Heute ist der Tag. SpaceX betritt die Börse — und mit ihr startet eine Debatte, die weit über den reinen Emissionspreis hinausgeht. 75 Milliarden Dollar frisches Kapital, ein Emissionspreis von 135 Dollar und eine Erstbewertung von rund 1,75 Billionen Dollar: Das ist kein gewöhnlicher Börsengang.

Short-Seller halten sich zurück

Eigentlich wäre eine Bewertung auf diesem Niveau ein gefundenes Fressen für Leerverkäufer. Allerdings hält sich die Short-Selling-Community auffällig zurück. Der Grund: Tesla. Wer sich in den vergangenen Jahren gegen Elon Musk positioniert hat, hat Lehrgeld bezahlt. Diesen Fehler wollen die wenigsten wiederholen.

Das bedeutet nicht, dass alle Beobachter jubeln. Investor Carsten Maschmeyer formuliert es scharf: SpaceX verdiene kaum Geld — mit Ausnahme von Starlink. Alles andere sei ein „Gemischtwarenladen“. Sein Kernvorwurf: Das Unternehmen ist zu abhängig von einer einzigen Person, deren Verhalten sich nicht kalkulieren lasse. Maschmeyer erwartet, dass die Aktie zunächst steigt — nach Ablauf der Sperrfrist für Altaktionäre im Herbst aber unter den Emissionspreis fallen könnte.

Dotcom-Vergleich greift nicht

Andere Marktstrategen sehen das differenzierter. Die These, der SpaceX-Börsengang — zusammen mit geplanten IPOs von OpenAI und Anthropic, die gemeinsam rund 200 Milliarden Dollar einsammeln wollen — markiere das Ende des Bullenmarkts, lässt sich mit Zahlen kaum stützen. Diese Summe entspricht etwa 0,25 Prozent der gesamten US-Marktkapitalisierung und liegt sogar unter den Spitzenwerten von 2010. Zwischen 1995 und 2000 drängten Hunderte Unternehmen an die Börse und absorbierten weitaus mehr Kapital — viele ohne tragfähiges Geschäftsmodell.

Relevanter als Crash-Szenarien dürfte eine andere Frage sein: Was passiert, wenn SpaceX via Fast-Track in die großen Indizes aufgenommen wird? Passive ETFs müssten dann kaufen — ohne dass frisches Geld in die Fonds fließt. Die Folge: Bestehende Positionen müssen liquidiert werden. Über 60 Prozent dieses Volumens dürfte auf die bisherigen Schwergewichte wie Apple, Nvidia und Microsoft treffen. Eine temporäre Underperformance dieser Namen ist ein reales Risiko.

Kapital muss irgendwo herkommen

Auffällig ist die jüngste Schwäche bei Kryptowährungen und Edelmetallen. Diese Märkte gelten als erste Anlaufstelle, wenn Investoren Liquidität für große Positionen schaffen müssen. Gold und Bitcoin als implizite „Finanzierungsquelle“ für das SpaceX-IPO — das klingt ungewöhnlich, ist aber ein bekanntes Muster bei Mega-Transaktionen.

Am Ende läuft alles auf eine einzige Frage hinaus: Hält die KI-Investmentstory, auf der SpaceX seine Bewertung aufbaut? Wenn ja, ist der heutige Börsengang ein Katalysator. Wenn die Begeisterung kippt und die digitale Infrastruktur sich tatsächlich als Kapitalvernichter erweist — wie die Stuttgarter Zeitung warnt — drohen Kurskorrekturen, die weit über SpaceX hinausgehen. Der heutige Handelstag liefert erste Hinweise darauf, wie der Markt diese Frage bewertet.