Rund 50 Prozent Kursgewinn in zwei Handelstagen — und das bei einem Unternehmen, das gleichzeitig unter strafrechtlicher Beobachtung steht und seine Bilanzen nachträglich korrigieren musste. Bei Sivers Semiconductors prallen gerade zwei gegensätzliche Kräfte aufeinander.
Pentagon-Millionen als Kurstreiber
Den unmittelbaren Impuls lieferte ein Zuschuss von 6,6 Millionen US-Dollar vom US-Verteidigungsministerium. Das Geld fließt aus dem CHIPS Act und finanziert das zweite Jahr des EW STAR-Projekts — ein Rüstungsprogramm im Bereich elektronische Kriegsführung. Am 25. Mai legte die Aktie daraufhin 20,3 Prozent auf 87,70 SEK zu. Die Marktkapitalisierung kletterte auf rund 21,5 Milliarden SEK.
Allerdings läuft parallel dazu eine Untersuchung der schwedischen Wirtschaftskriminalitätsbehörde. Die Ermittler prüfen möglichen Insiderhandel vor der offiziellen Ankündigung des Nasdaq-Listings. Ein Timing, das Fragen aufwirft.
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Nachträglich korrigierte Verluste
Für Anleger mindestens ebenso relevant: Sivers hat seine Jahresabschlüsse für 2024 und 2025 rückwirkend angepasst, um die Anforderungen des US-Prüfungsstandards PCAOB zu erfüllen. Die Korrekturen fielen erheblich aus.
Für 2025 stieg der Nettoverlust von ursprünglich 186,5 Millionen SEK auf revidierte 222,6 Millionen SEK — bei einem Umsatz von 306,6 Millionen SEK. Noch drastischer fiel die Anpassung für 2024 aus: Der Nettoverlust wurde von 116,3 Millionen SEK auf 183,9 Millionen SEK nach oben korrigiert. Das Unternehmen begründet die Revisionen mit den Anforderungen der internationalen Börsennotierung.
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Kursziel bei 6,55 SEK — Aktie bei 87,70 SEK
Das Bild unter Analysten ist gespalten. Während Maximilian Berger die aktuelle Kursdynamik als Zeichen struktureller Reife im Halbleitersektor wertet, liegt das niedrigste Kursziel im Markt bei 6,55 SEK — einem Bruchteil des aktuellen Kursniveaus. Diese Diskrepanz allein zeigt, wie weit die Einschätzungen auseinandergehen.
Hinzu kommt eine nennenswerte Short-Position: Voleon Capital hält 1,86 Prozent, Two Sigma 1,78 Prozent der ausstehenden Aktien leer verkauft.
Bereits am 29. Mai folgen die Q1-Zahlen für 2026 — der nächste Stresstest für eine Aktie, die zwischen Verteidigungsphantasie und Bilanzrealität pendelt. Am 15. Juni stimmt die Hauptversammlung über die Neubesetzung des Aufsichtsrats ab.
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