Der Solartechnologie-Spezialist SolarEdge hat eine bemerkenswerte Woche hinter sich. Die Aktie kletterte auf ein neues 52-Wochen-Hoch von 54,10 Euro und legte innerhalb von 30 Tagen knapp 49 Prozent zu. Auf Jahressicht steht sogar ein Plus von über 300 Prozent. Der Rücksetzer vom Hoch ist mit einem RSI von 35,5 allerdings bereits deutlich.

Die Erholung von einem Tief bei 13,25 Euro im Mai 2025 ist beeindruckend. Doch die Geschwindigkeit des Anstiegs macht manche Beobachter skeptisch.

Analysten warnen vor Übertreibung

GLJ Research hält an seiner „Verkaufen“-Empfehlung fest. Die aktuelle Rally sei demnach eher eine Gelegenheit zum Ausstieg als ein Signal für nachhaltige Stärke. Die Skepsis gilt vor allem der Bewertung, die trotz verbesserter Stimmung im Solarmarkt als zu ambitioniert gilt.

Das Handelsvolumen lag zuletzt bei über 6,7 Millionen Aktien pro Tag – ein Zeichen für intensive Spekulation.

Quartalszahlen mit Licht und Schatten

Die Q1-Zahlen 2026 lieferten gemischte Signale. Der Umsatz stieg um 46 Prozent auf 310,5 Millionen Dollar. Gleichzeitig blieb das Unternehmen auf Non-GAAP-Basis mit einem Verlust von 26,3 Millionen Dollar in den roten Zahlen.

Positiv: Die Bruttomarge verbesserte sich das sechste Quartal in Folge auf 23,5 Prozent. Der freie Cashflow betrug 20,7 Millionen Dollar. Die Nettoliquidität lag bei 246,2 Millionen Dollar. Einmalig belastete eine zweifelhafte Forderung über 14 Millionen Dollar das Ergebnis.

Strategiewechsel und Ausblick

CEO Shuki Nir spricht von einer neuen Offensive. SolarEdge will Marktanteile gewinnen und die neue Nexis-Plattform ausrollen. Zudem arbeitet das Unternehmen an Lösungen für KI-Rechenzentren – ein Bereich mit hohem Wachstumspotenzial.

Für das zweite Quartal 2026 stellt das Management einen Umsatz zwischen 325 und 355 Millionen Dollar in Aussicht. Die Bruttomarge soll zwischen 23 und 27 Prozent liegen. Operativ peilt SolarEdge die Gewinnschwelle an – ein kritischer Meilenstein für die Wende.

Die gesamte Q2-Produktion des Nexis-Systems ist bereits für europäische Kunden reserviert, vor allem aus Deutschland.

Weichenstellungen im Hintergrund

Im Juni übernimmt Maoz Sigron den Posten des Finanzvorstands von Asaf Alperovitz. Parallel dazu erhielt das Unternehmen die vorläufige gerichtliche Zustimmung zu einem 55-Millionen-Dollar-Vergleich in einem Investoren-Klassenschlagverfahren aus dem Jahr 2023. Es ging um die Darstellung der europäischen Marktnachfrage.

Die Aktie bleibt ein High-Risk-Papier. Die operative Wende ist noch nicht geschafft, die Bewertung hoch. Der Markt wettet auf die Erholung – ob sie gelingt, entscheiden die nächsten Quartale.