SpaceX hat am Dienstag Pläne für ein zweites „Starbase“ bekanntgegeben: Auf 125.000 Acres in Vermilion Parish, Louisiana, soll für 100 Milliarden Dollar das nach Unternehmensangaben größte Startgelände der Welt entstehen. Gouverneur Jeff Landry verglich das Projekt mit dem Louisiana Purchase, der historischen Gebietserweiterung der USA. Der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen, der erste Start des Starship-Trägers für 2029.

Das Gelände bei Pecan Island, rund 50 Meilen südlich von Lafayette, soll fünf Startkomplexe mit jeweils zwei Türmen umfassen – insgesamt zehn Startplätze. SpaceX plant dort eigene Treibstoffproduktion, Stromerzeugung und einen Tiefwasserhafen.

Nach Angaben von Firmenpräsidentin Gwynne Shotwell sollen von dort künftig Tausende Starts pro Jahr abheben, Musk selbst sprach von mehr als 30 Starship-Flügen täglich. Für die Fläche, die zuvor ExxonMobil gehörte, erhält der Bundesstaat rund 100 Millionen Dollar.

Jobs und Steuervergünstigungen als Verhandlungsmasse

Louisiana lockt SpaceX mit erheblichen Zugeständnissen: Über 25 Jahre fließen jährlich 25 Millionen Dollar Ausgleichszahlungen statt Grundsteuer, dazu eine Vorauszahlung von 20 Millionen Dollar – macht insgesamt mehr als 820 Millionen Dollar.

Im Gegenzug verspricht SpaceX rund 3.000 direkte Arbeitsplätze mit einem Durchschnittsgehalt von 92.600 Dollar, das nach Unternehmensangaben 192 Prozent über dem regionalen Mittel liegt. Hinzu kommen laut Prognosen bis zu 8.100 indirekte Jobs sowie temporär 30.000 Bauarbeitsplätze.

Anwohner und die Umweltorganisation Louisiana Bucket Brigade äußerten allerdings Bedenken wegen der Nähe zu Wildtierreservaten; die Bundesluftfahrtbehörde FAA könnte für das Projekt Ausnahmegenehmigungen erteilen müssen.

Analysten bleiben optimistisch

Die Ankündigung fiel in eine Woche mit weiteren positiven Nachrichten für SpaceX. Musk zog den Starttermin für ein orbitales Rechenzentrum in Zusammenarbeit mit NVIDIA von 2028 auf das vierte Quartal 2027 vor. JPMorgan bestätigte daraufhin seine Overweight-Einstufung mit einem Kursziel von 240 Dollar, was einem Aufwärtspotenzial von rund 75 Prozent entspräche.

Die Analysten rechnen mit orbitaler Rechenkapazität von etwa 75 Gigawatt bis Ende 2031. Der Konsens mehrerer Häuser liegt laut vorliegenden Daten bei „Moderate Buy“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von 220,20 Dollar, wobei die Spanne von Morningstars vorsichtigen 63 Dollar bis zu Morgan Stanleys 300 Dollar reicht.

Parallel zu den Wachstumsplänen im All treibt SpaceX seine KI-Ambitionen voran: Die für 60 Milliarden Dollar übernommene Firma Cursor soll das Sprachmodell Grok stärker im Unternehmenssegment verankern, ein entsprechender Deal wurde bereits im August abgeschlossen. Zudem entwickeln SpaceX und NVIDIA gemeinsam die Starmind-AI1-Satelliten mit Rubin-GPUs, deren Prototyptests Anfang 2027 starten sollen.

Kursreaktion moderat

Der deutsche Handel zeigte am Dienstag eine Kursbewegung von 1,9 Prozent auf einen Schlusskurs von 118,00 Euro. Über die vergangenen 30 Tage steht ein Plus von 18 Prozent zu Buche, während sich der Kurs mit einem Abstand von 39 Prozent noch deutlich unterhalb des 52-Wochen-Hochs von 194,46 Euro vom Juni bewegt.

Die Kombination aus dem gigantischen Louisiana-Investment und den beschleunigten KI-Plänen dürfte die Debatte um die langfristige Bewertung des Unternehmens weiter befeuern – zumal am 9. und 10. September zusätzliche 370 Millionen Aktien aus einer Lock-up-Frist handelbar werden und damit den frei handelbaren Anteil um etwa 20 Prozent erhöhen.