SpaceX hat die Übernahme von Anysphere, dem Entwickler des KI-gestützten Programmierassistenten Cursor, abgeschlossen. Der reine Aktiendeal hat ein Volumen von 60 Milliarden Dollar und wurde nach behördlicher Freigabe heute vollzogen. Damit erweitert das Raumfahrtunternehmen sein Geschäft deutlich über Raketen und Satelliten hinaus in den Bereich der Softwareentwicklung.

Die Aktie reagiert am heutigen Freitag mit einem Rückgang von 1,4 Prozent auf 120,80 Euro, nachdem das Papier gestern noch bei 122,54 Euro geschlossen hatte.

Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 4,9 Prozent, über die vergangenen 30 Tage summiert sich der Zuwachs auf 2,5 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 194,46 Euro, erreicht im Juni, bleibt das Papier weiterhin deutlich entfernt.

Wachstumsschub trifft auf regulatorische Rückenwind

Der Cursor-Deal fällt in eine Phase, in der SpaceX operativ auf mehreren Feldern zulegt. Erst vor wenigen Tagen meldete das Unternehmen seine ersten Quartalszahlen als börsennotierte Gesellschaft: Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 92 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar, der Nettoverlust verringerte sich auf 541 Millionen Dollar von zuvor rund einer Milliarde Dollar. Die Starlink-Sparte, die unter dem Namen Connectivity firmiert, trug allein 4,3 Milliarden Dollar zum Umsatz bei.

Auch beim Militär bleibt SpaceX gefragt: Die US Space Force vergab am Mittwoch Raketenabwehr-Aufträge über 8,1 Milliarden Dollar an das Unternehmen, darunter 2,29 Milliarden Dollar für das LEO-Rückgrat des Space Data Network und 4,16 Milliarden Dollar für die AMTI-Satellitenkonstellation. Parallel dazu verlängerte die NASA den Vertrag für Astronautentransporte zur Internationalen Raumstation bis Ende des Jahres.

Starlink wächst, Starship steht vor nächstem Testflug

Firmenchef Elon Musk teilte bei einem intern gehaltenen, später öffentlich gewordenen Treffen mit, dass Starlink inzwischen mehr als 13 Millionen Privatkunden zählt. Der Mobilfunkdienst Direct to Cell kommt demnach auf 22 Millionen monatlich aktive Nutzer.

Zugleich bestätigte Musk, dass SpaceX beim kommenden Starship-Testflug erstmals versuchen will, die obere Raketenstufe mit einem sogenannten Turmfang aufzufangen. Der Flug, intern als Flight 14 bezeichnet, soll frühestens am 28. August starten und laut Planung erstmals Satelliten der neuen Generation Starlink V3 im operativen Betrieb aussetzen.

Die Vielzahl an Wachstumssignalen dürfte Anlegern helfen, die jüngste Kursbewegung einzuordnen: Vor gut einer Woche waren rund 911,5 Millionen Aktien, etwa 11,8 Prozent des Streubesitzes, erstmals seit dem Börsengang im Juni handelbar geworden.

Seither hat die Aktie um 21,3 Prozent zugelegt. Nun steht am 20. August die Freigabe eines weiteren Aktienpakets von rund 320 Millionen Stück an, was laut dem Analysten Ed Elson von Prof G Markets erneut Verkaufsdruck erzeugen könnte.

Ausblick für Anleger

Die operative Dynamik bei SpaceX bleibt hoch: neue Verträge, wachsende Nutzerzahlen bei Starlink und nun ein Vorstoß ins KI-Softwaregeschäft durch die Cursor-Übernahme. Ob dieser fundamentale Rückenwind reicht, um den bevorstehenden Verkaufsdruck durch die zweite Lockup-Freigabe zu absorbieren, dürfte sich in den kommenden Handelstagen zeigen.