SpaceX-Aktien fallen weiter. Am Dienstag notiert das Papier bei 97,22 Euro, ein Minus von 2,74 Prozent. Damit rückt der Kurs erneut nah an sein 52-Wochen-Tief von 95,55 Euro heran, erreicht erst einen Tag zuvor.

Im Zentrum steht ein öffentlicher Schlagabtausch. Geopolitik-Analyst Peter Zeihan und NASA-Chef Jared Isaacman streiten über eines der ambitioniertesten Wachstumsversprechen des Unternehmens: Rechenzentren im Orbit.

Zeihan: „So viele Ebenen von Dummheit“

SpaceX hatte orbitale Rechenzentren als Kernstück seines rekordträchtigen Börsengangs präsentiert. Zeihan hält das Konzept physikalisch für kaum machbar. In einem Video rechnet er vor: Ein Gigawatt-Rechenzentrum im All würde rund 500 Starship-Starts benötigen, nur um zusammengebaut zu werden.

Sein Argument: Hochleistungs-Chips überleben die Strahlung im All nicht ohne massive Abschirmung. Diese Abschirmung allein würde etwa 20 Millionen Pfund wiegen. Zeihan formuliert es drastisch: „Es gibt so viele Ebenen von Dummheit hier.“ Wer mit diesem Konzept Kapital einsammle, halte seine Investoren „für dumm“.

Auch die Kostenschätzungen fallen düster aus. Energie-Analysehaus Wood Mackenzie beziffert die Gesamtkosten eines Ein-Gigawatt-Rechenzentrums im Orbit auf rund 170 Milliarden Dollar. Das wäre etwa das Dreifache einer vergleichbaren Anlage auf der Erde.

Selbst der Prognosemarkt Kalshi zeigt sich skeptisch. Er räumt einem Ein-Megawatt-Rechenzentrum im All nur 14 Prozent Wahrscheinlichkeit ein, bis Januar 2029 in Betrieb zu gehen – trotz des 2028er-Ziels aus dem Börsenprospekt. Bis 2035 steigt die Quote auf lediglich 39 Prozent. SpaceX selbst räumt in den Risikofaktoren seines eigenen Börsenprospekts ein, dass die Technologie teils schlicht noch nicht existiert.

Isaacman hält dagegen

Der Widerspruch kommt prompt. NASA-Chef Jared Isaacman, zuvor CEO von Shift4 Payments, stellt sich klar hinter Musk. Im Podcast „Moonshot“ nennt er das KI-Wettrennen „extrem gesund“ für die NASA. Sein Argument: Wenn Elon und SpaceX auf orbitale Rechenzentren setzen, gebe es keinen Grund zur Annahme, dass es nicht funktioniert.

Isaacman geht noch weiter. Man solle „niemals gegen einen extrem gut kapitalisierten Elon wetten“. Die Ingenieure von SpaceX ließen unter Musks Führung „keinen Zweifel“ daran, dass orbitale Rechenzentren Realität werden. Zudem betont er die Abhängigkeit der NASA vom Unternehmen: Ohne SpaceX sei das Ziel einer dauerhaften Mondpräsenz nicht zu erreichen.

Auch aus der Privatwirtschaft kommt Rückendeckung. Patrick Bowen, Mitgründer und CEO des von Bill Gates unterstützten Photonik-Chip-Startups Neurophos, sieht kein einzelnes technisches Hindernis, das sich nicht überwinden ließe. Offen bleiben für ihn aber Wartung, Zuverlässigkeit und die Lebensdauerkosten der Systeme.

Kurs nähert sich IPO-Tiefstständen

Die Debatte trifft die Aktie an einem fragilen Punkt. Binnen 30 Tagen hat das Papier 32,36 Prozent verloren. Seit dem Junihoch von 194,46 Euro hat sich der Kurswert nahezu halbiert. Der RSI von 31,9 signalisiert eine Annäherung an überverkauftes Terrain, während eine annualisierte Volatilität von 64 Prozent das turbulente Handelsgeschehen seit dem Nasdaq-Debüt unterstreicht.

Der Umfang der Pläne ist enorm: SpaceX beantragt Lizenzen für bis zu eine Million Satelliten im niedrigen Erdorbit. Diese Größenordnung sorgt unabhängig von der Kostenfrage auch bei Umweltgruppen für Kritik – wegen möglicher Folgen für Astronomie und Orbitalverkehr.

Die Aufmerksamkeit der Investoren richtet sich nun auf den ersten Quartalsbericht von SpaceX als börsennotiertes Unternehmen. Er wird erstmals konkrete Zahlen liefern, ob die KI- und Orbital-Compute-Strategie tatsächlich Ergebnisse bringt. Bis dahin dürfte der Schlagabtausch zwischen Skeptikern wie Zeihan und Befürwortern wie Isaacman die spekulativste Wachstumswette des Unternehmens im Gespräch halten.