SpaceX kämpft an zwei Fronten gleichzeitig: Während das Raumfahrtgeschäft mit einer verschobenen Astronautenmission Rückschläge einstecken muss, wächst das KI-Rechenzentrumsgeschäft rasant weiter. Die Aktie notierte am Freitag bei 127,36 Euro, ein Minus von 1,1 Prozent gegenüber dem Vortag.

Antriebsleck stoppt Crew-13

Am 1. September entdeckten Techniker während der Startvorbereitungen ein Oxidator-Leck im Antriebssystem der Dragon-Kapsel. Die für den 12. September geplante Crew-13-Mission zur Internationalen Raumstation musste deshalb verschoben werden. NASA-Administrator Jared Isaacman erklärte am 31. August, die Reparatur könne zwei bis vier Wochen dauern. Damit rückt ein realistisches Startfenster erst auf Ende September oder Anfang Oktober.

Für Anleger ist das kein triviales Detail: Bemannte Missionen sind das Aushängeschild von SpaceX gegenüber NASA und öffentlichem Interesse, auch wenn sie finanziell nicht das Kerngeschäft treiben. Operativ läuft der Rest des Startprogramms unterdessen reibungslos weiter.

Am 1. September brachte eine Falcon 9 von der Vandenberg Space Force Base eine weitere Starlink-Mission ins All – bereits der 104. Orbitalstart des Unternehmens in diesem Jahr und die 79. Starlink-Mission 2026. Wenige Tage zuvor, am 29. August, hatte eine Falcon Heavy das NASA-Weltraumteleskop Roman im Rahmen einer 4,3-Milliarden-Dollar-Mission gestartet. Für frühen September ist zudem der 14. Testflug von Starship geplant, der dritte Flug der Starship-V3-Generation.

KI-Geschäft wächst schneller als das Raketengeschäft

Der eigentliche Wachstumstreiber liegt derzeit jedoch nicht im Weltraum, sondern in Rechenzentren. Im zweiten Quartal 2026 meldete SpaceX einen Umsatz von 7,8 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 92 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Der KI-Umsatz allein legte um rund 250 Prozent zu, das Unternehmen investierte etwa 15,83 Milliarden US-Dollar in KI-Infrastruktur. Die Sparte SpaceXAI hatte im Juni 1,4 Gigawatt Rechenkapazität online und erzielte im Quartal 2,6 Milliarden Dollar KI-Umsatz, nach 737 Millionen Dollar im Vorjahresquartal.

Das Ziel von mehr als 2 Gigawatt Kapazität bis Jahresende gerät allerdings ins Wanken. Geplante Erweiterungen über den Standort Memphis hinaus, darunter ein Ausbau in Texas, haben sich Medienberichten zufolge verzögert.

Parallel dazu ordnete SpaceX am 1. September sein KI-Rechenzentrumsteam neu: Nach Zuverlässigkeitsproblemen an Standorten in Tennessee und Mississippi wurden Manager aus dem Raketen- und Starlink-Geschäft eingesetzt, während der bisherige Infrastrukturchef das Unternehmen verließ.

Ein wichtiger Termin steht zudem am 30. September an: Bis dahin muss SpaceX im Rahmen eines Rechenkapazitäts-Deals mit Google, der monatlich 920 Millionen US-Dollar wert ist, rund 110.000 Nvidia-GPUs bereitstellen. Am selben Datum ist derzeit auch der Starship-Flug 14 terminiert.

Kurs mit deutlicher Erholung, aber unter Rekordniveau

Trotz der operativen Rückschläge im Raumfahrtprogramm hat sich die Aktie zuletzt kräftig erholt: Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Plus von 36 Prozent zu Buche, verglichen mit dem 50-Tage-Durchschnitt von 118,31 Euro notiert das Papier rund 7,7 Prozent höher.

Zum 52-Wochen-Hoch von 194,46 Euro, erreicht im Juni, fehlen dennoch gut ein Drittel. Anleger dürften die kommenden Wochen daher genau beobachten – nicht nur wegen Crew-13, sondern auch wegen der Frage, ob SpaceX sein ambitioniertes KI-Kapazitätsziel noch erreicht.