Der weltweite Ausbau von künstlicher Intelligenz und der Umbau der Energieversorgung eröffnen der Versicherungsbranche in den kommenden Jahren ein massives Geschäftsfeld.
Laut einer neuen Untersuchung des Swiss Re Institute könnten Investitionen in KI-Rechenzentren und erneuerbare Energien im Zeitraum von 2026 bis 2030 ein zusätzliches Prämienvolumen von rund 200 Milliarden US-Dollar in der Industrieversicherung generieren. Der Rückversicherer identifiziert dabei einen sogenannten Investitionssuperzyklus, der die Nachfrage nach spezialisierten Deckungskonzepten antreibt.
Rechenzentren und Energiewende als Wachstumstreiber
Den größten Anteil an diesem erwarteten Wachstum steuern laut der sigma-Studie Investitionen in die technologische Infrastruktur und die Energieerzeugung bei.
Allein für KI-Rechenzentren wird bis zum Jahr 2030 ein Prämienpotenzial von etwa 91 Milliarden US-Dollar prognostiziert. Dies korrespondiert mit massiven Investitionszusagen der führenden Technologieunternehmen: Die fünf größten US-Hyperscaler planen demnach für das Jahr 2026 Investitionen in Höhe von rund 800 Milliarden US-Dollar.
Parallel dazu treibt die Dekarbonisierung den Bedarf an Versicherungsschutz voran. Für den Bereich der erneuerbaren Energien kalkuliert das Swiss Re Institute mit einem Prämienpotenzial von rund 111 Milliarden US-Dollar bis 2030. Die globalen Investitionen in die Energieversorgung sollen bereits im laufenden Jahr ein Volumen von 3,4 Billionen US-Dollar erreichen, wovon 2,2 Billionen US-Dollar in erneuerbare Energien und die Modernisierung der Stromnetze fließen.
Geografische Risikokonzentration und hohe Sachwerte
Trotz der erheblichen Ertragschancen weist der Rückversicherer auf wachsende Risikokonzentrationen hin. Einzelne KI-Rechenzentren können inzwischen einen Wiederbeschaffungswert von bis zu 50 Milliarden US-Dollar erreichen, was die Versicherer vor Herausforderungen bei der Kapazitätsbereitstellung stellt.
Zudem sind viele Standorte kritischen Naturgefahren ausgesetzt. In den USA befinden sich mehr als 40 Prozent der Kapazitäten in Gebieten mit hohem Tornadorisiko, während über 25 Prozent durch Hagel gefährdet sind. International zeigt sich eine ähnliche Tendenz: In Taiwan liegen beispielsweise 88 Prozent der Halbleiterfabriken in Erdbebenzonen.
Diese räumliche Ballung von Werten erhöht das Potenzial für Kumulschäden. Rückversicherer wie Swiss Re sind hier gefordert, die notwendige Kapazität bereitzustellen und gleichzeitig die Abhängigkeiten der Infrastruktur, etwa von stabilen Stromnetzen, in der Risikobewertung zu berücksichtigen.
Haftungsrisiken und Marktumfeld
Zusätzlich zu den Sachrisiken belasten steigende Haftpflichtansprüche die Branche. In den USA wurde für das Jahr 2025 ein Anstieg der sogenannten „Nuclear Verdicts“ – Urteile mit extrem hohen Schadensersatzsummen – um 41 Prozent auf insgesamt 190 Fälle gemeldet.
Im Bereich der Naturkatastrophen wird für 2026 mit versicherten Schäden von rund 148 Milliarden US-Dollar gerechnet, wobei der langfristige Trend ein jährliches Wachstum dieser Schäden von 5 bis 7 Prozent zeigt.
An der Börse notierte das Papier von Swiss Re zum Handelsschluss am Freitag bei 151,95 Euro. Damit liegt die Aktie aktuell 4,0 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 146,11 Euro. Vom 52-Wochen-Hoch bei 166,95 Euro, das im vergangenen Oktober markiert wurde, ist der Titel derzeit rund 9,0 Prozent entfernt.
Nach der Veröffentlichung des Halbjahresergebnisses vor rund zwei Wochen, das bereits eine positive Tendenz aufwies, unterstreichen die neuen Studienergebnisse nun die langfristigen Wachstumsaussichten durch technologische Megatrends.
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