SpaceX schießt seine Riesenrakete Starship erfolgreich ins All. Die Aktie zuckt nicht mal mit der Wimper. Genau das zeigt, wie tief das Vertrauen der Anleger seit dem Nasdaq-Debüt im Juni gesunken ist.

Am Freitag gelang dem 13. Testflug von Starship ein technischer Erfolg. Der Super-Heavy-Booster setzte kontrolliert im Golf von Mexiko auf, 20 Satelliten der neuen Starlink-V3-Generation erreichten ihre Umlaufbahn. Die Starship-Oberstufe wasserte kontrolliert im Indischen Ozean.

„Das ist eine Premiere“, kommentierte SpaceX-Sprecher Dan Huot live. Es sei die sanfteste Wasserung, die Starship im Indischen Ozean je hingelegt habe.

Ein Makel bleibt

Ganz makellos verlief der Flug nicht. Booster 20 zündete beim Landemanöver nicht alle Triebwerke wieder. Die Folge: eine harte Wasserung im Golf von Mexiko. SpaceX bestätigte über den Kurznachrichtendienst X immerhin, dass alle 20 Starlink-Satelliten erfolgreich Kontakt aufgenommen hätten.

Für Aktionäre war dieser Flug in einer Hinsicht besonders. Es war der erste Starship-Test seit dem Börsengang. Erstmals konnten Anleger live beobachten, wie das Ausführungsrisiko des Programms in der Praxis aussieht.

Die Reaktion blieb trotzdem aus. Die Aktie schloss am Freitag bei 101,18 Euro, ein Minus von 2,60 Prozent an einem einzigen Tag. Über die vergangenen 30 Tage summiert sich der Rückgang auf mehr als 25 Prozent. Vom Rekordhoch aus dem Juni liegt das Papier fast 48 Prozent entfernt.

Warum der Markt kalt bleibt

Analysten sehen den Grund für die Zurückhaltung nicht im Testflug selbst, sondern in größeren Fragen rund um das Starship-Programm. Das Programm verschlingt weiterhin enorme Summen an Kapital. Ein Branchenvertreter aus der Finanzwelt macht zudem schuldenfinanzierte KI-Investitionen für den Druck auf die Aktie verantwortlich. Ohne belastbare Gewinne fehlt der Aktie schlicht ein stabilisierender Anker.

Techniker sehen zudem Nachholbedarf. Satelliten-Analyst Tim Farrar sagte gegenüber CNBC, das Unternehmen habe weiterhin Probleme mit der Wiederzündung der Triebwerke. Von einer schnellen, vollständigen Wiederverwendbarkeit sei man noch weit entfernt.

Der Kursverfall der vergangenen Wochen zeigt, wie sehr sich die Stimmung gedreht hat. Seit dem dritten Handelstag hat die Aktie umgerechnet rund eine Billion Euro an Marktwert verloren. In vier der vergangenen fünf Wochen ging es abwärts.

Der nächste Termin zählt mehr als die Rakete

Die Aufmerksamkeit der Anleger hat sich längst auf den Kalender verschoben. Am 4. August legt SpaceX nach Börsenschluss die ersten Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen vor. Erstmals bekommen Investoren damit einen echten Einblick in die Umsätze aus Starlink und Raketenstarts seit dem Börsengang am 12. Juni.

Nur zwei Handelstage später wird es brenzlig. Am 6. August läuft die erste Tranche der Lock-up-Frist aus. Rund 911,5 Millionen Aktien im Wert von etwa 116 Milliarden Dollar werden dann verkaufsfähig – ein Fünftel aller beim Börsengang gesperrten Anteile.

Die Positionierung am Markt hat sich bereits verschoben. Der Anteil der Leerverkäufe an der SpaceX-Aktie ist auf über 30 Prozent der verfügbaren Aktien gestiegen. Noch vor einem Monat lag dieser Wert im einstelligen Bereich. Viele Marktteilnehmer wetten also längst auf fallende Kurse, bevor die entscheidende Woche überhaupt beginnt.

Was als Nächstes ansteht

Nach der harten Landung von Booster 20 stehen die Ingenieure vor neuer Diagnosearbeit. Ein Termin für den nächsten Testflug ist noch nicht bekannt. Zunächst dürfte das Team analysieren, warum das Landemanöver misslang, bevor ein weiterer Bergungsversuch im Golf von Mexiko folgt. Die neuen V3-Satelliten liefern immerhin erste Praxisdaten für das geplante Kapazitäts-Upgrade des Starlink-Netzwerks.

Die eigentliche Bewährungsprobe liegt aber noch vor SpaceX. Für einen wichtigen NASA-Testflug im kommenden Jahr, der den Weg zu einer neuen Mondlandung ebnen soll, muss Starship zeigen, wie es kontrolliert in die Erdumlaufbahn eintritt. Zusätzlich muss das Unternehmen klären, wie sich die Rakete im All betanken lässt – ein Schritt, der für eine bemannte Mondlandung zwingend nötig ist.

Mit Quartalszahlen, auslaufender Lock-up-Frist und einem stark erhöhten Anteil an Leerverkäufen bündeln sich binnen zwei Wochen gleich drei potenzielle Kursbeweger. Der geglückte Raketenstart vom Freitag dürfte dabei kaum als Wendepunkt für die gebeutelte Aktie in Erinnerung bleiben.