Drei Abgänge, zwei neue Gesichter, ein klares Ziel: Sivers Semiconductors richtet sein Führungsgremium konsequent auf die geplante Zweitnotierung an der Nasdaq New York aus. Mit der offiziellen Nominierung zweier neuer Direktoren am 20. Mai markiert das schwedische Halbleiterunternehmen den tiefgreifendsten Governance-Einschnitt seiner jüngeren Geschichte.

Neue Köpfe für den US-Kapitalmarkt

Das Nominierungskomitee schlägt dem Aufsichtsrat fünf Mitglieder für die Hauptversammlung am 15. Juni vor. Neben den zurückkehrenden Mitgliedern Bami Bastani, Todd Thomson und Karin Raj — derzeit CTO Europe bei Nokia — treten Joakim Nideborn und Helena Svancar neu hinzu.

Nideborn bringt langjährige CFO-Erfahrung bei börsennotierten Technologieunternehmen mit und soll als stellvertretender Vorsitzender die Beziehungen zu Kunden, Mitarbeitern und Investoren im nordischen Raum verantworten. Svancar verfügt über mehr als 20 Jahre internationale Führungserfahrung in Unternehmensstrategie und Corporate Governance. Bastani und Thomson sind bekannte US-Wirtschaftsführer mit Stationen bei GlobalFoundries, Bain & Company, GE Capital und Citigroup.

Verabschiedet werden Tomas Duffy als langjähriger Vize- und ehemaliger Vorsitzender, Mitgründer-Investor Erik Fällström sowie Keith Halsey.

Zahlen unter neuem Rechnungslegungsstandard

Der Boardumbau ist untrennbar mit den Vorbereitungen für die US-Notierung verbunden. Sivers hat seine Konzernabschlüsse für 2024 und 2025 auf die Standards des US Public Company Accounting Oversight Board (PCAOB) umgestellt — eine Voraussetzung für eine mögliche Dual Listing an der Nasdaq.

Die Neubewertung hat erhebliche Auswirkungen auf die ausgewiesenen Zahlen. Der Umsatz 2025 stieg auf 306,6 Millionen Schwedische Kronen, das operative Ergebnis verschlechterte sich jedoch auf einen Verlust von 177,8 Millionen Kronen — gegenüber zuvor gemeldeten 141,3 Millionen Kronen. Für 2024 zeigt die Neufassung einen Umsatz von 219,2 Millionen Kronen und einen Nettoverlust von 183,9 Millionen Kronen, rund 68 Millionen Kronen mehr als ursprünglich berichtet.

Rückenwind aus dem Verteidigungssektor

Operativen Schwung liefert ein frischer Programmauftrag: Sivers erhält eine Verlängerung seines Electronic-Warfare-Projekts EW STAR über die Northeast Microelectronics Coalition, mit einem Jahresbudget von 6,6 Millionen US-Dollar. Partner sind BAE Systems, das MIT Lincoln Laboratory und die Columbia University.

Das Management hat als Breakeven-Schwelle einen Jahresumsatz von 50 bis 55 Millionen US-Dollar bei einer langfristigen Bruttomarge von über 50 Prozent definiert. Bis dahin ist es noch ein Stück Weg.

Auf der Short-Seite hat sich die Lage leicht entspannt: Qube Research & Technologies ist nach einem Rückgang unter die Meldeschwelle von 0,5 Prozent nicht mehr als öffentlicher Leerverkäufer gelistet. Drei weitere Short-Seller halten zusammen noch 7,05 Prozent des Grundkapitals.

Am 29. Mai legt Sivers den verzögerten Quartalsbericht vor — der erste unter PCAOB-Standards und damit die entscheidende Vorlage für die Hauptversammlung zwei Wochen später.