiert außerdem, warum institutionelle Investoren und sogar Warren Buffett verstärkt in den Chip-Sektor investieren. Zur kostenlosen Chip-Sektor-Analyse mit konkretem Aktien-Namen

Rüstungsaktien: Venezuela-Intervention und TKMS-Upgrade

Die US-Militärintervention in Venezuela über das Wochenende hat die geopolitischen Spannungen verschärft – und Rüstungsaktien beflügelt. Rheinmetall gewann am Dienstag zeitweise 2,25 Prozent, RENK 1,03 Prozent, HENSOLDT 0,97 Prozent. Besonders auffällig: Die Aktie des Marineschiffbauers TKMS sprang um 4,13 Prozent, nachdem Bernstein Research die Einstufung von „Underperform“ auf „Market-Perform“ angehoben hatte. Analyst Adrien Rabier argumentiert, dass die Aktie nach dem Rücksetzer fairer bewertet erscheint. Das Kursziel wurde allerdings von 74 auf 67 Euro gesenkt.

Bernstein sieht Rheinmetall weiterhin als Favoriten in der Branche, auch wenn das Kursziel von 2.050 auf 2.000 Euro reduziert wurde. Die Begründung: Der Kursrückgang gegen Ende 2025 eröffne eine attraktive Einstiegsmöglichkeit. Für die europäische Rüstungsbranche insgesamt erwartet Bernstein heterogene Kursentwicklungen. Bevorzugt werden „lokale Champions“ in großen Märkten und Unternehmen mit besonders starken Produktangeboten.

Die Intervention in Venezuela unterstreicht eine Entwicklung, die seit Russlands Angriff auf die Ukraine 2022 anhält: Europäische Länder müssen deutlich mehr in ihre Verteidigung investieren. Die regelbasierte Weltordnung nach dem Zweiten Weltkrieg zeigt tiefe Risse. Für Anleger bedeutet das: Rüstungsaktien bleiben strukturell interessant, auch wenn kurzfristige Gewinnmitnahmen nicht ausbleiben.

Gold und Silber: Flucht in Sicherheit

Die Venezuela-Krise trieb auch Edelmetalle. Gold kletterte am Dienstag um 0,9 Prozent auf 4.486 Dollar je Feinunze und näherte sich damit dem Rekordhoch von 4.549,71 Dollar, das erst vergangene Woche markiert wurde. Silber legte sogar um 5,2 Prozent zu. Die Flucht in sichere Häfen ist unverkennbar. Jefferies-Ökonom Mohit Kumar warnt, dass die neue geopolitische Ordnung Länder dazu veranlassen werde, ihre Abhängigkeit vom Dollar als Reservewährung zu verringern. Gold und Metalle seien die beste Möglichkeit zur Diversifizierung.

Unterstützt wird Gold auch durch Erwartungen weiterer Zinssenkungen der US-Notenbank. Minneapolis-Fed-Präsident Neel Kashkari sagte am Montag, die Inflation in den USA gehe langsam zurück. Die Märkte preisen derzeit zwei weitere Zinssenkungen in diesem Jahr ein. Niedrigere Zinsen machen nicht-verzinsliche Assets wie Gold attraktiver.

Volkswagen: Absatzschwäche und Rückrufe belasten

Während Industriegiganten die Zukunft gestalten, kämpfen traditionelle Autobauer mit der Gegenwart. Volkswagen meldete für 2025 einen Absatzrückgang in den USA um 13 Prozent auf 329.813 Fahrzeuge. Im vierten Quartal fiel das Minus mit 19,8 Prozent noch deutlicher aus. Die VW-Tochter Audi schwächelte ebenfalls: Der Absatz sank im Gesamtjahr um 16 Prozent auf 164.942 Autos, im vierten Quartal sogar um 36 Prozent.

Zusätzlich belastet ein großer Rückruf in den USA: Audi muss knapp 357.000 Fahrzeuge diverser Modelle der Baujahre 2019 bis 2026 in die Werkstätten beordern. Softwareprobleme könnten zu einem Ausfall der Rückfahrkamera führen. Auch Lamborghini ist betroffen – gut 10.500 Urus-SUVs benötigen ein Software-Update. Vergangene Woche hatte bereits Porsche aus demselben Grund knapp 174.000 Fahrzeuge zurückrufen müssen.

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies, der als VW-Aufsichtsrat fungiert, zeigte Verständnis für die Verunsicherung der Belegschaft. Eine Umfrage des Gesamtbetriebsrats hatte im Dezember ergeben, dass nur noch 16 Prozent der Beschäftigten glauben, Wirtschaftlichkeit und Beschäftigungssicherung seien für den Vorstand gleichrangige Ziele – 2021 waren es noch knapp 40 Prozent. Positiv bewertet Lies, dass VW-Chef Oliver Blume seine Doppelrolle als Chef von VW und Porsche zum Jahresende niedergelegt hat und sich nun vollständig auf den Konzern konzentriert.

Die VW-Vorzugsaktie notierte am Dienstag im XETRA-Handel zeitweise 0,34 Prozent höher bei 103,70 Euro – ein bescheidenes Plus angesichts der Herausforderungen.

Ausblick: Jobdaten und Quartalsberichte im Fokus

Die kommenden Tage bringen wichtige Impulse: Am Freitag veröffentlicht das US-Arbeitsministerium die Dezember-Jobdaten. Sie gelten als entscheidender Indikator für den weiteren geldpolitischen Kurs der Fed. Schwache Zahlen würden die Erwartung weiterer Zinssenkungen stärken und könnten Aktien und Gold beflügeln. Starke Daten hingegen würden Zinssenkungshoffnungen dämpfen.

Parallel läuft die Berichtssaison an. Investoren werden genau darauf achten, wie Unternehmen ihre Investitionen in KI und Automatisierung rechtfertigen. Die Partnerschaft zwischen Siemens, Nvidia und PepsiCo zeigt, dass industrielle KI nicht mehr Zukunftsmusik ist, sondern messbare Effizienzgewinne liefert. Für Anleger könnte das ein Signal sein, dass die nächste Phase der KI-Revolution nicht nur in Software-Unternehmen stattfindet, sondern in der realen Welt der Fabriken und Lieferketten.

Beste Grüße aus der Redaktion,
Andreas Sommer

Über Andreas Sommer 1402 Artikel

Über mich: Erfahrung für Ihren Anlageerfolg

Als Finanzanalyst und Börsenjournalist beschäftige ich mich seit über vier Jahrzehnten intensiv mit den Finanzmärkten. Meine Spezialisierung liegt auf der Analyse wachstumsstarker Aktien und der Entwicklung von Anlagestrategien, die fundamentale Bewertung mit technischer Analyse kombinieren.

Ein zentraler Aspekt ist das Timing („Timing is Money“), denn Risikobegrenzung ist essenziell („Vermeiden ist besser als Verlieren!“). Mein Ziel ist es, Ihnen klare Orientierung in dynamischen Märkten zu bieten.

Mein Weg an die Börse: Vom Bankberater zum Analysten

Meine Faszination für die Finanzmärkte entwickelte sich schon früh. Wichtige Stationen meines Weges sind:

  • Bankwesen: Über zehn Jahre Erfahrung als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank legten den Grundstein im Kundengeschäft.
  • Wendepunkt 1987: Der Börsencrash weckte mein tiefes Interesse an der technischen Analyse als wichtiges Instrument zur Risikosteuerung.
  • Finanzjournalismus: Als Finanzredakteur und Chefredakteur für Börsenpublikationen vertiefte ich meine Marktkenntnisse.
  • Strategieentwicklung: Über die Jahre entwickelte ich meinen heutigen ganzheitlichen Ansatz, der Fundamentaldaten und Charttechnik systematisch verbindet.

Meine Arbeit: Analysen, Strategien und Einblicke

Meine Expertise und meine Anlagestrategien teile ich auf verschiedenen Wegen:

  • Buch "Die Wachstumsaktien-Strategie": In diesem Buch (VNR Verlag) stelle ich praxisnah meine Methode zur Auswahl von Wachstumsaktien und zur Kombination von Fundamentalanalyse und Timing vor.
  • Markt-Barometer: Ein selbst entwickeltes Tool, das wöchentlich das Börsenklima anhand globaler Indikatoren einschätzt und bei der Risikosteuerung hilft.
  • Einblicke teilen: Meine Marktmeinung zu Aktien, Gold, Krypto und Rohstoffen teile ich regelmäßig bei Auftritten auf Finanzmessen (z.B. Invest Stuttgart), in Fachmedien (z.B. Börsen Radio Network) und auf meinem YouTube-Kanal „Chartanalyse-Trends“.

Unabhängigkeit und Transparenz sind die Grundlage meiner Arbeit.

Mein Ziel: Ihr Navigator im Finanzmarkt

Ich möchte Anlegern – ob Einsteiger oder Profi – klare, fundierte und umsetzbare Strategien an die Hand geben. Mit meinen Analysen und Werkzeugen helfe ich Ihnen, sich im oft komplexen Finanzmarkt zurechtzufinden und erfolgreich zu investieren.