SpaceX rutscht auf ein neues Jahrestief. Die Aktie fiel am Donnerstag zeitweise auf 97,54 Euro, aktuell notiert sie bei 99,40 Euro, ein Minus von 1,64 Prozent. Über die vergangenen 30 Tage hat das Papier fast 28 Prozent verloren.

Dabei baut der Konzern gerade an zwei Fronten aggressiv aus: einem neuen KI-Rechenzentrum in Texas und dem nächsten Starship-Testflug. Die Börse straft das trotzdem ab. Der Grund: steigende Kosten für die KI-Infrastruktur überschatten die operativen Fortschritte.

Neues Rechenzentrum in Texas soll KI-Kapazität hochfahren

Berichten vom 22. Juli zufolge plant die KI-Sparte des Unternehmens mindestens ein weiteres Großrechenzentrum in Texas. Der bestehende Hub in Memphis, Tennessee, kommt aktuell auf rund ein Gigawatt Rechenleistung. Texas soll diese Kapazität deutlich erweitern, teils durch Neubauten, teils durch den Umbau bestehender Lagerhallen.

Der Ausbau folgt auf die Integration von xAI in den Konzern und auf neue Verträge zur Vermietung von Rechenkapazität an Anthropic und Google. Die Kehrseite: Die Investitionen explodieren. Im ersten Quartal stiegen die KI-bezogenen Investitionsausgaben auf 7,7 Milliarden Dollar, etwa das Dreifache des Vorjahreswerts. Analysten von Morgan Stanley rechnen vor, dass xAI zwischen 2026 und 2027 bis zu 120 Milliarden Dollar an Barmitteln verschlingen könnte.

Starship Flight 13 soll erstmals Starlink V3 aussetzen

Parallel zum Rechenzentrums-Ausbau steuert SpaceX auf einen technischen Meilenstein zu. Für Donnerstagabend, 17:45 Uhr Ortszeit, öffnet sich ein 90-minütiges Startfenster für den 13. Testflug des Starship-Systems. Ein erster Versuch am 16. Juli war wegen Problemen beim Triebwerksstart abgebrochen worden.

Flight 13 soll erstmals 20 Satelliten der neuen Starlink-V3-Generation direkt aus der Nutzlastbucht des Starship aussetzen. Das Fahrzeug misst 124 Meter und nutzt 33 Raptor-3-Triebwerke, die im Vergleich zur Falcon 9 deutlich mehr Schub und bis zu dreimal so viel Nutzlastkapazität bieten. Gelingt der Test, würde das Starship als primäres Trägersystem für die Starlink-Konstellation bestätigt.

Space Force verdreifacht Auftragsvolumen

Neben den technischen Meilensteinen wächst auch das staatliche Auftragsbuch. Am 17. Juli kündigte die US Space Force eine massive Aufstockung des NSSL-Phase-3-Lane-1-Programms an. Der Vertragsrahmen steigt von 5,6 Milliarden auf 17 Milliarden Dollar, laufend bis 2034.

Grund ist der steigende Missionsbedarf: Die Zahl der geplanten Lane-1-Starts wächst von 60 auf etwa 170 über die zehnjährige Vertragslaufzeit. SpaceX zählt zu den ausgewählten Anbietern und dürfte einen erheblichen Teil der zusätzlichen 110 Starts erhalten. Das verschafft den Falcon-9- und Falcon-Heavy-Programmen ein verlässliches, langfristiges Auftragspolster.

Charttechnik zeigt überverkauften Markt

Trotz dieser operativen Fortschritte bleibt der Kurs unter Druck. Mit einem RSI von 31,9 nähert sich die Aktie überverkauftem Terrain. Zum bisherigen Jahreshoch von 194,46 Euro, erreicht am 16. Juni, klafft mittlerweile eine Lücke von fast 49 Prozent.

Die Marktteilnehmer richten den Blick nun auf zwei nahe Termine. Am 4. August steht der nächste Quartalsbericht an, kurz darauf, am 6. August, läuft eine bedeutende Lock-up-Frist für Aktionäre aus. Beide Termine dürften mitentscheiden, ob sich der aktuelle Abwärtstrend fortsetzt oder eine Stabilisierung einsetzt.