Die Uhr tickt für Singulus Technologies. In wenigen Tagen endet die Bieterfrist für das Aktienpaket des chinesischen Großaktionärs Triumph. Der Kurs hat nach dem jüngsten Rekordhoch bereits spürbar an Höhe verloren.
Chinesischer Großaktionär sucht Käufer
Triumph Science & Technology Group aus Peking will seine komplette Beteiligung an Singulus verkaufen. Es geht um 1.489.997 Aktien, das entspricht rund 16,75 Prozent aller ausstehenden Papiere. Das Verfahren läuft seit Anfang Juli und dauert zehn Tage.
Triumph ist kein gewöhnlicher Finanzinvestor. Der Konzern hält seine Beteiligung seit Herbst 2018 und ist gleichzeitig Kunde von Singulus. Genau diese Doppelrolle macht die Frage nach dem Käufer so wichtig: Wer auch immer das Paket übernimmt, dürfte die strategische Ausrichtung des Unternehmens mitbestimmen. Triumph will die gesamte Position an einen einzigen Käufer abgeben, nicht in Teilen.
Kurs kühlt nach der Rally ab
Am 2. Juli erreichte die Aktie ihr Rekordhoch bei 11,10 Euro. Am Dienstag schloss sie bei 9,56 Euro. Das sind fast 14 Prozent unter dem Höchststand.
Marktbeobachter sprechen von klassischen Gewinnmitnahmen nach einer außergewöhnlichen Rally. Die Entscheidung über den neuen Großaktionär steht schließlich noch aus.
Rechtsstreit um Börsensegment bleibt ein Nebenschauplatz
Ein zweiter Faktor sorgt zusätzlich für Unsicherheit. Das Frankfurter Verwaltungsgericht wies im März die Klage von Singulus gegen den Widerruf der Prime-Standard-Notierung ab. Das Urteil ist inzwischen rechtskräftig.
Singulus legte am 18. Mai Berufung ein. Für den Handel selbst hat das keine unmittelbaren Folgen: Die Notierung im General Standard bleibt davon unberührt. Marktbeobachter werten den Streit dennoch als zusätzlichen Unsicherheitsfaktor neben der offenen Eigentümerfrage.
Operatives Geschäft liefert Rückenwind
Trotz Bieterverfahren und Rechtsstreit verweisen Analysten auf handfeste operative Fortschritte. Nach einem schwachen Jahr 2024 legte Singulus im ersten Quartal deutlich zu. Der Umsatz stieg um ein Drittel auf knapp 22 Millionen Euro, der operative Gewinn vervierfachte sich auf 2,2 Millionen Euro.
Der Auftragseingang im selben Zeitraum lag bei rund 29 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr rechnet das Management mit einem Umsatz von rund 83 Millionen Euro und einem operativen Gewinn im niedrigen einstelligen Millionenbereich.
Die Zahlen liefern damit ein Gegengewicht zur kurzfristigen Unsicherheit an der Börse. Sie erklären zugleich, warum die Aktie trotz des Rücksetzers noch deutlich über dem Niveau vor der Rally notiert.
In den kommenden Tagen entscheidet sich, wer das Triumph-Paket übernimmt. Der aktuelle Kurs spiegelt bereits einen Teil der Übernahmefantasie wider. Erst nach Abschluss des Bieterverfahrens zeigt sich, wie der neue Ankeraktionär die operative Erholung des Unternehmens einordnet.
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