Nach zwei turbulenten Wochen sucht SpaceX an der Börse wieder Tritt. Erst hatten hohe Investitionsausgaben rund um den Börsengang die Anleger verschreckt, dann sorgte der Ablauf der Sperrfrist für Insider-Aktien für zusätzliche Nervosität.
Am Ende blieb ein Argument übrig, das offenbar zieht: Das Unternehmen von Elon Musk verspricht, aus den milliardenschweren Ausgaben für künstliche Intelligenz schneller Kapital zu schlagen als bisher angenommen.
Nvidia soll die Ausgaben rechtfertigen
Im Zentrum der neuen Wachstumserzählung steht eine Partnerschaft mit Nvidia im Bereich Rechenzentrum-Chips, die SpaceX im Rahmen der Quartalszahlen vor gut einer Woche bekannt gab. Die Kooperation ist an den KI-Ausbau des Unternehmens gekoppelt und soll erklären, wofür die zuletzt stark gestiegenen Investitionen tatsächlich verwendet werden.
Allein im zweiten Quartal beliefen sich die Kapitalausgaben auf 18,37 Milliarden Dollar – eine Summe, die bei der ersten Vorlage von Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen zunächst für Verunsicherung sorgte, weil Anleger den Zusammenhang zum KI-Geschäft nicht sofort einordnen konnten.
Genau an dieser Stelle setzt das Management an: Der Nvidia-Deal soll zeigen, dass die hohen Ausgaben in konkrete Infrastruktur und Partnerschaften fließen, statt im luftleeren Raum zu verpuffen.
Musk zieht Billionen-Ziel vor
Flankiert wird die Nvidia-Kooperation von einer zweiten Botschaft: Das Management unter Elon Musk teilte den Investoren vor gut einer Woche mit, dass SpaceX bereits 2030 einen Jahresumsatz von einer Billion Dollar erreichen soll – ein Jahr früher als zuvor in Aussicht gestellt.
Laut CNBC diente die vorgezogene Prognose ausdrücklich dazu, die Sorgen nach dem Anstieg der KI-bezogenen Ausgaben zu zerstreuen. Die Botschaft an die Anleger ist klar formuliert: Die aktuellen Milliardeninvestitionen sind demnach kein Risiko, sondern die Grundlage für ein noch schnelleres Wachstum als bislang geplant.
Ob sich das Billionen-Ziel tatsächlich um ein Jahr verkürzen lässt, bleibt eine unternehmensseitige Prognose. Belastbare Zwischenschritte dorthin lieferte bislang vor allem das laufende Geschäft mit Starlink.
Starlink als Umsatztreiber
Die Zahlen zum zweiten Quartal, die SpaceX vor gut einer Woche als börsennotiertes Unternehmen erstmals vorlegte, fielen bei genauerem Hinsehen robust aus: Der Umsatz kletterte auf 7,8 Milliarden Dollar und übertraf die Markterwartung von rund 6,9 Milliarden Dollar deutlich.
Reuters berichtete, dass vor allem das Starlink- und das KI-Geschäft für den Zuwachs sorgten – allein Starlink steuerte knapp 4,3 Milliarden Dollar zum Quartalsumsatz bei. Unter dem Strich stand dennoch ein Nettoverlust von 541 Millionen Dollar, was laut Reuters umgerechnet 9 Cent je Aktie entspricht.
Diese Kombination aus starkem Umsatzwachstum und operativem Verlust erklärt, warum die erste Reaktion der Anleger zunächst verhalten ausfiel, ehe die Wachstumsversprechen rund um Nvidia und das Billionen-Ziel die Stimmung drehten.
Kurserholung mit Fragezeichen
An der Börse hat sich die Verunsicherung inzwischen deutlich gelegt. Am vergangenen Donnerstag, dem Tag des Ablaufs der Sperrfrist, zog die Aktie um 6,1 Prozent an, nachdem der Streubesitz durch die Freigabe von rund einer Milliarde Aktien schlagartig mehr als verdoppelt hatte.
Seit den Quartalszahlen liegt das Papier rund 10,1 Prozent im Plus. Am Montag schloss die Aktie bei 119,82 Euro, nach einem Tagesplus von 4,06 Prozent und einem Wochenzuwachs von 10,11 Prozent.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 194,46 Euro, erreicht im Juni, trennen das Papier trotz der jüngsten Erholung noch immer 38,38 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 55 signalisiert dabei weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Marktlage.
Die annualisierte Volatilität der vergangenen 30 Tage von knapp 90 Prozent zeigt zugleich, wie stark die Aktie zwischen Wachstumseuphorie und Sorgen über die KI-Ausgaben pendelt – ein Muster, das sich fortsetzen dürfte, solange sich Nvidia-Partnerschaft und Billionen-Ziel noch nicht in konkreten Geschäftszahlen niederschlagen.
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