SpaceX muss beim Aufbau seiner KI-Rechenzentren nachbessern. Wie The Information berichtete, überarbeitet das Unternehmen die Infrastruktur an Standorten in Tennessee und Mississippi, nachdem dort monatelang Probleme mit Kühlung und Stromversorgung aufgetreten waren. Anlagen liefen zeitweise ohne Backup-Kühlung oder Notstromversorgung – ein Risiko, das Elon Musks Ambitionen in diesem Wachstumsfeld nun bremst.

Personalwechsel und enger Zeitplan

Berichten zufolge tauschte SpaceX in der Folge mehrere Verantwortliche für den Rechenzentrums-Ausbau aus. Wesley Salandro und Logan McConnell übernehmen demnach die operative Leitung, während Jake Palmer, Zach Wells und Pablo Mendoza das Unternehmen verlassen haben.

Michael Nicolls wurde zusätzlich eingesetzt, um die Aufsicht über xAI zu übernehmen. SpaceX priorisiert nun offenbar Redundanz bei Kühlung und Stromversorgung gegenüber reiner Baugeschwindigkeit.

Der Zeitdruck ist erheblich: Ein Vertrag mit Google über Rechenleistung im Volumen von 920 Millionen US-Dollar pro Monat ist an eine Frist zum 30. September gebunden. Verzögerungen beim Infrastrukturausbau könnten die Erfüllung dieser Vorgabe erschweren – ein Punkt, den Anleger im Blick behalten dürften, da das Rechenzentrumsgeschäft als eines der zentralen langfristigen Wachstumsfelder neben dem Raumfahrtgeschäft gilt.

Turbinen-Foundry als Gegenmaßnahme

Als Reaktion auf Engpässe bei der Energieversorgung hatte SpaceX Anfang September den Bau einer eigenen Foundry bestätigt, in der Turbinenschaufeln für Gasturbinen gefertigt werden sollen.

Musk bezeichnete das Vorhaben als „profound game-changer“ und erklärte, es könne die Bereitstellung von Turbinen für KI-Rechenzentren um bis zu 18 Monate beschleunigen. Der Schritt zeigt, wie stark SpaceX inzwischen als Energie- und Infrastrukturanbieter für seine KI-Ambitionen agiert – über das klassische Raumfahrtgeschäft hinaus.

Operatives Geschäft läuft parallel weiter

Während die Rechenzentrums-Probleme Schlagzeilen machen, läuft das Kerngeschäft ungebremst. Am Dienstag startete SpaceX von der Vandenberg Space Force Base aus die klassifizierte Nutzlast USSF-153 für die U.S. Space Force.

Bereits am 5. September hatte das Unternehmen seine 80. Starlink-Mission des Jahres absolviert und dabei 27 Satelliten ins All gebracht – die dritte Mission in Folge, bei der Starlink-Satelliten nicht mehr per Falcon 9 von Florida aus gestartet wurden.

Laut Kiko Dontchev, Vice President für den Bereich Launch bei SpaceX, sollen künftige Starlink-Missionen aus Florida ausschließlich mit Starship erfolgen.

Kursreaktion bleibt verhalten

Die Aktie schloss am Donnerstag bei 127,80 Euro, nach einem Plus von 0,7 Prozent am Vortag. Über 30 Tage steht ein Anstieg von 1,0 Prozent zu Buche, der Titel notiert damit rund 9,1 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 194,46 Euro bleibt das Papier weiterhin deutlich entfernt. Die Nachrichten rund um den Rechenzentrums-Umbau scheinen den Kurs bislang nicht spürbar belastet zu haben – Anleger dürften vor allem auf die Entwicklung bis zur Google-Vertragsfrist Ende September blicken.