Die Aktie von SpaceX notiert bei 105,80 Euro und verliert im Tagesverlauf 2,36 Prozent. Damit liegt der Titel nur noch 0,88 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 104,88 Euro, das erst am 20. Juli markiert wurde. Der Relative-Stärke-Index von 34,8 signalisiert eine deutlich überverkaufte Marktlage. Von seinem Rekordhoch bei 194,46 Euro, aufgestellt am 16. Juni 2026, hat sich die Aktie damit fast halbiert. Für ein Unternehmen, das erst Mitte Juni mit einem der größten Börsengänge der Geschichte debütierte, ist das ein bemerkenswerter Absturz.
Countdown zu zwei Schlüsselterminen
Zwei Termine dominieren derzeit die Debatte um die Aktie. Am 4. August legt SpaceX seinen ersten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen vor, die Telefonkonferenz ist für 15:30 Uhr US-Ostküstenzeit angesetzt. Nur zwei Tage später, am 6. August, endet eine erste Haltefrist: 911,5 Millionen Aktien im Wert von rund 116 Milliarden Dollar werden dann handelbar. Sollte die Aktie in den zehn Handelstagen rund um die Zahlen an mindestens fünf Tagen über 175,50 Dollar notieren – also 30 Prozent über dem IPO-Preis von 135 Dollar –, könnten zusätzlich 455,8 Millionen Aktien freigegeben werden. Die Anteile von Elon Musk selbst bleiben davon unberührt: Sie sind bis Mitte 2027 gesperrt.
Im Fokus des Berichts dürften vor allem die Fortschritte bei Starlink stehen. Das Satelliteninternet-Geschäft zählte zuletzt mehr als 10.400 Satelliten im Orbit und rund 12 Millionen Abonnenten, Stand Juni 2026. Ergänzt wird das Programm um die neue Satellitengeneration V3, die laut SpaceX ein zehnfach höheres Downlink- und 22-fach höheres Uplink-Volumen ermöglichen soll. Ein Starship-Testflug mit 20 V3-Satelliten an Bord war für den 23. Juli angesetzt, nachdem ein erster Versuch am 16. Juli wegen eines Problems an den Raptor-Triebwerken abgebrochen worden war.
Short-Seller im Visier, Musk warnt
Parallel zum Kursrückgang ist eine Wette gegen die Aktie stark gewachsen. Die Short-Quote kletterte auf 32 Prozent des Streubesitzes, umgerechnet rund 206 Millionen Aktien im Wert von etwa 25 Milliarden Dollar – vor rund einem Monat lag dieser Wert noch bei fünf bis sieben Prozent. Elon Musk reagierte mit einer unverhohlenen Warnung an die Leerverkäufer: Die Überlebenswahrscheinlichkeit von Firmen mit einer derart hohen Short-Position sei „sehr gering“, so Musk. Die bevorstehende Lock-up-Expiration könnte den Streubesitz um 142 Prozent aufblähen und dadurch die Short-Ratio rechnerisch auf etwa 13 Prozent drücken.
Nicht alle Investoren lassen sich vom Ausverkauf abschrecken. ARK-Invest-Chefin Cathie Wood kaufte am 20. Juli rund 170.634 SpaceX-Aktien für etwa 20,45 Millionen Dollar zu einem Kurs von rund 119,85 Dollar – noch bevor sich der Titel am Folgetag um sieben Prozent erholte. Zusammen mit einem früheren Zukauf summieren sich Woods Käufe auf 318.257 Aktien im Wert von rund 38,75 Millionen Dollar. SpaceX sei „das wichtigste Unternehmen der Weltgeschichte“, erklärte Wood trotz des herben Kursrückgangs.
Analysten bleiben mehrheitlich optimistisch, Anleihemarkt skeptisch
An der Wall Street überwiegt trotz der Turbulenzen der Optimismus. Von 29 Analysten stufen 23 die Aktie mit Kaufen ein, fünf mit Halten und einer mit Verkaufen. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 243,81 Dollar, was einem Aufwärtspotenzial von knapp 98 Prozent entspräche. Im Detail reicht die Spanne breit: Evercore ISI sieht die Aktie bei 230 Dollar, Bernstein bei 239 Dollar, JPMorgan bei 225 Dollar, Macquarie bei 250 Dollar. Raymond James ragt mit einem Street-High von 800 Dollar heraus, während Piper Sandler mit einem neutralen Rating und einem Kursziel von 156 Dollar deutlich zurückhaltender bleibt. Kritischer positionieren sich CFRA mit einer Verkaufsempfehlung und einem Kursziel von 115 Dollar sowie MoffettNathanson, das neutral bei 131 Dollar bleibt.
Ein anderes Stimmungsbild liefert der Anleihemarkt. SpaceX hatte am 23. Juni Anleihen über 25 Milliarden Dollar in fünf Tranchen mit Laufzeiten zwischen 2031 und 2056 sowie Kupons zwischen 5,35 und 6,65 Prozent begeben. Seither sind die Kurse gefallen: Die 2031er-Tranche notierte zuletzt bei 98,35 Cent, die 2056er-Tranche bei 91,07 Cent auf den Dollar, Stand 17. Juli. Die sinkenden Anleihekurse deuten darauf hin, dass Fremdkapitalgeber der langfristigen Schuldentragfähigkeit des Unternehmens skeptischer gegenüberstehen als viele Aktienanalysten. Für Anleger dürfte damit klar sein: Die kommenden zwei Wochen mit Quartalszahlen, Lock-up-Ablauf und weiteren Starship-Tests werden richtungsweisend für die weitere Kursentwicklung.
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