Am 16. Juli 2026 sollte Starship Flight 13 von der texanischen Startanlage Starbase abheben – Sekunden vor dem Liftoff stoppte die Automatik den Start, weil vier der 33 Raptor-3-Triebwerke des Boosters 20 nicht zündeten. Elon Musk erklärte anschließend, zwei Triebwerke müssten ausgetauscht werden, ein neuer Versuch sei frühestens Anfang der folgenden Woche möglich. An Bord der Rakete befanden sich 20 Starlink-V3-Satelliten mit einer Downlink-Kapazität von jeweils 1 Tbit/s, zudem sollte erstmals ein Raptor-Neustart im All erprobt werden – beides musste verschoben werden.

Die Börse reagierte prompt: Die Aktie schloss am 16. Juli bei 131,11 US-Dollar und damit erstmals unter dem Preis des eigenen Börsengangs von 135 US-Dollar. Nachbörslich rutschte der Kurs zeitweise bis auf rund 125 US-Dollar ab, bevor er sich auf etwa 127 US-Dollar erholte. Am aktuellen Handelstag setzt sich der Abwärtstrend fort: Die Aktie notiert bei 110,90 Euro und verliert damit 3,26 Prozent. Auf Sicht von 30 Tagen summiert sich der Rückgang auf 33,30 Prozent – ein deutliches Zeichen dafür, wie schnell die anfängliche Euphorie rund um den Börsengang verflogen ist.

Starship bleibt der Belastungsfaktor

Der missglückte Start ist bereits der zweite Rückschlag für die neue Starship-Version V3 mit Raptor-3-Triebwerken. Erst Ende Mai war ein Testflug gescheitert, als Triebwerke des Boosters nicht wieder zündeten und dieser in den Golf von Mexiko stürzte. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte daraufhin eine Untersuchung eingeleitet, den Vorfall am 27. Mai offiziell als Störfall eingestuft und erst nach Umsetzung von vier Korrekturmaßnahmen grünes Licht für einen neuen Versuch gegeben – nach 47 Tagen Startverbot. In der Gesamtbilanz steht Starship nun bei sieben erfolgreichen und fünf gescheiterten Missionen aus zwölf Versuchen. Die Entwicklungskosten des Programms übersteigen mittlerweile 15 Milliarden US-Dollar. Für die NASA ist das nicht folgenlos: Starship gilt als Schlüsselelement für die geplante Artemis-Mondlandung, die frühestens 2028 stattfinden soll, und jede weitere Verzögerung rückt diesen Zeitplan in Gefahr.

Der Kurseinbruch fällt zudem in eine Phase allgemeiner Marktnervosität. Am selben Tag gaben auch andere Weltraum- und Technologiewerte nach, während Volatilitätsindikatoren anzogen. Für SpaceX kommt hinzu, dass laut Marktbeobachtungen rund 49 Prozent der handelbaren Aktien an Leerverkäufer verliehen sind – ein Anteil, der die Kursausschläge in beide Richtungen verschärfen kann.

Analysten bleiben trotz Rückschlags mehrheitlich optimistisch

Die Reaktionen der Analysten fallen gemischt, aber überwiegend konstruktiv aus. UBS bekräftigte trotz des Fehlstarts ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 210 US-Dollar. Piper Sandler nahm die Coverage dagegen mit einer neutralen Einstufung und einem Kursziel von 156 US-Dollar auf. Von 32 erfassten Analysten votieren laut Marktdaten 27 für eine Kaufempfehlung. JPMorgan-Analyst Seth Seifman verwies darauf, dass für die Bewertung letztlich die Startkadenz von Starship entscheidend sei – einzelne Rückschläge seien für sich genommen weniger relevant als die Frage, wie schnell SpaceX die Testreihe fortsetzen kann. Analysten von Bernstein sehen unterdessen im Starlink-Geschäft den zentralen Wachstumstreiber des Konzerns, unabhängig vom Fortgang des Raketenprogramms.

Verluste und Lock-up-Fristen als zusätzliche Unsicherheit

Operativ bleibt SpaceX defizitär: Für 2025 wies das Unternehmen bei einem Umsatz von 18,7 Milliarden US-Dollar einen Nettoverlust von 4,9 Milliarden US-Dollar aus, im ersten Quartal 2026 lag der Verlust bei 4,28 Milliarden US-Dollar. Starlink kam 2025 auf einen Umsatz von 11,387 Milliarden US-Dollar und zählte im März 2026 rund 10,3 Millionen Abonnenten. Der Börsengang im Juni hatte SpaceX rund 85,7 Milliarden US-Dollar eingebracht, bei einer Bewertung von zeitweise 1,77 Billionen US-Dollar; aktuell wird die Marktkapitalisierung mit rund 1,73 Billionen US-Dollar beziffert.

Zusätzliche Unsicherheit dürfte in den kommenden Wochen von auslaufenden Haltefristen ausgehen: Nach den für Anfang August erwarteten Quartalszahlen werden rund 20 Prozent der gesperrten Aktien handelbar, weitere Tranchen folgen bis Dezember 2026. Charttechnisch gilt eine Marke von 120 US-Dollar als nächste institutionelle Unterstützung, darunter rückt die psychologische Schwelle von 100 US-Dollar in den Blick. Mit einem Abstand von lediglich 2,01 Prozent zum 52-Wochen-Tief bei 108,72 Euro notiert die Aktie bereits in unmittelbarer Nähe dieser Marke – der für Anfang der kommenden Woche angekündigte neue Startversuch dürfte damit zur richtungsweisenden Bewährungsprobe werden.