SoftBank- vs. Prosus-Aktie: Rekordgewinn gegen Bewertungsrabatt

SoftBank erzielt Rekordgewinn durch KI-Beteiligungen, während Prosus mit einem Abschlag von 35 Prozent zum Nettoinventarwert handelt. Beide Tech-Riesen verfolgen gegensätzliche Strategien.

SoftBank Aktie
Kurz & knapp:
  • SoftBank mit KI-getriebenem Rekordgewinn
  • Prosus mit 35 Prozent NAV-Abschlag
  • Unterschiedliche Risikoprofile der Strategien
  • OpenAI-IPO als SoftBank-Katalysator erwartet

Fünf Billionen Yen Jahresgewinn auf der einen Seite, 35 Prozent Abschlag zum inneren Wert auf der anderen: Selten standen sich zwei Tech-Beteiligungsriesen mit derart gegensätzlichen Investmentlogiken gegenüber. SoftBank reitet die KI-Welle mit einer beispiellosen Konzentration auf OpenAI und Arm Holdings. Prosus setzt auf mechanische Wertschöpfung durch Aktienrückkäufe und die stille Kraft seines Tencent-Anteils. Beide Strategien haben ihren Reiz — doch welche passt zu welchem Anlegertyp?

Kurslage: Euphorie trifft auf Frustration

SoftBank notiert aktuell bei 5.745 Yen und befindet sich nach dem Gewinnschock vom 13. Mai in einer Konsolidierungsphase. Der Rekordgewinn von über fünf Billionen Yen speiste sich vor allem aus einer Bewertungsexplosion der 13-prozentigen OpenAI-Beteiligung um rund 25 Milliarden US-Dollar. Gegenüber dem breiten Nikkei 225 hat sich die Aktie seit Jahresbeginn deutlich abgekoppelt — mit einem Plus von über 52 Prozent.

Prosus handelt bei 39,10 Euro und damit nahe am unteren Rand der Zwölfmonatsspanne zwischen 37,37 und 63,94 Euro. Trotz der fundamentalen Stärke des Kernassets Tencent und der erstmals positiven freien Cashflows im E-Commerce-Portfolio lastet ein hartnäckiger Abschlag von 35 Prozent zum Nettoinventarwert auf dem Kurs. Gegenüber dem Stoxx Europe 600 Technology hat Prosus in den vergangenen zwölf Monaten klar unterdurchschnittlich abgeschnitten — ein Szenario, das Value-Investoren als „gespannte Feder“ interpretieren.

Geschäftsmodell: Venture-Stil gegen operative Kontrolle

SoftBank hat sich vom Telekom-Konglomerat zum spezialisierten KI-Investmenthaus gewandelt. Zwei Säulen tragen die Strategie: die 90-prozentige Beteiligung an Arm Holdings und ein gewaltiges Engagement von 64,6 Milliarden US-Dollar im KI-Ökosystem. Der geografische Schwerpunkt verschiebt sich zunehmend Richtung USA und Japan, während nicht börsennotierte Private-Equity-Positionen mittlerweile mehr als die Hälfte des Portfolios ausmachen.

Prosus verfolgt einen grundlegend anderen Ansatz. Die 25-prozentige Tencent-Beteiligung fungiert als Cashflow-Maschine, die gezielte Investitionen in wachstumsstarke Nischen finanziert. Kleinanzeigen, Essenslieferung über iFood und Fintech mit PayU — diese Segmente haben inzwischen Skaleneffizienz erreicht. Geografisch bietet Prosus einen seltenen Zugang zu Schwellenländern wie Indien, Brasilien und Südostasien, den kaum ein europäischer Wettbewerber replizieren kann.

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Bewertungskennzahlen im direkten Vergleich

KennzahlSoftBankProsusBranchenschnitt
Kurs (lokal)5.745 JPY39,10 €—
KGV (Forward)4,8 (extrem volatil)7,314,5
Kurs-Buchwert-Verhältnis1,020,82 (zum NAV)1,6
Marktkapitalisierung~132 Mrd. USD~91 Mrd. USD—
Dividendenrendite0,19 %0,52 %1,2 %

Beide Aktien erscheinen auf den ersten Blick günstig — die Gründe dafür könnten unterschiedlicher kaum sein. SoftBanks niedriges KGV spiegelt die extreme Schwankungsanfälligkeit eines von Beteiligungsbewertungen getriebenen Gewinns wider. Bei Prosus drückt der NAV-Abschlag den Buchwert-Multiplikator unter die Sektorgrenze, obwohl die zugrundeliegenden Assets stabil wachsen.

Performance: Zwei Welten in einem Quartal

ZeitraumSoftBankProsusReferenzindex
1 Monat+21,6 %−7,2 %+2,4 %
Seit Jahresbeginn+52,1 %−4,8 %+8,5 %
30-Tage-Volatilität38,5 %22,4 %18,2 %

Die Zahlen illustrieren den Kernunterschied: SoftBank liefert spektakuläre Ausschläge, Prosus bewegt sich träger, aber berechenbarer. Wer im Januar bei SoftBank einstieg, blickt auf ein halbes Jahr mit Achterbahn-Charakter. Prosus-Aktionäre mussten Geduld mitbringen — und wurden bislang nicht belohnt.

Qualität und Bonität: Prosus mit strukturellem Vorteil

Beim Dreijahres-Umsatzwachstum liegt Prosus mit knapp 20 Prozent vor SoftBanks 12,4 Prozent. Noch deutlicher fällt der Unterschied bei der Kreditwürdigkeit aus: Prosus trägt ein stabiles A-Minus-Rating, während S&P Global den Ausblick für SoftBank im März auf „negativ“ senkte. Die Begründung: zu hohe Konzentration auf nicht börsennotierte KI-Firmen.

Dieser Punkt verdient Beachtung. SoftBanks Fünf-Billionen-Yen-Gewinn ist im Wesentlichen ein Buchgewinn — realisiert wird er erst, wenn Beteiligungen wie OpenAI tatsächlich an die Börse gehen oder verkauft werden. Prosus generiert dagegen operativen Cashflow, der direkt in Rückkäufe fließt.

Katalysatoren: Börsengang gegen Rückkaufmaschine

SoftBanks nächster großer Moment hängt am erwarteten OpenAI-Börsengang, den Analysten innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate für möglich halten. Ein solches Ereignis würde enorme Liquidität freisetzen und Masayoshi Son ermöglichen, seine 30-Milliarden-Dollar-Kreditlinie für weitere KI-Akquisitionen zu nutzen. Das Risiko: Sollte der IPO sich verzögern oder die Bewertung privater KI-Unternehmen korrigieren, fehlt der Katalysator.

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Prosus treibt ein anderes Schwungrad an. In den vergangenen 24 Monaten kaufte das Unternehmen rund 8,5 Prozent der ausstehenden Aktien zurück, finanziert durch schrittweise Verkäufe von Tencent-Anteilen. Diese mechanische Reduktion der Aktienanzahl erzeugte eine NAV-Steigerung von über zehn Prozent je Aktie. Als nächster Impuls gilt ein möglicher Börsengang oder Spin-off der Essenslieferplattform iFood, der den Markt zwingen könnte, die E-Commerce-Assets endlich separat vom Tencent-Anteil zu bewerten.

Risikoprofil: Konzentration gegen Komplexität

SoftBank bündelt sein Schicksal in wenigen, hochbewerteten Positionen. Der „Key-Man“-Faktor um Masayoshi Son, die Abhängigkeit von Private-Equity-Bewertungen und die sich verschlechternde Bonität bilden ein Risikodreieck, das bei einem KI-Stimmungswandel schnell zum Problem werden kann. Die Gesamtbewertung fällt mit 68 von 100 Punkten entsprechend moderat aus.

Prosus kommt auf 82 von 100 Punkten, muss sich aber ebenfalls kritischen Fragen stellen. Die Abhängigkeit von Tencent als Cashflow-Quelle, regulatorische Risiken in China und eine verschachtelte Unternehmensstruktur bremsen die Neubewertung. Der entscheidende Unterschied: Der 35-prozentige NAV-Abschlag bietet eine Sicherheitsmarge, die SoftBank in dieser Form nicht kennt.

KI-Spekulation oder mathematischer Wert — eine Frage des Anlegertyps

Die Entscheidung zwischen diesen beiden Beteiligungsriesen läuft auf eine grundsätzliche Stilfrage hinaus. SoftBank ist de facto ein gehebelter Proxy auf OpenAI und Arm Holdings — mit enormem Aufwärtspotenzial, solange der KI-Bewertungsboom anhält, aber erheblichem Rückschlagrisiko bei einer Korrektur privater Marktmultiplikatoren.

Prosus bietet den mathematisch überlegeneren Einstieg für Anleger, die Sicherheitsmargen schätzen. Die Kombination aus 35 Prozent NAV-Abschlag und einer jährlichen Aktienreduktion von rund acht Prozent erzeugt einen Zinseszinseffekt, der weitgehend unabhängig von der Marktstimmung wirkt. Vereinfacht gesagt: Prosus-Käufer erwerben einen Euro an Vermögenswerten für 65 Cent.

Während SoftBank mit Rekordgewinnen die Schlagzeilen dominiert, liefert Prosus den strukturellen Vorteil disziplinierter Kapitalallokation. Für das ausgewogene Portfolio dürfte der berechenbare Rückkaufpfad nachhaltiger sein als die hochriskante KI-Wette aus Tokio. Wer allerdings an die zweite Halbzeit des KI-Superzyklus glaubt, findet in SoftBank kaum einen direkteren Hebel.

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Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.