Siemens steht vor dem größten internen Umbau seit Jahren. Zwei Kernsparten sollen aufgelöst, die Medizintechnik-Tochter abgespalten werden — und das kurz vor dem nächsten Quartalsbericht.
Zwei Großsparten werden aufgeteilt
CEO Roland Busch will die Divisionen Digital Industries und Smart Infrastructure auflösen. An ihrer Stelle sollen sechs oder sieben kleinere Einheiten entstehen. Das Ziel: Silostrukturen abbauen und Infrastruktur, Transport, Software sowie KI unter einer Dachstrategie bündeln — der sogenannten „One Tech Company“.
Der Plan wurde zuerst vom Handelsblatt berichtet und von einer mit der Sache vertrauten Person gegenüber Reuters bestätigt. Aufsichtsrat und Arbeitnehmervertreter sollen den Umbau im Mai 2026 besprechen. Die Mobilitätssparte mit Schwerpunkt Bahntechnik bleibt unberührt.
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Healthineers-Abspaltung nimmt Form an
Parallel dazu treibt Siemens die Trennung von Siemens Healthineers voran. Auf der ordentlichen Hauptversammlung im Februar 2027 soll über die Abspaltung abgestimmt werden. Siemens-Aktionäre würden dabei Healthineers-Aktien direkt erhalten — eine ungewöhnliche Transaktionsstruktur nach dem deutschen Umwandlungsgesetz. Die regulatorische Klärung läuft, eine abschließende Bestätigung steht noch aus.
Q2-Zahlen am 13. Mai als Stresstest
Am 13. Mai legt Siemens seine Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026 vor. Das Fundament ist solide: Im ersten Quartal stieg der Industriegewinn um 15 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Der Auftragseingang wuchs auf 21,4 Milliarden Euro und schob den Auftragsbestand auf einen Rekordwert von 120 Milliarden Euro.
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Besonders im Blick: die Sparte Smart Infrastructure, die zuletzt ein Auftragsplus von 22 Prozent verbuchen konnte — getrieben von der Nachfrage nach Rechenzentren. Ob das reicht, um das Jahresziel von 10,70 bis 11,10 Euro je Aktie trotz Zolldruck zu halten, werden die Mai-Zahlen zeigen.
Die Aktie hat sich zuletzt erholt und notiert mit rund 247 Euro gut 21 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief. Allerdings liegt die Bewertung laut Bernstein beim rund 13-Fachen des für 2027 erwarteten operativen Gewinns — Wettbewerber wie Schneider Electric oder ABB kommen im Schnitt auf fast das 19-Fache.
Investoren treiben drei Fragen um: mögliche KI-Risiken für das Softwaregeschäft, schwächelnde Nachfrage im Kurzzyklusgeschäft und die Sorge, der Umbau könnte mehr Unklarheit schaffen als beseitigen. Ein Kapitalmarkttag im zweiten Halbjahr soll neue Mittelfristziele liefern — möglicherweise mit höheren Margenansprüchen für das Softwaregeschäft, das bislang hinter reinen Softwarekonzernen zurückbleibt.
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