SpaceX hat am Montag seinen dritten Anlauf für den 13. Starship-Testflug genommen – und diesmal hat es funktioniert. Die Rakete startete am Nachmittag Ortszeit von der texanischen Starbase, nachdem ein Versuch wegen eines Zündungsfehlers am Triebwerk und ein weiterer wegen schlechten Wetters zuvor gescheitert waren. Für die Aktie, die zuletzt unter massivem Druck stand, ist der Erfolg zumindest ein kleines Signal in einer ansonsten schwierigen Woche.
Starship übersteht harten Wiedereintritt
Das Oberstadium von Starship setzte nach gut einer Stunde und fünf Minuten Flugzeit eine kontrollierte Wasserung im Indischen Ozean hin – nach Angaben aus der Missionsverfolgung die erste intakte Landung dieser Art. Der Hitzeschild war dabei Temperaturen von über 1.400 Grad Celsius ausgesetzt. An Bord befanden sich 20 Starlink-V3-Satelliten, die ausgesetzt wurden und nach rund 20 Minuten in der Atmosphäre verglühten – planmäßig, da es sich um einen Test und nicht um einen regulären Einsatz handelte. Elon Musk erklärte, die Rakete sei absichtlich mit höherer Beschleunigung geflogen worden, um den Hitzeschild unter hohem dynamischem Druck zu testen. Der Test sei erfolgreich verlaufen.
Weniger glatt lief es beim Super-Heavy-Booster: Bei der Wasserung im Golf von Mexiko kam es zu einer harten Landung. Der nächste Flug soll erstmals den Fang des Boosters durch Roboterarme an der Startrampe erproben. Bereits im Mai war ein früherer V3-Booster nach einem Triebwerksausfall abgestürzt, was die US-Luftfahrtbehörde FAA zu einer Untersuchung veranlasst hatte – vier Korrekturmaßnahmen waren Voraussetzung für die erneute Freigabe.
Kurs nahe Jahrestief, entscheidende Woche steht bevor
Der Testerfolg ändert wenig am Bild, das die Aktie seit Wochen zeigt. Aktuell notiert das Papier bei 100,90 Euro und damit nur noch 3,44 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 97,54 Euro, das erst am 23. Juli markiert wurde. Auf Monatssicht steht ein Minus von knapp 25 Prozent zu Buche, der RSI von 33,7 signalisiert eine überverkaufte Situation. Die Volatilität von rund 65 Prozent auf 30-Tage-Basis unterstreicht, wie nervös der Handel in der Aktie aktuell verläuft.
Zwei Termine dominieren die Erwartungen der Anleger: Am 4. August legt SpaceX erstmals seit dem Börsengang im Juni Quartalszahlen vor, am 6. August läuft die Haltefrist für rund 900 Millionen bis 911,5 Millionen Alt-Aktien aus. Der Streubesitz liegt bislang bei nur etwa fünf Prozent der insgesamt 13,2 Milliarden Aktien – Marktbeobachter warnen, dass allein bis Ende September das frei handelbare Volumen sich verdreifachen könnte, während laut Morningstar mittelfristig sogar mehr als 6,4 Milliarden Aktien für den Handel infrage kommen. Das zusätzliche Angebot könnte die Nachfrage übersteigen, sollte sie nicht mitziehen. Die Leerverkaufsquote liegt bei rund 32 Prozent des Streubesitzes, Shortseller sitzen Berechnungen zufolge bereits auf Buchgewinnen im Milliardenbereich.
Analysten uneins, Ark Invest kauft nach
Trotz des Kursverfalls bleibt das Bild unter Analysten gespalten. Morgan Stanley bekräftigte sein Kursziel von 300 US-Dollar und begründet dies mit Umsatzprognosen, die von 18,7 Milliarden Dollar im Jahr 2025 auf 319 Milliarden Dollar 2030 und 3,3 Billionen Dollar 2040 steigen sollen, getrieben vor allem durch Anwendungen im Bereich künstliche Intelligenz. Der Median aller Kursziele liegt bei 243,81 US-Dollar, was gegenüber dem jüngsten US-Schlusskurs mehr als eine Verdopplung bedeuten würde – die Spanne reicht dabei von 115 bis 800 US-Dollar.
Cathie Woods Ark Invest nutzte die Schwäche zum Nachkauf und erwarb Aktien im Wert von 21,3 Millionen US-Dollar, nachdem der Kurs bereits rund 45 Prozent unter sein Rekordhoch gefallen war. SpaceX macht inzwischen etwa 4,5 Prozent des Ark Innovation ETF aus. Investor Ross Gerber riet unterdessen dazu, nicht gegen SpaceX zu wetten, und verwies auf die frühen, ebenfalls extrem schwankungsreichen Jahre von Tesla. Der bekannte „The Big Short“-Investor Michael Burry erwog dagegen eine Short-Position, verwarf den Gedanken jedoch – ihm erschien SpaceX trotz der hohen Bewertung „fundamental als ein kleines Raumfahrtunternehmen“ für einen Wett-Einsatz nicht attraktiv genug. Bis zur Vorlage der Quartalszahlen am 4. August dürfte die Unsicherheit über Angebot und Bewertung die Kursbewegungen bestimmen.
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