SpaceX schlägt einen radikalen Kurswechsel ein: Das Unternehmen nimmt Berichten zufolge keine kommerziellen Buchungen für Falcon-9-Starts mehr an, die über das Jahr 2028 hinausgehen. Bloomberg berichtete am 23. Juli 2026, dass der Raketenbauer die Produktion von Einwegkomponenten einstellt und sein Rideshare-Programm beendet. Der Konzern bündelt seine Ressourcen künftig auf das Starship-Projekt. Ausnahmen soll es nur für Missionen der NASA und des US-Verteidigungsministeriums geben.
Die Ankündigung sorgte prompt für Nervosität bei Konkurrenten und Zulieferern der Raumfahrtbranche. AST SpaceMobile fiel im vorbörslichen Handel um rund ein Prozent, Rocket Lab gab etwa 0,3 Prozent ab. Einige Marktteilnehmer sehen in der Neuausrichtung sogar eine Chance für Rocket Lab, dessen Neutron-Rakete künftig Lücken im kommerziellen Startmarkt füllen könnte, die SpaceX bewusst offenlässt.
Starship-Testflug erneut verschoben
Parallel zur strategischen Neuausrichtung kämpft SpaceX mit technischen Rückschlägen beim eigentlichen Zukunftsprojekt. Der 13. Testflug des Starship-Systems, ursprünglich für den 16. Juli angesetzt, war wegen eines Triebwerksausfalls abgebrochen worden. Zwei Triebwerke wurden daraufhin ausgetauscht. Der zweite Anlauf am 23. Juli scheiterte erneut – diesmal an Wetterbedingungen, die eine klare Bildgebung des Hitzeschilds bei hohem Staudruck verhinderten. SpaceX verschob den Start auf Freitag, den 24. Juli.
An Bord der Mission sollen 20 Starlink-V3-Satelliten ins All gebracht werden, zudem ist eine Booster-Landung im Golf von Mexiko geplant. Die Investitionssumme in das Starship-Programm liegt Berichten zufolge bei über 15 Milliarden US-Dollar. Für Anleger ist der Flug auch deshalb bedeutsam, weil Starship das zentrale Argument für SpaceX‘ langfristige Kostenreduktion im Startgeschäft darstellt.
Aktie nahe Jahrestief, Shortseller im Rekordgewinn
An der Börse hinterlässt die Häufung negativer Nachrichten deutliche Spuren. Der Kurs notiert aktuell bei 102,18 Euro und verliert an diesem Handelstag weitere 1,71 Prozent. Auf Sicht von 30 Tagen beträgt das Minus fast 25 Prozent. Damit bewegt sich die Aktie nur noch knapp 4,76 Prozent über ihrem am 23. Juli markierten 52-Wochen-Tief von 97,54 Euro – ein Beleg dafür, wie stark der Abverkauf seit dem Rekordhoch im Juni bereits fortgeschritten ist.
Von der Entwicklung profitieren vor allem Leerverkäufer. Nach Daten des Analysehauses Ortex sitzen Shortseller auf einem Papiergewinn von 15,5 Milliarden US-Dollar, bei einem Anteil von rund 56 Prozent des Streubesitzes, der derzeit verliehen ist. Elon Musk reagierte mit einer deutlichen Warnung an die Adresse der Leerverkäufer, wonach die Überlebenswahrscheinlichkeit von Firmen mit signifikanten Short-Positionen sehr gering sei.
Zwei Termine dürften die Kursrichtung in den kommenden Wochen maßgeblich bestimmen: Am 4. August legt SpaceX seinen ersten Quartalsbericht seit dem Börsengang vor. Nur zwei Tage später, am 6. August, läuft eine Haltefrist für 911,5 Millionen Aktien aus – ein Volumen, das nach aktuellem Kursniveau einen erheblichen Gegenwert darstellt und zusätzlichen Verkaufsdruck auslösen könnte. Eine zweite Tranche von 455,8 Millionen Aktien bleibt gesperrt, solange der Kurs nicht über 175,50 US-Dollar steigt. Trotz des Kursverfalls bewerten Analysten das Papier mehrheitlich positiv: Mehrere Häuser stufen die Aktie mit Kaufempfehlungen ein, die genannten Kursziele reichen bis über 240 US-Dollar.
Fusionsspekulationen und Alphabet-Beteiligung
Zusätzliche Dynamik brachte Tesla-Chef Elon Musk in die Debatte, als er am 22. Juli eine mögliche Fusion von Tesla und SpaceX nicht ausschloss und auf wachsende operative Überschneidungen zwischen beiden Unternehmen verwies. Der Vermögensverwalter Deepwater erhöhte die von ihm geschätzte Wahrscheinlichkeit für einen Zusammenschluss auf 90 Prozent. Analyst Rajat Gupta von JPMorgan bezeichnete eine Fusion als strategisch schlüssig, verwies zugleich aber auf regulatorische Hürden, insbesondere in China. Beide Unternehmen arbeiten bereits gemeinsam an der Chipfabrik Terafab in Texas.
Auch die Eigentümerstruktur von SpaceX rückte zuletzt in den Fokus: Alphabet bezifferte seinen Anteil an SpaceX zum 30. Juni auf 94,1 Milliarden US-Dollar, was einer Beteiligung von rund sechs Prozent entspricht. Für Alphabet trug diese Position wesentlich zu einem Nettogewinn von 98 Milliarden US-Dollar im zweiten Quartal bei. Auch Tesla verbuchte einen Bewertungsgewinn von rund einer Milliarde US-Dollar aus seiner SpaceX-Beteiligung. Für die kommenden Wochen bleibt der Blick der Anleger damit auf drei Fixpunkte gerichtet: den Ausgang des Starship-Testflugs, die Quartalszahlen am 4. August und das Auslaufen der Haltefrist zwei Tage später.
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