Ein Monat nach dem größten Börsengang der Geschichte steckt die SpaceX-Aktie in einer heiklen Phase. Der Kurs nähert sich in Dollar wieder dem ursprünglichen Ausgabepreis von 135 Dollar. Für ein Papier, das Anfang Juni noch bei über 225 Dollar notierte, ist das ein deutlicher Stimmungswandel.

Am Mittwoch legt die Aktie in Europa um 0,69 Prozent zu und steht bei 120,08 Euro, nach einem Schlusskurs von 119,26 Euro am Dienstag. Damit liegt der Kurs nur noch 0,87 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 119,04 Euro, erreicht erst am 14. Juli. Zum Rekordhoch von 194,46 Euro vom 16. Juni fehlen mittlerweile 38,25 Prozent.

Der IPO-Preis rückt in Sichtweite

SpaceX ging am 12. Juni an die Börse und markierte vier Tage später mit 225,64 Dollar sein bisheriges Hoch. Das entsprach einem Plus von 67 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis von 135 Dollar. Von diesem Höchststand hat die Aktie inzwischen mehr als 25 Prozent verloren.

Der Rückgang der vergangenen 30 Tage summiert sich auf 27,68 Prozent, die annualisierte Volatilität liegt bei 95,68 Prozent. Nachrichtenagentur Reuters beschreibt die Situation als Vertrauenstest: Ein prominentes Börsendebüt könnte zur Belastungsprobe für die Stimmung unter Privatanlegern werden. Auch andere Unternehmen, die einen Börsengang planen, dürften die Entwicklung genau verfolgen.

Zum Zeitpunkt des Listings hatte die Bewertung von SpaceX zeitweise deutlich über zwei Billionen Dollar gelegen. Seither verläuft der Handel unruhig. Zwar rutschte die Aktie unter ihren Eröffnungskurs von 150 Dollar, blieb bislang aber über der 135-Dollar-Marke.

Analysten uneins über die Bedeutung der Marke

Der Kursrückgang steht im Kontrast zur Aufnahme, die SpaceX beim Börsengang erhielt. Mehr als ein Dutzend Banken, darunter Morgan Stanley, JPMorgan Chase und Goldman Sachs, starteten die Coverage mit Kaufempfehlungen.

Marktstrategen sind sich uneinig, wie stark ein Rutsch unter den Ausgabepreis wiegen würde. Matthew Maley, Chefstratege bei Miller Tabak, warnt vor einem psychologischen Schlag für die Aktie. Ein solcher Fall nähre die Erzählung, der Kurs basiere auf Spekulation und „Froth“ statt auf echten Fundamentaldaten, so Maley.

Greg Halter, Forschungsleiter bei Carnegie Investment Counsel, sieht das ähnlich kritisch. Anleger, die auf schnelle Gewinne gehofft hätten, würden enttäuscht. Eine Schwächephase reihe SpaceX damit in drei Jahrzehnte gehypter Börsengänge ein, bei denen die Rendite im ersten Monat im Schnitt negativ ausfällt.

Andere Stimmen sehen die Lage entspannter. Gabriel Shahin, CEO von Falcon Wealth Planning, bezeichnet einen Fall unter 135 Dollar als „normalen, wenn auch schmerzhaften“ Marktmechanismus. Grund seien auslaufende Lock-up-Fristen, durch die Investoren, Risikokapitalgeber und Mitarbeiter Aktien verkaufen dürfen. Ein kurzfristiger Rutsch unter die Schwelle würde seine Positionierung nicht grundlegend ändern, so Shahin.

Quartalszahlen als nächster Prüfstein

Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf den ersten Quartalsbericht seit dem Börsengang, der für August erwartet wird. Maria Llerena, Leiterin der Finanzanalyse bei Domini Impact Investments, bezeichnet den Termin als großen Test für die Aktie.

Emissionsbanken stützen Aktien in der Regel während der ersten 30 Handelstage — bei einem Deal dieser Größenordnung könnte die Unterstützung noch länger andauern, so Llerena. Zugleich warnt sie: Verlustbringende Unternehmen ohne klaren Weg zur Profitabilität neigen zu hoher Volatilität und können unter ihren Ausgabepreis fallen.

Die Entwicklung dürfte über SpaceX hinaus Signalwirkung entfalten. Mit OpenAI und Anthropic, die ebenfalls einen Börsengang erwägen, beobachten Investmentbanken und Unternehmen den Kursverlauf aufmerksam. Wie Halter von Carnegie es formuliert: Niemand wolle einen gescheiterten Börsengang oder einen nachträglich gesenkten Ausgabepreis riskieren.

Mit Blick auf die Zahlen im August bleibt die entscheidende Marke die 135-Dollar-Schwelle des Ausgabepreises. Ein Bruch dieser Linie noch vor dem Bericht würde die Debatte über Fundamentaldaten versus Hype neu entfachen.